Glocken von St. Blasius beenden ihr Schweigen

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Weithin sichtbar: Im verhüllten Turm der St. Blasius-Kirche befindet sich Balves derzeit höchste Baustelle.

BALVE ▪ Es ist die zur Zeit höchste Baustelle in Balve und weithin sichtbar. Und sie ist für diejenigen, die von Langenholthausen aus nach Balve fahren, nicht zu übersehen, denn sie befindet sich auf dem Turm der St. Blasius-Kirche.

Der Kirchturm ist eingepackt wie ein übergroßes Geschenk und in gewisser Weise ist er das auch, denn zur Zeit wird er wieder richtig schön gemacht. „Bis zum Schützenfest sollen die Arbeiten am Turm abgeschlossen sein,“ sagte Alfons Rath, Rendant der St. Blasius-Gemeinde. Die umfangreichen Arbeiten sind notwendig, um das historische Bauwerk zu erhalten. Diskussionen gab es im Vorfeld über die Bruchsteinfassade. Hier war der Mörtel in zahlreichen Fugen nicht mehr in Ordnung und mussten komplett überarbeitet werden. Kurzfristig kam die Frage auf, ob der Turm in seiner Geschichte nicht schon einmal verputzt worden war und ob es nicht sinnvoll wäre, dieses wieder anzugehen. In alten Dokumenten fand man den Hinweis auf Reparaturarbeiten am Putz, doch das aktuelle Erscheinungsbild sollte beibehalten werden und so wird der Bruchstein weiterhin die Fassade bilden.

Doch mit der Reparatur der brüchigen Fugen ist es bei der Sanierung des Turms nicht getan. Der Turmhelm, das Dach, musste dringend bearbeitet werden. „Der Schiefer ist bereits 60 Jahre alt und muss erneuert werden“, erklärte Alfons Rath. Bei den Abrissarbeiten des Schiefers entdeckten die Dachdecker aber auch, dass die darunter liegende Holzschalung nicht mehr in Ordnung ist. So wurde die komplette Schalung an dem Turmdach erneuert. Zur Zeit ist der Turmhelm nur mit der Schalung und einer Baufolie belegt. „Die Schieferarbeiten werden in Kürze beginnen“, so Rath. Das Anbringen des Sauerlandschiefers wird in Kirchennähe nicht zu überhören sein, wenn Platte für Platte auf die Holzbretter genagelt wird.

Des Weiteren entdeckten die Handwerker bei den Dacharbeiten, dass die Turmspitze, der so genannte Kaiserstiel, faul ist. Auf dem Kaiserstiel ist die aus Metall bestehende Spitze befestigt, die aus einer Kugel, einem Kreuz und dem Hahn besteht. Obwohl der Kaiserstiel aus massivem Eichenholz gefertigt ist, ist er durch eingedrungenes Wasser so sehr verfallen, dass er abgeschnitten werden musste.

Zahlreiche Arbeiten sind noch zu erledigen. So sind die Glocken im Turm bald wieder zu hören. Seit dem Weißen Sonntag haben die Glocken nicht mehr geläutet und werden erstmals am Pfingstsamstag zwischen 16 und 17 Uhr wieder zu hören sein. In dieser Zeit werden die sechs Glocken erklingen. Der Grund ihres Schweigens waren umfangreiche Arbeiten an den Glocken. So wurden sie mit neuen Motoren ausgestattet, die durch moderne Technik den Schwung der Glocken so steuern können, dass diese erheblich geschont und nicht mit immer der gleichen Geschwindigkeit bewegt werden. Um den Glocken ein längeres Dasein zu ermöglichen, wurden auch die Klöppel ausgewechselt. „Das Material war härter als das des Glockenkörpers“, erläuterte Alfons Rath. Ebenfalls neu sind die hölzernen Joche, an denen die Glocken befestigt sind. Die wuchtigen Holzbalken halten die zentnerschweren Metallkörper in dem großen Gestell, das den ganzen Raum in 20 Metern Höhe ausfüllt. Durch die Bewegung der Glocken in dem Gestell hat sich dieses immer ein wenig bewegt und so die Verkeilung der Fußpfetten gelockert. Auch hier wurde die Stabilität wieder hergestellt. „Die Kosten für die Baumaßnahme belaufen sich auf rund 530 000 Euro“, rechnet Alfons Rath zusammen. „Davon müssen wir als Gemeinde 30 Prozent übernehmen, die anderen 70 Prozent werden vom Erzbistum Paderborn getragen.“

Auch wenn die Arbeiten am Turm noch lange nicht abgeschlossen sind, hat die Gemeinde schon die nächsten Arbeiten in Planung. „Wenn die neue Kirche in zwei Jahren 100 Jahre alt wird, soll sie auch innen wieder richtig schön sein“, blickt Alfons Rath schon in die nahe Zukunft. ▪ paul

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