Nach dem Jahrhundert-Unwetter

Gewässer sollen mehr Platz bekommen

Die Hönne trat beim Hochwasser Mitte Juli über die Ufer und verursachte teils verheerende Schäden im Stadtgebiet. Damit sich dies möglichst nicht wiederholt, soll dem Fluss mehr Platz gegeben werden.
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Die Hönne trat beim Hochwasser Mitte Juli über die Ufer und verursachte teils verheerende Schäden im Stadtgebiet. Damit sich dies möglichst nicht wiederholt, soll dem Fluss mehr Platz gegeben werden.

Um bei künftigen Starkregen- und Unwetterereignissen wie im Juli Überschwemmungen und Schäden möglichst gering zu halten, sollen die Gewässer im Stadtgebiet weiter renaturiert werden.

Dies teilte Hartmut Scharf, Gewässerschutzbeauftragter der Stadt, am Dienstagabend den Mitgliedern des Ausschusses Umwelt, Stadtentwicklung, Bau mit. Es geht darum, der Hönne von der Gransauer Mühle bis zur Firma Rickmeier mehr Raum zu geben, außerdem von der Balver Höhle bis zur Glärbach, aber auch in der Helle in Höhe des Stockmeier-Geländes und in Volkringhausen in den Bereichen Langeloh und Mendener Straße.

Hier besteht, wie sich bei dem Jahrhundertunwetter vor knapp zwei Monaten gezeigt hat, der größte Bedarf, die Wasserfläche aufzuweiten. Hartmut Scharf sagte: „Wir müssen den Flüssen und auch den Bächen wieder mehr Raum geben, damit sie mehr Wasser aufnehmen können.“ Neben der Hönne, die durch Balve und Volkringhausen fließt, sollen diese Maßnahmen auch in Garbeck am Garbach und in Langenholthausen an der Borke und der Wellingse umgesetzt werden. Dabei sollen zudem „Abflusshindernisse“ beseitigt werden, so Scharf. Dazu gehört in Volkringhausen die Brücke bei „Bäcker Severin“, an der sich Mitte Juli vom Wasser mitgeführte Bäume und Äste verkeilten und den Fluss teilweise aufstauten. Das Wasser breitete sich seinerzeit über die naheliegenden Wiesen in die beiden an der Brücke stehenden Häuser aus. Die Schäden waren verheerend und sind noch längst nicht komplett beseitigt.

Stadt muss Geld in die Hand nehmen

Im Zuge der Renaturierung muss die Stadt Geld in die Hand nehmen, um Grundstücke zu kaufen, die derzeit noch in Privatbesitz sind, aber benötigt werden, damit sich die Hönne in den vier Hochwasserzonen großflächiger ausbreiten kann. „Als Alternative zum Grundstücksankauf ist auch eine Nutzungsausfall-Entschädigung an die Besitzer möglich“, stellte Scharf die Optionen vor. Die Ausschussmitglieder gaben ihr Okay, in die entsprechenden Verhandlungen mit Grundstückseigentümern einzusteigen.

Nach dem Jahrhundert-Unwetter: 16 Gebäude in Balve und Volkringhausen nicht bewohnbar

Der Starkregen und das Hochwasser Mitte Juli haben an insgesamt 90 Häusern im Stadtgebiet zu teilweise heftigen Schäden geführt. Dies teilte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU). „16 Gebäude in Balve und Volkringhausen sind so stark betroffen, sie nicht bewohnbar sind, und elf weitere Gebäude weisen mittelschwere Schäden auf.“ Nach der Flutwelle sei eine große Welle der Hilfsbereitschaft über die Balver gekommen. „Vielen Dank an alle Spender, die von zehn bis 10 000 Euro auf das Spendenkonto der Stadt für die Flutopfer eingezahlt haben, aber auch vielen Dank an die Caritaskonferenz für ihren Einsatz“, sagte Mühling. Mehr als 200 000 Euro an Spendengeldern, die an 70 Flutopfer verteilt wurden, kamen insgesamt zusammen. „Die Spendenaktion ist ab sofort beendet“, zog Mühling einen Schlussstrich. „Es war gut, aber es reicht jetzt.“ Die vom Land bereitgestellte Flutopferhilfe zahlte Balve in Höhe von 120 000 Euro aus. „Dabei haben wir einen Betrugsversuch angezeigt“, berichtete Mühling, dass sich nicht alle Gewerbetreibende, die einen Hilfsantrag stellten, an die Vorgaben gehalten hätten. Für 18 gewerbliche Anträge wurden insgesamt 95 000 Euro gezahlt, für 90 private Antragsteller kamen 24 500 Euro zusammen. Acht Anträge wurden abgelehnt. Die Stadt Balve hat an die Bezirksregierung Arnsberg einen Gesamtschaden an städtischen Bauwerken wie Straßen und Brücken von 1,6 Millionen Euro gemeldet. „Ich setze auf unbürokratischen Geldfluss“, so der Bürgermeister.

„Das alles sind die Folgen davon, dass wir schwer gesündigt haben in den letzten Jahren“, sagte dazu Heinrich Stüeken von der UWG. „Der Ausbau der Kormke-Straße, das Anlegen einer Bauschuttdeponie in Frühlinghausen und der Kreisverkehr auf der Retentionsfläche am Pickhammer waren folgenschwere Fehler.“ Dem stimmte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) zu und wies außerdem darauf hin, dass der Bau der Sparkasse an der Stelle, wo vorher eine Brücke war, „die größte Bausünde“ sei. Auch, dass die Druckerei Zimmermann, sich am tiefsten Punkt der Stadt Balve ansiedelte, sei aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Bei dem Hochwasser im Juli war so viel Wasser in das Firmengebäude gelaufen, dass in der Folge wochenlang nicht produziert werden konnte und Aufträge bei Mitbewerbern gedruckt wurden. Mühling: „In der Vergangenheit sind immer wieder Fehler gemacht worden, sodass wir zukünftig noch sensibler reagieren müssen.“ Dazu gehöre die von ihm angeregte Wasserkonferenz für die Anliegerstädte der Hönne.

Steht die nächste Katastrophe schon bevor?

Die nächste Katastrophe sieht Heinrich Stüeken allerdings schon jetzt voraus: „Die Harvester schaffen Schneisen in den Wald, wenn die das Borkenkäferholz verarbeiten – ich habe jetzt schon Angst vor der Schneeschmelze, wenn das Wasser sich ungehindert seinen Weg bahnen kann.“

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