German-Kultrock-Festival in der Balver Höhle begeistert die Besucher

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Die Band Pain of Salvation aus Schweden war der Hauptact des 10. German-Kultrock-Festivals in der Balver Höhle. Die Musiker wurden von den Besuchern begeistert gefeiert.

Balve - Das Licht in der Balver Höhle erlischt. Am Bühnenrand springt ein alter Röhrenfernseher an. Der nervtötende Klang zum dort ersichtlichen weiß-schwarzen Rausch-Gestöber erfüllt den Naturstein-Raum. Pain of Salvation betreten die Bühne.

Die schwedische Progressive-Metal-Band steigt ein in den ersten Song und eröffnet damit ein denkwürdiges Konzert zum Abschluss des 10. German-Kultrock-Festivals im Felsendom. 

Die Stücke des Quartetts sprengen meist die 10-Minuten-, manchmal sogar die 20-Minuten-Grenze. Oft wechseln die Stilrichtungen und Emotionen, die die Musiker damit erzeugen, im Halbminuten-Takt. 

Den Gesang teilen sich Sänger und Gitarrist Daniel Gildenlöw, Leadgitarrist Johan Hallgren, der mit nacktem Oberkörper auftritt, und in einem Lied auch Schlagzeuger Léo Margarit. Schon durch diese Stimmvielfalt wird die Show von Pain of Salvation abwechslungsreich. 

Langspielplatte mit Boney-M-Klängen 

Zur Halbzeit des Konzertes setzt sich Sänger Gildenlöw in der Mitte der Bühne vor einen Schallplattenspieler. Er erklärt, dass – vor allem die weiblichen – Festivalbesucher sehr attraktiv seien. Und so sei es doch Zeit, einmal „die Höhle in Grund und Boden zu tanzen“. Er hebt eine Boney-M-LP hoch und legt diese auf den Plattenteller. 

Was danach erklingt, ist aber keine Konserve, sondern die Live-Darbietung des Songs „Disco Queen“, den die schwedischen Metaller auf ihrem Album „Scarsick“ 2007 veröffentlichten – eine Hommage an schwarze Vinyl-Scheiben. 

Das Festival am Samstag in der Hönnestadt war ausverkauft, die Besucher konnten sich in der Höhle über mehrere Bands freuen.

Zum Schluss der Show schlägt Gildenlöw ernstere Töne an. Er berichtet, dass er Anfang 2014 eine lebensbedrohliche Infektion hatte und monatelang im Krankenhaus lag. „Vor allem die ersten Tage in der Klinik waren sehr schwer“, gibt er zu. 

Der folgende Song „Meaningless“ greift einerseits die Klaustrophobie in einem kleinen Krankenzimmer, welches man eine lange Zeit nicht verlassen kann, andererseits eine heimtückische Krankheit, auf die man selbst keinen Einfluss hat, auf. Gildenlöw singt: „Ich brauche etwas ganz für mich – etwas, mit einer verschlossenen Tür. Einen Raum für mich ganz allein – etwas, das ich kontrollieren kann.“ 

Schweden werden frenetisch gefeiert 

Die schwedischen Metaller wurden in der Höhle frenetisch gefeiert über die rund 100 Minuten Konzert hinweg. Zum Schluss verbeugten sie sich vor den Fans und blieben bei ihrer Premiere im Felsendom rund eine halbe Minute mit den Köpfen in Bodennähe – erfüllt von den Eindrücken in dieser besonderen Atmosphäre und von der Zuneigung der Zuschauer. 

Eröffnet hatte Stunden zuvor die Band Peter Pankas Jane das 9. German-Kultrock-Festival. Die Truppe, die diese Veranstaltung seit einem Jahrzehnt mitorganisiert, kam gut an. „Die Fans sangen mit geballter Kraft die Songs mit“, schilderte Co-Organisator Guido Simm. 

Neumeier mit 78 Jahren auf der Bühne 

Stolze 78 Lenze alt ist Schlagzeuger Manfred „Mani“ Neumeier, der als Nächstes die Bühne erklomm. Er und seine Band Guru Guru wurden in der Höhle „zum 50-jährigen Bestehen ordentlich abgefeiert“, beobachtete Simm. „Einige jüngere Fans waren augenscheinlich erstaunt, wie gut solche Opas noch abrocken können“, sagte Simm lachend. 

„Danach fuhr den Fans ein Gitarrengewitter und die Wucht von Bass und Drums in die Glieder“, erinnert sich Simm an den Auftritt von Long Distance Calling. Die Münsterländer Band spielte zwar nur Instrumentals, „war für viele Fans aber die Gewinner-Band des Festivals“. Auch Simm selbst befand: „Das war ein grandioser Auftritt.“ 

Veranstalter zieht ein positives Fazit 

Auch insgesamt war der Co-Organisator zufrieden: „Manche Fans waren so glücklich, dass sie beim Verlassen des Geländes die Ordner am Ausgang heftig umarmt haben.“ Ebenfalls positiv: Feuerwehr, Polizei und die Johanniter aus Iserlohn blieben ohne Arbeit. Alles verlief laut Veranstalter-Auskunft friedlich und ohne Verletzungen. 

In den Konzertpausen hatte im rechten Höhlenarm die Band Electric Swan aus Italien gespielt. Dort fand sich auch immer eine Traube an Fans ein, die diesem Lückenfüller die Ehre erwies. „Die Musiker und vor allen Dingen Sängerin Monica Sardelle strotzen nur so vor Dynamik“, war Simm begeistert. 

Das 10. German-Kultrock-Festival findet am 10. August 2019 statt. Guido Simm verrät bereits jetzt: „Lediglich eine Band fehlt uns noch. Aber ich denke, in acht Wochen können wir bekannt geben, was die Fans 2019 erwarten dürfen.“

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