Gelebte Völkerverständigung

Im Geschichtspark Puy du Fou gab es lehrreiche, aber auch aufregende „Spektakel“ zur Historie Frankreichs zu erleben.

BECKUM -  28 Mädchen und Jungen der Gemeinschaftsgrundschule St. Nikolaus Beckum waren jetzt für eine Woche zu Besuch in der Partnerstadt Roussay in der Nähe von Nantes. Die ansteckende Herzlichkeit der französischen Gastgeber bescherte den Schülern sowie mitgereisten Eltern und Lehrern unvergessliche, intensive Gemeinschaftserlebnisse.

Schon die Begrüßung schafft in Frankreich Nähe. Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts, ein freundlicher Blick, eine Umarmung: So fühlten sich alle schnell willkommen.

Viele Kinder und Erwachsene kannten sich schon vom Schulbesuch der Roussayer in Beckum im November. Einige Familien pflegen seit Jahren Kontakte zu französischen Freunden in Roussay. Gebildet wurden die Freundschaften durch frühere Schulbesuche, den Sportverein oder gegenseitige Besuche auf Dorffesten in Beckum beziehungsweise in Roussay.

Die neun und zehn Jahre alten Kinder wie auch die Erwachsenen wohnten jeweils zu zweit in einer Gastfamilie. Kommunikationsprobleme schien es bei kaum zu geben. Beim gemeinsamen Spiel verständigte man sich mit Händen und Füßen, einigen im Rahmen der Französisch-AG erlernten französischen Redewendungen und auf Englisch. Und schon ging es los mit dem Fußballspielen, Fangen oder Ballspielen. Die Erwachsenen hatten ebenfalls viel Spaß beim Gespräch in drei Sprachen, unterstützt durch Wörterbuch und Internet.

Der obligatorische Besuch in dem Geschichtspark Puy du Fou, in welchem in fünf – so die Teilnehmer – „grandiosen Spektakeln“ Legenden und Ereignisse aus der Historie Frankreichs dargestellt werden, begeisterte trotz Regenwetters Erwachsene und Kinder.

Ein Sportnachmittag mit einer Dorfrallye der Deutschen und Franzosen förderte das Gemeinschaftsgefühl. Schulbesuche in Roussay und Cholet gewährten den deutschen Mädchen und Jugen einen intensiven Einblick in den Alltag der französischen Schüler.

Besonders erstaunt waren die Beckumer Kinder über die Arbeit in der Ecole Maternelle – dem Kindergarten. Er ist in Frankreich an die Schule angegliedert und bereitet bereits die Dreijährigen anhand sehr strukturierter Abläufe und Lernspiele an die Anforderungen der Schule heran.

So beherrschen die meisten von ihnen beim Eintritt in die Grundschule schon die verbundene Schrift und zwar in beachtlicher Ordnung und mit großer Ausdauer. Sehr interessant war für die Beckumer auch das gemeinsame Mittagessen mit den französischen Altersgenossen in der Schulkantine.

In der Klasse werden die Hände gewaschen und dann geht zunächst der Tischdienst vor, um die Essplätze einzudecken. Schließlich beginnen alle gemeinsam mit der Mahlzeit. Nach dem Essen halten alle Kindergartenkinder eine zweistündige Mittagsruhe auf kleinen stapelbaren Bettchen.

Die Schulkinder haben nach einer Spielpause bis 16.30 Uhr Unterricht. Hausaufgaben müssen danach ebenfalls noch erledigt werden. Für viele deutsche Mädchen und Jungen war das nur sehr schwer vorstellbar. Allerdings ist in Frankreich der Mittwoch schulfrei.

Da die Schule neben einer Kirche mit einem seltenen Carillon, einem riesigen Glockenspiel, liegt, erhielten die Kinder die Möglichkeit, dieses außergewöhnliche Instrument aus nächster Nähe – im Glockenturm – in Aktion zu sehen.

Da die Partnergemeinde Roussay nur 80 Kilometer vom Atlantik entfernt liegt, stand auch ein Strandtag auf dem Programm. Es wurden gemeinsam Burgen gebaut und lustige Geschicklichkeitsspiele gemacht. Anhand einer riesigen Umrisszeichnung Frankreichs, die die Gastgeber in den Sand ritzten, wurde den Kindern die Lage der wichtigsten französischen Städte und Gebirge verdeutlicht.

Die Abende verbrachten viele Gastgeberfamilien gemeinsam; zum Teil trafen sich 20 bis 25 Personen. Den krönenden Abschluss der Woche bildete das Abschiedsfest bei Spanferkel und Musik. Alle tanzten gemeinsam zu deutschen und französischen Liedern, die im Vorfeld einstudiert wurden. Nach tränenreichem Abschied waren sich alle einig, dass für einen weiteren Austausch unbedingt die Werbetrommel gerührt werden sollte.

Alle Kinder waren – das verrieten ihre leuchtenden Augen – sehr stolz, eine Woche fast tausend Kilometer entfernt von der Heimat in fremdsprachigen Familien, in einer unbekannten Schule gemeistert zu haben. Dieser Blick über den Tellerrand ermöglichte gelebte Völkerverständigung.

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