Viel Arbeit für den Stadtarchivar

In der Corona-Zeit: Balver werden zu Ahnenforschern

Archivar Reimund Schulte zeigt einen Teil des Bestandes, der bis ins Jahr 1874 zurückreicht. Jedes Dokument muss digital erfasst werden. Für diese Aufgabe verbringt Schulte auch viel Zeit am Schreibtisch.
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Archivar Reimund Schulte zeigt einen Teil des Bestandes, der bis ins Jahr 1874 zurückreicht.

Die Balver sind in der Corona-Zeit verstärkt unter die Ahnenforscher gegangen, wie Stadtarchivar Reimund Schulte im Gespräch mit der Redaktion erzählt. „Wir haben hier im Archiv so große Nachfragen zur Historie von Familien wie noch nie“, sagt Schulte.

Im Stadtarchiv lagern die Unterlagen des Garbecker Standesamtes von 1894 bis zur kommunalen Neugliederung 1974, aber auch sämtliche Urkunden vom Standesamt in Balve seit 1874. Auch die Nachlässe einiger Vereine, die ihre Dokumente zur Verwahrung und Aufbewahrung im Stadtarchiv abgegeben haben, sind hier einzusehen. So vom Männergesangverein Amicitia Garbeck, von der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft aus Balve, vom Förderkreis Friedhofskapelle Beckum, der Viehkasse Beckum und von der Heimwacht Balve.

Die Recherche zum Familienursprung kann allerdings nach wie vor nur unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften erfolgen, denn alles ist nur vor Ort einsehbar. Reimund Schulte ist bemüht, den Wünschen nach Information nachzukommen, eventuell auch mit eigenen Ergebnissen dazu beizutragen.

Wochenlang andauernde Nachforschungen

„Aber auch Vereine werden hier fündig“, berichtet der Archivar über wochenlang andauernde Nachforschungen des Historischen Vereins Langenholthausen über die Chroniken der Schule in dem Dorf. „Die Ergebnisse werden noch vor Weihnachten herausgegeben.“

Jedes Dokument muss digital erfasst werden. Für diese Aufgabe verbringt Schulte auch viel Zeit am Schreibtisch.

Und dann werden immer wieder Fotos und Negative aus privaten Nachlässen abgegeben; bisher auf Dachböden oder in Kellern gelagert, sollen diese Funde hier eine neue Heimat finden. Für Reimund Schulte und seiner Mitarbeiterin Ulrike Knips ist dies ein gutes Zeichen für den immer höher werdenden Bekanntheitsgrad des seit November 2013 im Keller der Realschule einquartierten Stadtarchivs.

300.000 Negativstreifen müssen eingescannt werden

Damit einher gehe aber auch viel Arbeit: „Alles muss gesichtet, erfasst und in unser Programm eingegeben werden.“ Fotos und Negative müssen eingescannt werden, auch diejenigen aus dem Nachlass von Fotograf Gustav Engel, der von 1950 bis 1971 bei allen Schützenfesten, aber auch vielen Hochzeiten, Kommunions- und auch Familienfeiern fotografierte. „Er hat sämtliche Negativstreifen und jedes Negativ beschriftet“, weist Schulte auf die Akribie von Gustav Engel hin. „Aber bis heute ist es nicht gelungen, die dazu passende Gesamtübersicht zu finden.“ Also werden sich Reimund Schulte und Ulrike Knips weiterhin daran machen, die Negativstreifen zu digitalisieren. „Mehr als 6000 sind schon von uns erfasst worden, aber auf uns warten noch mehr als 300 000.“

Reimund Schulte weiß um seinen langjährig angelegten Job als Archivar der Stadt, mit dem er 2011 neben seiner Tätigkeit im Rathaus begann. Seit August 2017 ist er nun als Pensionär tätig und verantwortlich dafür, dass das Archivgut der Stadt verwaltet wird: „Das ist die erste und wichtigste Aufgabe.“ Dass daneben auch Anfragen von Doktoranden, Vereins- oder Familienforschern eingehen, gehört zu den Dienstleistungen, die die Stadt anbietet.

Neue Dokumente in Aussicht

„Es kündigt sich ein weiterer Nachlass an“, weiß er um einen in den nächsten Tagen anstehenden Termin. „Zeitungen und andere zeitgeschichtliche Dokumente aus dem Besitz der Familien Thiel und Schulte werden demnächst hier abgegeben.“ Auch diesen Fundus gelte es zu sichten und zu erfassen. „Die Arbeit im Stadtarchiv endet nie“, sagt Reimund Schulte. JULIUS KOLOSSA

Das Stadtarchiv ist montags von 13.30 bis 16.30 Uhr sowie nach vorheriger Terminabsprache unter Tel. 02375/9372838 geöffnet.

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