Hinter den Kulissen von Ronja Räubertochter

+

BALVE ▪ Vor jeder Ronja-Räubertochter-Vorstellung herrscht in und rund um den Balver Felsendom geordnet-zügiges Treiben. Zwei Stunden bevor der Blitz die Mattis-Burg in zwei Hälften teilt – der donnernde Auftakt des Märchenspiels – sind die Darsteller und Helfer bereits im Einsatz, um nicht nur rechtzeitig in die Maske zu gehen, sondern auch um den Festival-Ort auf Vordermann zu bringen. Von Susanne Riedl

Ein Putzplan zeigt den Ensemble-Mitgliedern, wer an welchem Tag die Sitze vor der Vorstellung zu säubern hat. „Wegen der Tropfsteinhöhle bilden sich auf den Sitzen immer wieder kleine Wasserlachen“, weiß Uta Baumeister, zuständig für die Pressearbeit beim Balver Festspielverein. In der vergangenen Woche war für das Trocknen unter anderem Marius zuständig; im Anschluss schlüpfte der junge Mann in die Rolle als Mattis-Räuber. Vier Mitglieder der Borka-Sippe waren im Gegenzug für die Reinigung der Sitzreihen nach den Aufführungen verantwortlich. Ein Job, der oftmals mehr Arbeit bedeutet als das Trockenreiben, denn viele Zuschauer lassen Flaschen und Verpackungen unter ihrem Sitz liegen. Zur Endreinigung nach jedem Auftritt gehört für die Darsteller auch, die Toiletten zu säubern.

Damit die Besucher in den Pausen ihren Durst und den kleinen Hunger zwischendurch stillen können, laufen die Vorbereitungen für das Küchen-, Pommes- und Waffelteam ebenfalls einige Zeit vor dem Einlass auf das Gelände der Balver Höhle an. Dann ist die Vorsitzende Lisa Grefe schon mal gerne an der Popcorn-Maschine zu finden, das Waffelteam karrt Getränkekisten ins Verpflegungszelt und „füttert“ den Kühlschrank. Süßigkeiten werden ausgelegt, Waffelteig gerührt und auch das Pommes-Team nebenan an hat alle Hände voll zu tun bis die Fritteuse auf Temperatur kommt, damit die Gästewünsche in der Pause ohne lange Wartezeit erfüllt werden können. Eine Stunde bevor sich die mutige Räubertochter den Gefahren im Mattis-Wald stellt, öffnen sich die Tore zum Felsendom. Die Herren der Ehrenabteilung der Feuerwehr, reißen die Eintrittskarten ab und haben für die Besucher stets ein freundliches Wort auf den Lippen.

Oberstes Gebot für die Darsteller – sobald die ersten Zuschauer Platz im Balver Felsendom nehmen – lautet: Keiner darf mehr vorne raus. „Das würde vorab zu viel Spannung nehmen, vor allem für die Kinder“, erklärt Uta Baumeister. Ein kleines Missverständnis zwischen dem Team am Eingang und den Darstellern sorgte vergangene Woche dafür, dass das Eintanzen der Räuber-Banden ausfallen musste. Gerade als sich die Gruppe warm machen wollten wurde der schwere Vorhang für die Zuschauer geöffnet – blitzschnell huschten die Räuber wieder hinter die Kulissen, um das oberste Gebot einhalten zu können.

Verwinkelte Gänge führen hinter der Bühne zur Mattis-Burg hinauf, hinein in die Bärenhöhle oder den Bau der Rumpelwichte – die Darsteller müssen schon ganz genau wissen, welcher Gang zu welchem Schauplatz führt. An einer Holzlatte kurz vor dem Zugang zum Räuber-Saal hängt die Applausfolge, die den Laienschauspielern vorgibt, in welcher Reihenfolge die Figuren nach der Aufführung vor das Publikum treten sollen.

Während auf den Stühlen im Zelt des Make-up-Teams von Maskenchefin Miriam Krieger ein Darsteller nach dem anderen Platz nimmt, scharen sich die fertig Geschminkten wie wartende Darsteller um einen Heizpilz. Es ist klamm in der Höhle, die Kälte kriecht beim Warten in die Knochen. Damit die Kostüme nicht feucht werden, sind die Kleidungsstücke in Säcken verpackt. Ein Heizlüfter sorgt für wohlige Wärme beim Umziehen und am Schminktisch. „Die Hauptdarsteller und der Fuchs sind am Aufwändigsten zu schminken“, erklärt das Make-up-Team. Kleine Details, wie Grübchen oder Falten, müssen herausgearbeitet werden. Nach der Maske beginnt das große Warten – gerade dem Schauspielnachwuchs fällt das nicht immer leicht. Doch in der Festspielfamilie „erzieht jeder jeden“, so die Pressesprecherin, die diesmal im Übrigen einen Borka-Räuber verkörpert.

Immer wieder flitzt ein Tontechniker zwischen Graugnomen, Druden und Rumpelwichten hin und her – beim Mikrofon-Check spult der Techniker einige Kilometer zwischen Mischpult und Darstellern ab. Außerdem mischen sich auch Kameraden der Feuerwehr unter das Räubervolk. „Sie checken vor jedem Auftritt, ob die Notausgänge frei sind und die Schläuche voll Wasser sind“, weiß Uta Baumeister. Generell unterliegen Aufführungen in der Höhle einem strengen Brandschutzplan – so auch die Märchenspiele. Eine Woche vor der Premiere kontrollierte der Märkische Kreis sämtliche Brandschutzaspekte.

Kurz vor der Aufführung steigt dann allmählich die Konzentration. Die Darsteller schwören sich in einem großen Kreis mit einem kurzen Sprechgesang „Fürchtet euch nicht“ auf das bevorstehende Ereignis ein. „Toi, toi, toi“ rufen sie sich zu und „spucken“ sich über die Schulter. „Auf keinen Fall darf man sich dann bei dem anderen bedanken – sonst läuft es nämlich nicht“, erklärt Uta Baumeister eine weitere wichtige Regel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare