Graf Landsberg-Velen: Kein Mann für halbe Sachen

Dieter Graf Landsberg-Velen feiert am Freitag seinen 85. Geburtstag.

WOCKLUM ▪ Ohne seinen Stock geht er praktisch nicht mehr aus dem Haus. Er gibt ihm nach mehreren Hüft- und Rückenoperationen Halt, hilft ihm, mit den körperlichen Gebrechen des Alters fertig zu werden. Doch Dieter Graf Landsberg-Velen jammert nicht. „Mir geht es dem Alter entsprechend gut. Meine Gehirnzellen sind noch intakt, das ist das Wichtigste“, sagt der Mann, der am Freitag, 17. Dezember, seinen 85. Geburtstag feiert.

Aus diesem Anlass gibt Graf Landsberg-Velen am Nachmittag auf Schloss Wocklum einen Empfang für Freunde und Bekannte, die ihm gratulieren möchten. Die Geburtstagsgesellschaft dürfte groß werden, denn der Jubilar hat sich im Laufe seines langen Lebens vielfältig engagiert, viele persönliche Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Er war jahrzehntelang in vorderster Linie in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und im Weltverband der Reiter sowie als Präsident des Malteser Hilfsdienstes engagiert, gehörte dem Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees an. Für seine großen Verdienste auf den verschiedenen Gebieten wurde Dieter Graf Landsberg-Velen bereits drei Mal mit dem Bundesverdienstkreuz in verschiedenen Stufen ausgezeichnet.

Auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Balve ist er seit dem Jahr 2000, doch darüber spricht Graf Landsberg-Velen nicht gerne. Vielleicht, weil es nicht seine Art ist, mit Auszeichnungen zu prahlen. Vor allem aber, weil ihn die Stadt – oder besser: ihre politischen Vertreter – vor zwei Jahren geärgert haben. Hintergrund war die Weigerung der CDU, der Partei, der Graf Landsberg-Velen mehr als 50 Jahre die Treue hält, Geld zwar für den Bau von Kunstrasen-Fußballplätzen, nicht aber für den Ausbau des Wocklumer Dressurstadions zur Verfügung zu stellen. „Die Begründung dafür gefiel mir nicht“, sagt Graf Landsberg-Velen über die Haltung der Politiker, die Stadt könne den Zuschuss nicht refinanzieren. Der Graf sah und sieht in dieser Argumentation jedoch eine Gerechtigkeitslücke: „Wir sind ein Verein wie die Fußballvereine auch, mit Ehrenamtlichen, die sich für ihren Verein engagieren.“ Nach diesem Disput hat er den Bürgermeister gebeten, die Ehrenbürgerschaft ruhen zu lassen.

Er ist eben ein Mann mit Ecken und Kanten. Das hatten vorher auch schon andere erfahren: Prinz Philip von England 1974 in einer Diskussion um Profis im Reitsport, deutsche Olympioniken, als er sich 1980 wegen des Sowjet-Einmarsches in Afghanistan gegen eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Moskau aussprach. Graf Landsberg-Velen verabscheut Halbwahrheiten, er steht zu dem, was er sagt. Ganz aktuell kritisiert er die zunehmende Machtfülle der hauptamtlichen Kräfte im Deutschen Olympischen Sportbund.

Viele seiner Ämter hat der Jubilar in den vergangenen Jahren nach und nach abgegeben, hat Jüngeren Platz gemacht. Nur den Vorsitz beim Reiterverein Balve, den er seit nunmehr 62 Jahren innehat, hat er behalten, denn der liegt ihm am Herzen, weil er ihn vom ländlichen Reiterverein der Vorkriegszeit zum modernen Verein entwickelt hat, der national bedeutende Turniere ausrichten kann.

Im Alter von 81 Jahren hat sich Graf Landsberg-Velen dann noch einmal auf etwas ganz Neues eingelassen: Seit 2006 öffnet er sein Schloss und den Schlossgarten einmal im Jahr für die Landpartie. Dann kommen tausende Besucher, viele besichtigen auch das Schloss, das Graf Landsberg-Velen mit seiner Tochter Rosalie auch selbst bewohnt. „Warum sollte ich diesen kunsthistorisch höchst interessanten Bau nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen“, fragt er, betont aber auch, dass er auf die Wahrung seiner Privatsphäre achtet. „In die eigentlichen Privaträume kommt ja niemand hinein. Irgendwo muss ich ja auch verkriechen können“, sagt er schmunzelnd. Wenn am Freitag seine Geburtstagsgäste ins 250-jährige Schloss strömen, wird er sich allerdings kaum verkriechen können.

Und was er sich zum Geburtstag wünscht? „Ich habe keinen Anlass, mir noch viel zu wünschen. Es überwiegt das Gefühl der Dankbarkeit, dass ich geistig noch so aktiv sein kann. Andere sind da viel schlimmer dran“, sagt Graf Landsberg-Velen. ▪ vg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare