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Dürre und Trockenheit: Landwirte fürchten um ihre Ernte

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Von: Julius Kolossa

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Landwirt Michael Tillmann und sein Team bringen Tannenbaumsetzlinge in die Erde. Vor allem die jungen Bäume ohne ausgeprägtes Wurzelwerk leiden extrem unter Hitze und Dürre.
Landwirt Michael Tillmann und sein Team bringen Tannenbaumsetzlinge in die Erde. Vor allem die jungen Bäume ohne ausgeprägtes Wurzelwerk leiden extrem unter Hitze und Dürre. © Kolossa, Julius

Der Hitze- und Dürresommer 2022 hinterlässt auch in Balve deutliche Spuren. Der Wasserpegel der Hönne sinkt immer weiter, in größeren Teilbereichen ist der Fluss bereits komplett trockengefallen.

Balve - Deshalb gingen bei Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) in dieser Woche vermehrt Anfragen besorgter Bürger ein, wie denn die in der Hönne lebenden Fische zu retten seien. „Wir von der der Stadt können leider nicht helfen, weil in der Natur grundsätzlich Wasser fehlt. Mein Dank geht aber an alle Helfer, die sich bemühen, diese Fische umzusiedeln“, sagte das Stadtoberhaupt im Gespräch mit der Redaktion.

Als Betriebsleiter der Stadtwerke, der Mühling ebenfalls ist, hat er zudem die Trinkwasserquellen im Blick. Über die Glärbach in Balve und die Ruthmecke in Volkringhausen werden große Teile des Stadtgebiets mit Trinkwasser versorgt: „Auch hier geht wegen der anhaltenden Trockenheit die Schüttmenge zurück, sodass wir mehr Wasser aus Menden zukaufen müssen.“ Die Mendener Stadtwerke versorgen sich unter anderem mit Wasser aus der Ruhr und hängen damit an einer sicheren Quelle. „Und sonst gehen wir von den Stadtwerken sparsam mit der Ressource Wasser um: Ein Mal in der Woche werden Neuanpflanzungen wie Bäume mit Bewässerungssäcken bewässert“, sagte Mühling. Dafür werde wöchentlich ein Kubikmeter Wasser benötigt. „Unser Ziel ist es, die Wasservorkommen in unseren Quellen zu schonen, um auch die Ressource als Trinkwasser nutzen zu können“, so Mühling weiter.

Solchen Herausforderungen steht auch Michael Tillmann, Inhaber des Hofs Tillmann in der Grübeck, gegenüber. In der fünften Generation bewirtschaftet er diesen erstmals im Jahr 1403 urkundlich erwähnten landwirtschaftlichen Betrieb. 35 Hektar Acker, 25 Hektar Wald, 30 Hektar Grünland und zwölf Hektar an Weihnachtsbaumfläche gehören ihm.

„Nicht jeder in diesem Jahr gepflanzte Baum wird es später als Weihnachtsbaum in die Wohnzimmer schaffen“, hat Tillmann einige Exemplare aufgrund der anhaltenden Trockenheit bereits abgeschrieben. „Als wir 5000 Stück im April anpflanzten, spielte das Wetter noch mit – jetzt aber gibt es zu viel Sonne.“

Mit der Trockenheit und der Dürre müssten die Bäume selbst klarkommen, denn jede Schonung zu bewässern, sei wirtschaftlich nicht machbar. In etwa acht Jahren erreiche eine Tanne die Höhe von rund zwei Metern. Diese älteren Bäume hätten dann das Potenzial, mit der Trockenheit klarzukommen: „Man merkt aber auch, dass die Nadeln der Bäume nicht so dunkel werden wie in den vergangenen Jahren.“

Michael Tillmann wartet sehnsüchtig auf den Regen, der aber weiter auf sich warten lässt. „Das sieht man auch beim Silomais, den wir Anfang Mai legten: Die Pflanzen sind insgesamt deutlich kleiner von der Höhe und der Größe der Maiskolben, und sie rollen die Blätter.“ Deutlich bessere Erträge habe er bei Wintergerste und Winterweizen zu verzeichnen. „Insgesamt aber ist es schwierig, mit der lang andauernden Trockenheit umzugehen.“ Das Getreide pflanzt Michael Tillmann übrigens ausschließlich als Tierfutter und nicht zur Produktion von Lebensmitteln an. Das habe einen einfachen Grund, wie der Landwirt erklärt: „Wir haben hier in unserer Region kein Bodenklima für Brotgetreide.“

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