Mit Hauptschulabschluss ist auch etwas zu erreichen

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Konrektor Marco Sawatzki führte eine der Besuchergruppen durch die Hauptschule. Grundschüler und ihre Eltern waren gekommen, um sich ein Bild von den Lernbedingungen zu machen. ▪

BALVE ▪ Die Hauptschule hat seit Jahren nicht mehr den besten Ruf. Deshalb meiden viele Eltern diese vielfach als „Restschule“ bezeichnete Schulform und lassen ihre Kinder woanders lernen. Diese Entwicklung ist auch an der Balver Hauptschule nicht vorüber gegangen, auch wenn sie sie nicht so hart getroffen hat wie Hauptschulen in anderen Städten.

Seit aber die Stadt Neuenrade ihre Pläne zur Einrichtung einer Gemeinschaftssschule öffentlich gemacht hat, schrillen an der Balver Hauptschule die Alarmglocken: Sollte sie zu viele Schüler an diese neue Schulform verlieren, droht ihr der Wegfall der Zweizügigkeit, müssten die Kinder in großen Klassen unterrichtet werden.

Auch vor diesem Hintergrund war der Tag der offenen Tür an der Hauptschule am Donnerstag zu sehen, an dem sich Grundschüler und ihre Eltern über die Lernbedingungen an der Einrichtung informieren konnten. „Die Hauptschule ist keine schlechte Wahl“, schickte Schulleiterin Ulrika Scholder voraus, bevor sie die gut 30 Eltern und ihre Kinder darüber informierte, wie an der Hauptschule unterrichtet wird und welche Abschlüsse Schüler dort erreichen können. „Unser Ziel ist es, dass Kinder ihre Qualitäten so gut entwickeln, dass sie mit einem guten Schulabschluss eine Chance in ihrem weiteren Leben haben“, sagte die Schulleiterin und betonte, dass Erfolg im Beruf nicht zwingend das Abitur voraussetzt. Auch mit einem guten Hauptschulabschluss lasse sich etwas erreichen. Und sogar mit dem Realschulabschluss könnten Kinder ihre Laufbahn an der Hauptschule beenden, erklärte Scholder. Was sich wie ein Widerspruch anhört, erklärt sich durch die Tatsache, dass die Schüler in der zehnten Klasse in zwei Formen mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterrichtet werden. Beim Typ A liegt der Unterrichtsschwerpunkt auf Naturwissenschaften und Arbeitslehre; am Ende steht der Hauptschulabschluss. Beim Typ B liegt der Schwerpunkt auf den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik; hier können Schüler den Realschulabschluss und bei besonders guten Leistungen sogar die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe erreichen. „Etwa ein Drittel eines Jahrgangs absolviert bei uns den Typ B, ein Sechstel schafft die Qualifikation für‘s Gymnasium“, berichtete Ulrika Scholder.

Die Schulleiterin ging auch auf den Ganztagsbetrieb der Hauptschule ein. Montags und donnerstags werden die Kinder von 7.45 bis 15.45 Uhr unterrichtet, dazwischen gibt es eine etwa einstündige Mittagspause. Dann bietet die Schule ein warmes Mittagessen und Pausenaktivitäten an. Mittwochs nachmittags gibt es Arbeitsgemeinschaften mit sportlichen, handwerklichen oder musischen Tätigkeiten oder Förderkurse an. Und auch dienstags und freitags können die Kinder auf Wunsch bis 15.45 Uhr betreut werden, dann gibt es den offenen Treff mit sportlichen und kreativen Angeboten.

Ein Kennzeichen der Ganztagsschule sei aber auch die Arbeitsstunde, die an vier Tagen pro Woche in allen Klassen stattfindet. „Da lernen die Kinder unter anderem, sich selbst zu organisieren“, erläuterte Scholder. Aber auch Schwächen in einzelnen Fächern würden hier gezielt behoben.

Bei einem Rundgang durch die Schule konnten die Grundschüler und ihre Eltern dann noch die Mensa und das Mittagspausenangebot sowie verschiedene Unterrichtsstunden aus nächster Nähe kennen lernen. In einer weiteren Informationsveranstaltung will die Hauptschule gemeinsam mit der benachbarten Realschule am 8. Februar noch einmal die an den beiden Balver Schulen mögliche Bildungsgänge vorstellen. Und Mitte Februar müssen die Eltern dann die Entscheidung über die schulische Zukunft ihrer Kinder treffen. ▪ vg

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