Familie Bender mit den Nerven am Ende

Herausforderung Homeschooling: Wenn die Infrastruktur zum Problem wird

Hilfe beim Homeschooling: Kirsten Bender kontrolliert die Aufgaben ihres Sohnes Jan, die er von der Realschule bekommen hat.
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Hilfe beim Homeschooling: Kirsten Bender kontrolliert die Aufgaben ihres Sohnes Jan, die er von der Realschule bekommen hat.

„Wir haben alle Nerven gelassen“, sagt Kirsten Bender. Denn seit die Schulen im Dezember coronabedingt schließen mussten, ist auch für ihre Söhne Jan (12) und Leon (15) Distanzunterricht angesagt.

Weil die Benders aber in Balve-Höveringhausen wohnen, ist das ein großes Problem. Ans Internet angebunden ist das Wohnhaus der Benders mittlerweile zwar, die Verbindung ist jedoch so schlecht, dass Jan und Leon den Online-Unterricht der Balver Realschule nur mit großen Problemen verfolgen können.

„Die Erreichbarkeit ist sehr schlecht“, sagt Kirsten Bender. Denn so gut es sich in Höveringhausen auch leben lässt, so schlecht ist dort die Internetanbindung. „50 Meter von unserem Haus entfernt liegt zwar ein von Innogy verlegtes Glasfaserkabel für schnelles Internet, doch bisher wurde uns von der Firma immer mitgeteilt, dass wir nicht anschließbar seien“, berichtet Bender, die sich sehr unzufrieden mit der Telekom zeigt.

Wechsel des Anbieters

Denn dieses Unternehmen habe keinen vernünftigen Anschluss gewährleisten können. Deshalb haben die Benders inzwischen den Anbieter gewechselt, sind jetzt bei O2. Ans Internet angebunden ist die Familie über einen sogenannten Hotspot durch das Mobilfunknetz und ein spezielles Modem für die Steckdose.

„Aber die Verbindung ist sehr stark von Wind und Regen abhängig“, kritisiert Kirsten Bender die weiterhin mangelhafte Erreichbarkeit, unter der ihre Kinder zu leiden haben. „Sie benötigen mehrere Versuche, Bilder oder Textdateien zu verschicken, oder aber sie können nur mit schlechter Bild- und Tonqualität an den Videokonferenzen teilnehmen, die von den Lehrern durchgeführt werden.“

Hoffnungen ruhen auf Breitbandausbau

Die Benders setzen jetzt voll und ganz auf die Stadt Balve, denn in diesen Tagen beginnt in der Hönnestadt in Kooperation mit dem Märkischen Kreis der Breitbandausbau für schnelles Internet in bisher noch unterversorgten Gebieten (wir berichteten). Bis im Zuge dieser Arbeiten die Glasfaser aber auch das Haus der Familie Bender erreicht hat, dürfte es noch einige Zeit dauern. Jan und Leon werden also wohl erst einmal noch mit täglichen Einschränkungen beim Homeschooling leben müssen.

Homeschooling: Nicht alle Schüler werden erreicht

Das Arbeitsverhalten der Schüler hat sich nach einigen Wochen im Distanzunterricht verbessert. Diesen Eindruck hat zumindest Nina Fröhling, Leiterin der Balver Realschule. „Es macht sich bemerkbar, dass immer besser von zu Hause gearbeitet wird – die von den Lehrern kontrollierten Arbeiten, die von allen Schülern jeweils nach einer Woche abzugeben sind, werden immer besser“, sagt Fröhling im Gespräch mit der Redaktion. Geblieben sei aber das Problem, dass nicht alle Schüler durch den Distanzunterricht erreicht werden. Und einige täten nach wie vor fast nichts für die Schule. „Deren Verhalten hat sich leider nicht geändert“, so Fröhling.

Auch abseits der technischen Probleme ist Kirsten Bender vom Modell Distanzunterricht alles andere als begeistert. „Es fehlen meinen Jungs die sozialen Kontakte in der Schule“, erzählt die Mutter, dass den beiden Realschülern der Unterricht nicht mehr so viel Spaß mache. Schleichend werde die Motivation schlechter. „Sie wären gerne wieder in ihren Klassen“, so Bender. Beiden fehlten die Schulfreunde, aber auch, dass sie sich nicht mehr verabreden können.

Der Lockdown verlangt allen viel ab

Auch Kirsten Bender verlangt der Lockdown viel ab. Neben ihrem Beruf als Heilerziehungspflegerin kontrolliert sie nun schon über Wochen die Schulaufgaben von Jan und Leon, muss sich dabei in den Stoff der Jahrgangsstufen fünf und zehn einarbeiten. „Die Kinder können sich zwar sehr gut selbst organisieren“, lobt sie. „Sie müssen dazu von mir aber immer wieder motiviert werden.“

Lob gibt es von Kirsten Bender für die Lehrer und das Konzept der heimischen Realschule. Von dieser Seite werde das Möglichste getan, um guten Distanzunterricht zu leisten. Der Kontakt zu den Lehrern sei gut und diese praktisch ständig zu erreichen. Die Probleme mit der digitalen Infrastruktur jedoch bleiben vorerst.

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