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Jährlich 600 000 Euro für den Hochwasserschutz

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Von: Julius Kolossa

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Vor einem Jahr war die Hauptstraße in Balve nach dem Jahrhundertunwetter überflutet.
Vor einem Jahr war die Hauptstraße in Balve nach dem Jahrhundertunwetter überflutet. © Cordes, Günter

Die Hönne plätschert friedlich vor sich. An manchen Stellen ist sie sogar trockengefallen, sorgt doch eine Wasserschwinde dafür, dass die Hönne unterirdisch weiterfließt. Vor genau einem Jahr sah dies völlig anders aus.

Balve - Nach heftigen Regenfällen war aus dem Flüsschen ein reißender Strom geworden. Die Wassermassen sorgten für verheerende Schäden.

„Damit hat keiner gerechnet“, erinnert sich Bürgermeister Hubertus Mühling. Der Fluss trat an vielen Stellen über das Ufer, das Wasser bahnte sich seinen Weg durch das Stadtgebiet. Es war ein Jahrhunderthochwasser, das in die Geschichte einging. Aus der Wiese vor der Höhle an der Hauptstraße wurde plötzlich ein See. Auch Häuser und Industriebetriebe waren betroffen. Längst sind alle Schäden noch nicht wieder beseitigt.

Analyse im Rathaus

Auch die Rathaus-Belegschaft beschäftigt die Flut noch immer. Hier wird analysiert, wie bei künftigen Hochwassern die Folgen abgemildert werden können. „Denn verhindern werden können wir es nicht“, betont Mühling.

Als die Jahrhundertflut im Juli 2021 über die Hönnestadt hereinbrach, urlaubte der Bürgermeister gerade am Bodensee. Als Mühling sich über die sozialen Medien und die Rathaus-Mitarbeiter ein Bild über die Schwere der Lage gemacht hatte, brach er seinen Urlaub sofort ab und kehrte nach Balve zurück. Fortan war er mittendrin in den schnell eingerichteten Krisenstäben der Feuerwehr und Verwaltung.

Notstromversorgung für das Rathaus

„Es musste über das Abschalten von Strom in vom Wasser besonders betroffenen Gebäuden, aber auch eventuelle Evakuierungen von Bewohnern diskutiert werden“, erinnert sich das Stadtoberhaupt noch genau an viele Details. Rückblickend sagt er durchaus selbstkritisch: „Besser kann man immer werden.“ So wurde als Erkenntnis der Ereignisse beispielsweise festgehalten, dass eine Notstromversorgung im Rathaus eingerichtet wird. Auch über ein Hochwasser-Management verfügt die Verwaltung nun.

Auch am Hochwasserschutz soll gearbeitet werden. So wurde der Politik von der Verwaltung bereits im September ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem die Fließgeschwindigkeit der Hönne reduziert und Überschwemmungsraum (sogenannte Retentionsflächen, die nicht bebaut werden dürfen), geschaffen werden soll. „Vorrangig ist der Bereich vor der Balver Höhle und die Strecke von Frühlinghausen bis zur Gransauer Mühle.“ Eine finanzielle Förderung für die Umsetzung dieser an der Hochwasserrichtlinie orientierten Maßnahme sei bereits bei der Bezirksregierung Arnsberg beantragt worden.

Arbeiten beginnen im Herbst

Mit der ersten Retentionsmaßnahme (Kosten von 350 000 Euro bei 80-prozentiger Förderung) soll im Herbst begonnen werden. Auf etwa 500 Metern von der Firma Pickhardt & Gerlach bis zur Brücke des Schulzentrums am Krumpaul soll die Hönne mehr Platz bekommen. „Ab 2023 werden wir dann jedes Jahr etwa 600 000 Euro für den Hochwasserschutz in den städtischen Haushalt einstellen“, verspricht Mühling.

Denn er weiß um die Nöte, die die Bevölkerung damals hatte. Viele Anfragen nach finanzieller Unterstützung gingen bei ihm ein. „Die Hilfe hat funktioniert, weil alle an einem Strang gezogen haben und die Hilfsbereitschaft sehr groß gewesen ist.“ Die Stadt hatte ein Spendenkonto für unbürokratische Soforthilfe eingerichtet, auf dem insgesamt 200 000 Euro eingingen. „Auch vom Land haben wir schnell Hilfe bekommen: an 80 private Antragsteller wurden 174 000 Euro, an 19 gewerbliche Antragssteller 95 000 Euro zur Verfügung gestellt.“ Für die Sanierung der kommunalen Infrastruktur bekam die Stadt 1 075 000 Euro, eine weitere Million für Forstwirtschaftsschäden.

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