Heilige Drei Könige haben die Balver Krippe erreicht

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Das Jesuskind steht auf dem Schoß der Mutter Maria und erwartet den Besuch der Heiligen Drei Könige. ▪

BALVE ▪ Viele Jahre hat es gedauert bis die Balver Krippe vollendet war: Josef Mormann, Bildhauer der „Wiedenbrücker Schule“, schuf in den Jahren 1942 bis 1955 das Krippengebäude und die figürlichen Darstellungen aus Holz.

Schon am 25. Dezember 1944 wurde die Krippe feierlich benediciert, zu diesem Zeitpunkt noch in minimaler Besetzung. Weitere Figuren sollten „nachgeliefert“ werden. So entstanden im Laufe von über zehn Jahren die Beteiligten am Krippengeschehen: die heilige Familie mit Mutter Maria und dem Jesuskind gleich zweimal, nämlich am Heiligabend und zur „Anbetung des Herrn“ am 6. Januar. Vor der Krippe befindet sich unter den Engeln der Verkündigungsengel, der, mit seiner Größe von 90 cm und seinem erhobenen Standort, alles überragt. Auf dem Weg zur Krippe eilen Hirten mit ihren Schafen und Bauern mit ihren Kindern. Und schließlich betreten dann auch die drei Könige die „Bühne“. Weit hinter ihnen schimmert eine Abbildung der Stadt Balve als Teil der landschaftlichen Kulisse. Tatsächlich sind beim genaueren Betrachten der Figuren zwei Balver Personen zu entdecken.

Den Hirten mit dem Schaf in seinen Armen gab der Balver Bauer Hermann Hering in Auftrag. Er stellt seinen ältesten Sohn Hermann dar, der 1944 in Russland starb und dort begraben wurde. Joe Hering, sein jüngster Bruder, erinnert sich, dass sein Vater auf diese Weise den Geldbetrag von 600 Mark verwendete, den Hinterbliebene gefallener Soldaten erhielten. Wilhelm Boeddicker, von 1933 bis 1958 Pfarrer der St. Blasius-Kirchengemeinde, berichtete dem Künstler am 19. November 1946: „Bauer Hering ist hocherfreut und will die Figur das Jahr über zu Hause behalten und nur zur Weihnachtskrippe in die Kirche bringen.“ Diese Regelung besteht bis zum heutigen Tage. Auch Boeddicker selbst, ab 1957 Dechant des neu gebildeten Dekanates Balve, lässt sich unter den Hirten wiederfinden: Er bereichert das Krippengeschehen als kniender Hirt.

Wirtschaftliche Probleme und finanzielle Engpässe verzögerten die Herstellung der Krippe immer wieder. Das spiegelt sich im jahrelangen begleitenden Briefwechsel zwischen dem Künstler Mormann und dem Balver Pfarrherrn wider: Notwendige Materialien konnten während des Krieges und in den Nachkriegsjahren nicht oder nur schwer beschafft werden. Die Währungsreform brachte neue Geld- und Sachwerte, vorrangige Arbeiten und Anschaffungen führten zu leeren Kassen, steigende Nachfrage hatte Preiserhöhungen zur Folge. Und es gab auch Differenzen.

Am 25. März 1942 schickte Julius Mormann ein Krippenmodell nach Balve. Für 10 500 Reichsmark offerierte er die gesamte Krippenanlage. Pfarrer Boeddicker akzeptierte diesen Preis, allerdings in der Erwartung, zum darauf folgenden Weihnachtsfest neue Figuren präsentieren zu können. Daraus wurde aber nichts. Mormann hinderten immer wieder „wichtige Umstände“ an der Fertigstellung der Figuren – obwohl er im Januar 1943 bereits 9000 Reichsmark als Anzahlung erhalten hatte.

Auch am 21. Januar 1944 war das Krippengebäude nicht erstellt. Nun mangelte es an Brettern. Pfarrer Boeddicker löste das Problem innerhalb von rund vier Wochen mit Hilfe eines Balver Schreinermeisters. Im Dezember 1944, so notierte der Balver Pfarrer in seiner Chronik, „wurde sie feierlich benediciert.“ Nun also stand die Grundausstattung. In den Folgejahren lieferte der Wiedenbrücker Künstler nach und nach weitere der bestellten Krippenfiguren: Rechtzeitig zu Weihnachten 1945 trafen ein Hirt und ein Engelchen ein. Wiederum zwei Jahre später, am 21. Dezember 1947, bedankte sich Dechant Boeddicker für den gelieferten „Stehenden Hirt“.

Es folgten zahlreiche Differenzen – unter anderem ging es ums Geld. Im Jahr 1953 wechselten dann nochmals 1895 Mark den Besitzer. Gerade noch rechtzeitig zum Fest konnten nun endlich die Heiligen Drei Könige, eine Figurengruppe mit dem „stehenden König“, dem „knienden König“ und dem „Mohr mit Diener“ – die Krippenlandschaft betreten. Sie werden seitdem freudig begrüßt vom Jesuskind auf dem Schoß seiner Mutter – ebenfalls als Figuren gerade neu geschaffen.

Der Brief Mormanns vom 22. Oktober 1955, im Pfarrarchiv der St. Blasius-Gemeinde, sein letzter zur Balver Krippe, kündigt wohl die Vollendung an: Die Figurengruppe Vater und Sohn oder Großvater und Enkel solle 670 Mark kosten. Damit endet die lange und wechselhafte Geschichte über das Werden und Wachsen der Krippe in der St. Blasius-Kirche. Vieles, wenngleich nicht alles, konnte der Bildhauer von seinem ursprünglichen Plan verwirklichen. ▪ Rudolf Rath

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