„International bedeutend“: Dr. Achim Schwermann untersucht Dinosaurierfundstelle in Balve

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Was für andere Geröll ist, enthält für den Paläontologen Dr. Achim Schwermann eventuell wertvolle Fundstücke. In diesem Jahr trat er die Nachfolge von Dr. Klaus-Peter Lanzer im Landschaftsverband Westfalen-Lippe an.

Balve - Der Bagger hat Geröll herangefahren, das von einer Sprengung übrig geblieben ist. Für den Paläontologen Dr. Achim Schwermann ist der vor ihm liegende Abraum eine echte Fundgrube.

Der 33-Jährige trat in diesem Jahr im Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Nachfolge von Dr. Klaus-Peter Lanzer an und ist damit auch zuständig für die Arbeiten am Dinosaurierfundort in Balve.

Dr. Achim Schwermann hat etwas im Schutt entdeckt: „Zwei kleine Teile eines Schildkrötenpanzers.“ Etwa 130 Millionen Jahre sollen diese Fragmente sein, die auf den ersten Blick unbedeutend wirken, für den Experten aber von großer Bedeutung sind. „Von der Qualität der Ausgrabungen ist dies hier ein international bedeutsames Bodendenkmal“, sagt er.

Die Teile eines Schildkrötenpanzers sollen etwa 130 Millionen Jahre alt sein.

Es sind hier allerdings die kleinen Dinge wie Zehenglieder, Zähne oder Wirbelknochen von Dinosauriern, Eidechsen, Krokodilen, Schildkröten und auch Haien, die seit 2002 gefunden werden. Dr. Achim Schwermann, der in Münster seine Doktorarbeit über die Funktionsweisen von Säugetier-Gebissen geschrieben hat, war vier Monate mit Studenten vor Ort: „Wir haben etwa 300 makroskopische Funde gemacht, die sich im Zentimeterbereich befinden, und mehrere Zentner Material, das in Münster unter dem Mikroskop ausgewertet werden muss.“ Dafür wurden täglich um die 200 Kilogramm Erde ausgegraben und gründlich untersucht. „Hier gibt es Ablagerungen vom Festland im Kalkstein. In dieser Vielfalt ist dieser einer von wenigen Fundorten in ganz Europa.“ Dass die Ausgrabungen viele Millionen Jahre alt sind, ist für ihn inzwischen „Alltagsgeschäft“. „Solche Zeitdimensionen sind trotzdem nur sehr schwer vorstellbar“, fügt er jedoch hinzu.

Laut Schwermann ist der Fundort in Balve von der Qualität der Ausgrabungen ein international bedeutsames Bodendenkmal.

Die Forscher finden hier jeden Tag aufs Neue eine Fundgrube vor – sie müssen sich aber auch damit abfinden, dass sich die Natur einen Teil der Ausgrabungsstätte zurückholt. In einer Stelle, an der noch unter der Leitung von Dr. Lanzer ausgegraben wurde, steht das Wasser inzwischen 1,50 Meter hoch. Einen Ablauf gibt es nicht, sodass dieser Fundort inzwischen verloren ist. Abpumpen wäre möglich, wenn nicht die unter Naturschutz stehende Geburtshelferkröte in dem Wasser leben würde, wie Dr. Schwermann erklärt.

In einem großen Sieb werden die Teile aufgefangen. Auch Fragmente von Dinosaurierknochen hat Schwermann schon entdeckt.

Und so wurde ein neues Feld einige Meter daneben erschlossen, an dem der Doktor und seine Studenten mehrere Jahre zu tun haben werden. Für den Ausgrabungsleiter war dieser Standort bisher Neuland. Die diesjährige Ausgrabung war seine erste an der Balver Fundstelle, die er bisher nur von Forschungsprojekten in Münster her kannte. „Wir haben dort noch viele Kisten voll mit Material, das noch nicht erschlossen ist“, erzählt er über die Arbeit, die ihn und seine Kollegen in der ausgrabungsfreien Zeit erwartet. Und weil in diesem Jahr noch ein Umzug seines Instituts bevorsteht, gibt es auf jeden Fall genug zu tun.

Seine Zeit in der Hönnestadt verbrachte der Münsteraner auch mit Besuchen im Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Balver Höhle. Um die Bedeutung beider Standorte weiß der Paläontologe. Auch, dass das Museum die beiden Dinosaurier-Modelle aufgrund der abgelaufenen Leihfrist noch in diesem Jahr wieder abgeben muss, ist ihm bekannt. Er verspricht, sich für neue Leihgaben einzusetzen: „Den Wunsch gebe ich gerne weiter.“

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