Das Gedächtnis der Gemeinde

+
Herbert Matzke zeigt ein Duplikat einer Urkunde zur Grundsteinlegung des Kapellenhauses. ▪

BALVE ▪ „Er ist das Gedächtnis der Gemeinde“, fasst Pfarrer Christian Weber von der Evangelischen Kirchengemeinde Balve die Arbeit von Herbert Matzke zusammen. Dieser ist seit 2010 dafür verantwortlich, das Archiv der Gemeinde anzulegen und zu verwalten. Einmal ist er dafür schon umgezogen: vom Büro neben der Orgelbühne ins Büro im Gemeindehaus auf der anderen Straßenseite.

Hier stehen 180 Ordner, vom Archivar je nach Bezug für die Gemeinde, Kreis- oder Landessynode jeweils farblich entsprechend unterlegt. „Band eins beginnt mit der tabellarischen Berichterstattung der kirchlichen Verhältnisse“, blättert er eine Aktensammlung auf. Schwarz auf weiß steht dort handgeschrieben, dass 1930 der Gemeinde 200 Mitglieder, davon 25 schulpflichtige Kinder angehört hatten. Matzke: „Heute gehören insgesamt 2600 Frauen und Männer dazu.“

Angefangen hat für den 73-jährigen gelernten Zerspanungsmechaniker sein zweiter Bildungsweg mit dem Amtsantritt von Pfarrer Weber, der sich nach Interessenten für die Archivarbeit erkundigt hatte. Gerne sagte Herbert Matzke zu, und hat diesen Entschluss nie bereut: „Ich mache das gerne.“ Seine erste Amtshandlung bestand darin, den ungeordneten Bestand der beiden Eisenschränke im Raum neben der Orgelbühne zu erfassen. Kassenbücher, aber auch Daten über die Mitglieder seit 1930 hatte er schon in den Händen gehabt – dazu musste er auch handgeschriebene Karteikarten lesen: „In diesen Boxen wurde bis zur Einführung der Computer die Mitgliedererfassung vorgenommen.“

Tipps für seine Arbeit erhält er von seinem Amtskollegen Rudolf Rath; der Austausch vom katholischen Pfarrheim ins evangelische Gemeindehaus und umgekehrt funktioniert bestens.

Herbert Matzke hält die Augen offen, wenn über seine Gemeinde berichtet wird, weiß aber auch, dass noch im Gemeindebüro und im Keller des Pfarrhauses einige Aktenmeter darauf warten, das Licht in seinem Büro zu erblicken und für zukünftige Generationen erschlossen zu werden. Gerne zeigt er eine Kopie von der „Urkunde zur Erinnerung an die Grundsteinlegung des evangelischen Kapellenhauses“ vom 31. März 1933 oder die Gemeindebriefe ab 1957. Von Inhalt und Gestaltung unterscheiden sie sich deutlich von den heutigen Ausgaben.

Ein Archiv wird auch dadurch informativ, dass viele ihren Anteil dazu leisten – deshalb ruft Matzke alle dazu auf, ihm Bilder auch von den ehemals hier aktiven Pfarrern für eine Kopie zu überlassen. - Julius Kolossa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare