Tödlicher Unfall zwischen Balve und Sundern

Gutachter sagt im Raserprozess aus - keine Kamera im Unfall-SUV gefunden

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Beckum/Arnsberg – Es gibt keine Filmaufnahmen des schweren Zusammenstoßes bei Balve-Beckum am 1. August 2018: Die Nachforschungen des mit der Untersuchung des Audi Q5 beauftragten Kraftfahrzeuggutachters Maximilian Runkel ergaben, dass in dem Fahrzeug keine Kamera vorhanden war. Der sichergestellte Monitor habe nichts speichern können und lediglich der Unterhaltung der Mitfahrer auf der Rückbank gedient.

Die Suche nach einer Aufzeichnung unterstreicht eine gewisse Ratlosigkeit. Die Prozessbeteiligten können die Fülle an Beweismaterialien nur mühsam zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Ein Film, der die entscheidenden Augenblicke festgehalten hätte, wäre hilfreich. Immerhin ließ sich das Auto nach seiner offenbar erfolgten Freigabe noch wiederauffinden: „Der Wagen steht aktuell in Wuppertal“, gab der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel am Mittwoch bekannt.

Der Gutachter trug vor, was aus technischer und physikalischer Sicht über den Unfall zu sagen ist. Ein Turm mit vier Monitoren zeigte auch dem Publikum Bilder zweier Autowracks, die etwas von der Wucht des Zusammenstoßes ahnen ließen.

Keine Brems- und Driftspuren des Audi

Der Audi Q5, der in Richtung Beckum unterwegs war, fuhr nach der langen Rechtskurve am Abzweig nach Langscheid mit einer Geschwindigkeit zwischen 85 und 95 Stundenkilometern auf der Gegenfahrbahn. Brems- oder Driftspuren gab es nicht. Deshalb sei nicht festzustellen, wo genau der Audi-Fahrer seine Spur verließ. Die geringe Geschwindigkeit des VW Golf deutet darauf hin, dass dessen Fahrerin nach dem Auftauchen des entgegenkommenden Audi noch bremste. Außerdem lenkte sie ihr Fahrzeug nach links, weshalb der Zusammenstoß nicht frontal erfolgte. 

Der VW wurde bei der Kollision „gegen seine ursprüngliche Bewegungsrichtung zurückgeschleudert“ an eine Leitplanke. Der Audi drehte sich ebenfalls im Uhrzeigersinn, hob vermutlich ein Stück weit ab, und drehte sich nach der Landung noch weiter. War die Kollision unvermeidbar? Wenn der Audi die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern ein- und seiner Spur gehalten hätte, hätte es keinen Zusammenstoß gegeben, stellte der Gutachter nüchtern fest. Technische Defekte gab es nicht an dem Audi. Die Straße war trocken und, noch bei Tageslicht, einsehbar. Das Hinüberschwenken auf die Gegenfahrbahn liege „allein im Verantwortungsbereich des Fahrers des Audi“.

Lesen Sie hier unsere Berichterstattung zu dem Unfall und dem Prozess

Zum Porsche "nichts feststellen"

Auch für den Gutachter blieb der Porsche das Phantom, dessen Rolle bei dem Ganzen immer noch rätselhaft scheint. Er könne zu dem Porsche nichts feststellen, weil es „keinen Kontakt“ zwischen beiden - womöglich gegeneinander rennenden –Autos gegeben habe.

Ein weiterer Zeuge verstärkte diesen Eindruck: Einen Augenblick, bevor er eine „Dampfsäule“ des Unfalls erblickte, sagte er zu seiner Frau: „Oh – der war aber mal richtig schnell unterwegs.“ Typ oder Farbe des letzten Autos aus der Gegenrichtung hatte er nicht wahrgenommen.

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