Balver Tüftler schließt eine Lücke in der Elektroinstallation

+
Hans Richard Fischer hat ein System erfunden, mit dem Deckenleuchten ganz einfach und laiensicher abgeschlossen werden können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird er jetzt von Anfragen überrollt.

Eisborn - Hans Richard Fischer (79) sorgt mit seiner neuesten Erfindung dafür, dass Heimwerker sicherer und einfacher arbeiten können: Der Eisborner hat mit seinem „Filuxx“-System die seiner Meinung nach letzte Lücke in der elektrischen Installationstechnik geschlossen, durch die der Laie noch immer in das offene Stromnetz greifen kann.

Seine Deckensteckdosen hat Fischer bereits vor zehn Jahren präsentiert. Seine Erfindung konnte sich jedoch zunächst nicht durchsetzen, da große Firmen in Frankreich ähnliche Steckdosen für die Decke entwickelten. Doch im Gegensatz zu Fischers Modell entsprechen sie nicht den deutschen Normen.

„Das französische System hat eine lebensgefährliche Problematik nicht erkannt“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion zu den seit 2009 im Nachbarland produzierten Anschlussdosen für Pendelleuchten.

In seinem Büro ging er dieser Sache auf den Grund, und stellte fest, dass dabei wegen einer fehlenden Isolation diese Anschlussdose unter Netzspannung stand. Fischer fügt hinzu: „Dieser lebensbedrohende Zustand war unverantwortlich.“

Der besondere Clou ist der Haken

Fischers Steckdose dagegen hat eine Fehlerstromableitung durch den Befestigungshaken. Fischers System entspricht also den deutschen und anderen Normen, was beispielsweise durch die staatlich anerkannte Prüfstelle des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik (ÖvE) bescheinigt wurde. Auch ein Gutachten der Fachhochschule Südwestfalen bestätigt, dass die Filuxx-Steckdose deutlich sicherer ist als ihr französisches Pendant.

Das Plus an Sicherheit kommt dadurch zustande, dass der Haken zum Befestigen der Deckenleuchte geerdet ist. Außerdem bietet das System noch mehr Möglichkeiten, als nur für Licht zu sorgen: W-Lan, Kameras, Feuer- und auch Rauchmelder sowie Smartphone-Steuerungen können damit vorgenommen werden.

Das Gebrauchsmuster hat Hans Richard Fischer 2013 angemeldet, das Patent ein Jahr später. Und im Dezember 2017 lag ihm die Patent-Zuteilung vor. Ab Juli dieses Jahres soll der „Filuxx“ in Serie gehen. Produziert wird in Bad Camberg (Hessen). „Schon jetzt haben uns die Anfragen überrollt“, blickt der 79-jährige Tüftler auf volle Auftragsbücher.

Mehr als 40 Millionen Vorbestellungen

Für die USA sollen jährlich drei Millionen Stück, für Frankreich und Deutschland jeweils 20 Millionen hergestellt werden. Fischer, der sich über diese Resonanz für sein weltweit zugelassenes System freut, gibt zu: „Das sind eigentlich unüberschaubare Kapazitäten.“ Doch jetzt steht das produzierende Unternehmen, dessen Geschäftsführer und Mitgesellschafter er ist, in der Pflicht. Kommt seine Erfindung dann auf den Markt, wird es sich im Preissegment „wie eine qualitativ gute Steckdose“ befinden, hat er kalkuliert.

Mehr als 100 Patente und Gebrauchsmuster hat Fischer angemeldet. Sein Vorgehen dabei ist immer intuitiv: „Ich sehe eine Sache oder einen Zustand und überlege, was daran besser sein könnte.“ Dieser Gedanke kommt dann auch mal über Nacht: „Und auch wenn der Funke schnell kommt, dauert es mit der Ausführung, die nach den gültigen Normen erfolgen muss.“

Nach seiner Pensionierung als Pilot der Bundeswehr hat Fischer ein Ingenieurbüro gegründet und sich ein Leben nach der Bundeswehrzeit aufgebaut. Gewürdigt wurde sein Erfindergeist unter anderem mit dem 1990 verliehenen Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft und dem Designerpreis Baden-Württemberg und 1998 mit dem 1. Preis vom Mitteldeutschen Rundfunk in der Kategorie „Einfach Genial“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.