Geschichte zum Anfassen

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An der Schmiedestation entstanden Messer – aus Eisen, Feuer und viel Muskelkraft. ▪

WOCKLUM ▪ „Lang, lang ist‘s her“ sang das in historische Kleider gewandete Leierkastenduo im Refrain ihrer Ballade zu Ehren der Luisenhütte, die am Samstag im Rahmen eines großen Festivals Industriekultur erlebbar machte.

Sie hatten die Geschichte der Hütte in bester Barden-Manier in Strophen verpackte und gaben das Werk gleich mehrfach zum Besten.

Dass der eine oder andere kleinere Schauer über Wocklum niederging, konnte der vom Märkischen Kreis initiierten Veranstaltung nichts anhaben. Das Organisatorenteam hatte ganze Arbeit geleistet, ein ebenso informatives wie unterhaltsames Programmpaket geschnürt – das den Wetterbedingungen jederzeit angepasst werden konnte. Obwohl die Vorhersagen alles andere als sonnig waren, war Bernadette Lange vom Märkischen Kreis von den Besucherströmen positiv überrascht. Und die vielen Gäste, jung wie alt, bekamen an dem geschichtsträchtigen Ort einiges geboten. Eine Uraufführung gebe es zu bestaunen, kündigte die Moderatorin an, die in die Rolle der „Luise“ von Landsberg-Velen geschlüpft war: Die Ballade von der Luise. Das Leierkastenduo sang vom ersten Gründungsgedanken, der vielversprechenden Entwicklung bis zum Niedergang aufgrund der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet – „Lang, lang ist’s her“. Aber im Gegensatz zu manch anderer Ballade folgte dem tragischen Finale die Wiedergeburt als Museum. „Lang, lang wird’s sein“, blickten die Musiker einer vielversprechenden Zukunft entgegen.

Auf dem Außengelände bekamen die Gäste einiges geboten. Die Band „Beats & Noises“ fesselte die Menschen mit ihrem Rhythmusgefühl, trommelten und tanzten vortrefflich. Die Seiltänzerin verdiente sich ebenso ihren Applaus wie die Feuertänzerin Estefania, während die beiden Grubenmännchen Erhard und Alberich mal als Animateure mal als Schauspieler mit Lehrauftrag fungierten.

Die Führungen durch die Hütte lockten nicht nur die technikinteressierten Erwachsenen an, auch der Nachwuchs genoss den Blick hinter die Kulissen. Von Kindern regelrecht belagert waren die Handwerksstandorte. „Eisen glüht!“, rief der Schmied als er das Eisen aus dem Feuer nahm. Den ersten Schlag nahm er persönlich vor, drei Kinder ließen anschließend ihre Hämmer auf das rot glühende Metall niedergehen. Am Ende entstand ein Messer, das in aufwändiger Feilarbeit seine endgültige Form erhielt. Kunstgegenstände basteln und das Gießen von Zinnmünzen faszinierte die jungen Besucher gleichermaßen.

„Luise heizt ein“ lautete das Motto. Selbst ohne sommerliche Temperaturen wurde das Festival ein Erfolg. Luise und Co hatten dafür gesorgt. ▪ maj

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