Heimatforschung in Balve

Schulen schon immer ein Streitthema

Viele Unterlagen, die sich mit der Schulgeschichte in Balve befassen, sichtet Dr. Tillmann derzeit.
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Viele Unterlagen, die sich mit der Schulgeschichte in Balve befassen, sichtet Dr. Tillmann derzeit.

Heimatforscher Dr. Rudolf Tillmann taucht derzeit tief in die Geschichte der Balver Schulen ein. Er forscht danach, in welchem Zustand sich die Bildungseinrichtungen in der Hönnestadt vor rund 200 Jahren befanden.

„Es geht langsam dahin, wenn man von der Gemeinde was für die Reparationen am Schulhaus und im Klassenzimmer erhalten will!“ Unzufrieden über den Zustand ihrer Schulen sind die Lehrer nicht erst heutzutage, denn das Zitat stammt aus einer Umfrage aus dem Jahr 1790, mit dem der Zustand der damaligen, in dieser Zeit bestehenden Elementarschulen in Balve, Garbeck und Eisborn abgefragt wurde.

Heimatforscher Dr. Rudolf Tillmann (79) hat am Freitag eine Zwischenbilanz seiner sechsmonatigen Recherche über den Zustand der Schulen im Stadtgebiet vor etwa 200 Jahren vorgestellt: „Schon damals sorgte die Ausstattung für große Unzufriedenheit.“

Unterstützung durch Pfarrarchivpfleger Rudolf Rath

Dr. Tillmann wurde bei seinen Nachforschungen von Pfarrarchivpfleger Rudolf Rath unterstützt, der auf 73 Urkunden- und Dokumentenbände bis 1936 zurückgreifen kann. Beide Forscher stehen im ständigen Kontakt miteinander, so dass sie über viele Dinge ins Gespräch kommen, so auch über die Entstehung der Schullandschaft in Balve.

Dr. Rudolf Tillmann taucht derzeit tief in die Schulgeschichte in Balve ein. Unterstützung erhält er bei seiner Forschungsarbeit von Rudolf Rath (rechts).

Gründer war die Familie von Haxthausen im Jahr 1654, die dafür sorgte, dass in Eisborn eine Elementar- oder Volksschule den Unterricht für alle Kinder von fünf bis 15 Jahren gewährleistete. „Jungen wurden damals auf dem Hof als Arbeiter gebraucht, Mädchen in der Küche und im Haus als Hauswirtschafterinnen“, so Dr. Tillmann. Herausragende Bedeutung sei der Schule damals noch nicht von den einfachen Menschen auf dem Land entgegengebracht worden – doch die Familie in Eisborn und Umgebung fügten sich, und ließen ihren Nachwuchs das Lesen und Schreiben lernen. Die Pfarrer sorgten dafür, dass der Religionsunterricht nicht zu kurz kam. Kurz nach Eisborn gingen auch in Balve und Garbeck die Kinder in dortige Schulen. „Ich suche noch nach den genauen Datierungen“, sieht Rudolf Rath weiteren Forschungsbedarf.

Forderung nach besseren Lehrern und Gebäuden

Dagegen wurde genug geforscht über die Befragung der kurfürstlichen Schulbehörde, die 1790 alle 112 Pfarreien als untere Schulaufsicht über den Zustand vor Ort befragten. „Es wurden bessere Lehrer und bessere Gebäude gefordert“, fasste Dr. Tillmann das Wesentliche aus den 35 Fragen zusammen. „Dabei wurden aus der Bestandsaufnahme auch Konsequenzen und Veränderungen gezogen, wie die Entlassung von faulen oder unfähigen Lehrern.“ Es wurde auch mehr Geld in die Ausstattung der Schulen gesteckt, so dass nach und nach der Widerstand der Bevölkerung nachließ. „Die Kinder machten Fortschritte in der Schule, so dass Lesen und Schreiben auch den Familien zu Gute kam.“

Diese vorgelegte Zwischenbilanz soll mit eingefügt werden in das neueste Buchprojekt von Dr. Tillmann, der aktuell über die Geschichte der Eisborner Schule von 1654 bis 1973 schreibt.

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