Gerichtsprozess: Zeugen belasten Angeklagten

BALVE/HAGEN ▪ Im Prozess um den 47-jährigen Balver, der sich seit Dienstag wegen fünffachen Missbrauchs eines Minderjährigen vor dem Hagener Landgericht verantworten muss, berichteten am Mittwoch zahlreiche Zeugen vom Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem heute 17-Jährigen.

Gleich zu Prozessbeginn wurde den Beteiligten jedoch ein Beschluss mitgeteilt. Am ersten Prozesstag hatte der Verteidiger Rechtsanwalt Albrecht Hammermann einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer gestellt. Grund dafür seien Äußerungen der Kammer im Rahmen eines Haftprüfungstermins gewesen. Aus Sicht des Verteidigers könne daraus leicht hervorgehen, dass der Vorwurf für das Gericht bereits als erwiesen gilt. Gestern nun teilte die Vorsitzende Richterin mit, dass der Antrag abgelehnt sei. Damit konnte mit alter Besetzung in die Zeugenvernehmung eingestiegen werden.

Den Anfang machte eine Polizistin. Sie hatte den Jugendlichen damals zu den Vorwürfen befragt. Ihr gegenüber habe das mutmaßliche Opfer angegeben, der Angeklagte hätte ihn mehrfach im Auto berührt. Für den Jungen sei das widerlich gewesen, und er hätte den Balver gebeten damit aufzuhören. Der hätte aber weiter gemacht und gesagt, der Junge würde das schon durchstehen. Der Angeklagte habe hingegen in seiner polizeilichen Vernehmung die Vorwürfe konsequent abgestritten.

Ein Kollege aus dem Fußballverein des Balvers schilderte, dass der Angeklagte im Verein einen guten Job gemacht hatte: „Er war ein hervorragender Trainer.” Doch dann war es zu Beschwerden einzelner Eltern gekommen, da der Angeklagte des Öfteren nach dem Training, entgegen der üblichen Vorgehensweise, gemeinsam mit den Spielern geduscht hatte. Schließlich waren Gerüchte über die Vergangenheit des 47-Jährigen in Umlauf gekommen. Nachforschungen des Vorstands brachten schließlich die Gewissheit, dass der Trainer bereits zweifach wegen Sexualdelikten vorbestraft ist. Daraufhin sei der Beschluss ergangen, den Balver vom Trainingsbetrieb freizustellen. „In die Vereinsarbeit wurde er danach nicht mehr eingebunden. Die Spiele hat er sich aber weiter angeschaut”, erklärte der Zeuge.

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Die damalige Freundin des Jungen erzählte dem Gericht, dass die Kontaktaufnahme sehr oft vom heute 17-Jährigen ausgegangen sei. Der Angeklagte sei ihr sogar als sein Stiefvater vorgestellt worden. Ein 58-jähriger Familienberater versuchte dieses Verhalten zu erklären: „Die Rolle des Vaters war für den Angeklagten nicht besetzt. Er hat eine Vaterfigur gesucht”. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sei immer wieder von Gewalt geprägt gewesen, berichtete er weiter. So habe der Junge nach eigenen Angaben einerseits Angst vor dem Balver gehabt, andererseits habe er selbst immer wieder den Kontakt zu dem Mann gesucht. „Er ist ein zerrissener junger Mann”, so auch der Eindruck eines Mitarbeiters des Jugendamtes, der der Familie eine Zeit lang zur Seite gestanden hatte.

Heute wird der Prozess im Hagener Landgericht fortgesetzt. ▪ jape

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