Ein Helfer für die Hinterbliebenen

+
Michael Voss ist Notfallseelsorger. Seine Arbeit stellt ihn dabei immer wieder vor Herausforderungen.

Balve -  „Danke, dass Sie da waren.“ Michael Voss, 44, freut sich über solche Worte nach seinem Einsatz als Notfallseelsorger. Zehn Mal war er im Raum Plettenberg als Seelsorger in Notfällen zuständig: „Ich überbringe Todesnachrichten zusammen mit Polizeibeamten, und stehe den Angehörigen dabei zur Seite.“ Michael Voss ist der erste Notfallseelsorger aus dem Raum Balve.

„Als die Stadt Plettenberg vor fünf Jahren zu einem Informationsabend mit dem Notfallwesen-Beauftragten Uli Slatosch einlud, war ich dabei und ließ mich danach neun Monate ausbilden“, erzählt er unserer Zeitung. Der Bankkaufmann bei den Vereinigten Sparkassen im Märkischen Kreis in Plettenberg ist seit 1985 in verschiedenen Balver Hilfsorganisationen gewesen, seit 2000 beim DRK. „1994 habe ich mich zum Rettungsassistenten ausbilden lassen“, erzählt er unserer Zeitung. Zweieinhalb Jahre hat er dafür Freizeit und auch Geld investiert. „Dann begann meine Sturm- und Drangzeit“. An den Wochenenden war er regelmäßig mit dem Rettungswagen in Dortmund unterwegs; größte Einsätze gab es bei der Fußball-WM 2006 und bei der Love-Parade in Duisburg. Dass er für sein Leben gern anderen helfen möchte, beschreibt er so: „Ich habe ein Retter-Syndrom.“ Dann lernte er vor fünf Jahren Simone mit ihrer Tochter Sarah kennen, wenig später heiratete er, und findet nun in der Familie seinen Mittelpunkt.

Das Bestmögliche heraus holen

Und wenn er jetzt von seinem Fenster in der dritten Etage des Bankgebäudes den ausrückenden Rettungskräften nachblickt, wird ihm schon etwas wehleidig zumute: „Aber alles hat eben seine Zeit.“ Doch ganz ohne Hilfeleistung für andere geht es doch nicht, ist Michael Voss doch heute als 3. Zugführer der 1. Einsatzeinheit des DRK tätig. Er findet die Herausforderung als Rettungsassistent, aber auch als Notfallseelsorger bereichernd: „Einerseits versuche ist alles, um Leben zu retten, andererseits versuche ich, aus einer schlechten Situation das Bestmögliche heraus zu holen, und mit menschlichen Gesten das Leid erträglich zu machen.“ Er kann das Leid nicht ändern, aber versuchen „in psychischen Ausnahmezuständen Perspektiven aufzuzeigen, dass das Leben weiter geht.“ Auch am 1. Mai beim Unfall in Balve-Süd war er vor Ort.

„Danke ist ein großes Lob“

Bei Todesfällen mit ungeklärter Ursache wird der Notfallseelsorger angefordert: „Zwei Todesnachrichten habe ich mit überbracht, acht Mal war ich nach so genannten plötzlichen Todesfällen im häuslichen Bereich mit dabei.“ Wenn eine Todesursache nicht eindeutig geklärt ist, finden weitere Untersuchungen statt, so dass Familienangehörige auch mit der Kriminalpolizei in Kontakt kommen. Und dann ist Michael Voss da, erklärt die Formalitäten, den Ablauf und hört zu. „Ein einfaches Danke ist für mich in solchen Fällen ein großes Lob“, weiß er um die Situationen und die Anspannung.

Auch für den Raum Balve hat er vor zwei Jahren ein Angebot gemacht: „Unter der Leitung von Uli Slatosch fand das erste und bisher einzige Treffen statt“. Gerne würde Michael Voss sein Hilfsangebot auch für seine Heimatstadt anbieten, doch sei bislang der Zuständigkeitsbereich noch unklar. „Ich bin nicht im PSU-Bereich tätig“, stellt er fest. Dieser, die Psycho-Soziale-Unterstützung, ist ein Angebot von den beiden dafür ausgebildeten Einsatzkräften der Feuerwehr, Hans-Dieter Kolossa und Vinzenz Schulte, für Einsatzkräfte nach Unfällen mit Schwerverletzten oder Toten. Michael Voss: „Ich bin Helfer für die Hinterbliebenen.“ Sein Angebot für Balve hält er weiter aufrecht, und steht den Verantwortlichen gerne für Fragen zur Verfügung. Wer ihn als Notfallseelsorger in Anspruch nehmen möchte, erreicht ihn unter der Rufnummer 0 23 75/91 00 47 (DRK – Ortsverein Balve).

Von Julius Kolossa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare