Gefälschtes Rezept für Antidepressiva

MENDEN/BALVE ▪ Dreist sollen zwei junge Balver versucht haben, mit einem zunächst gestohlenen und später gefälschten Rezept in einer Apotheke an Medikamente zu gelangen. Der Versuch scheiterte und die 15 und 21 Jahre alten Balver landeten vor dem Amtsgericht in Menden. Dort mussten sie sich gestern Morgen wegen Diebstahls und Urkundenfälschung verantworten.

Gemeinsam sollen die Angeklagten am 18. April aus Praxisräumen im St. Marien Hospital in Balve einen Rezeptblock entwendet haben. Anschließend sollen sie einen 13-jährigen Freund dazu gebracht haben, das Diebesgut nach ihren Anweisungen auszufüllen. Vor Gericht erklärte der 15-Jährige: „Wir sind ohne Tatplan in das Krankenhaus. Dort stand eine Praxistür offen und es lagen Rezepte auf dem Tresen. Wir sind rein und er (der Mitangeklagte) hat gesagt, ich soll ihm die Rezepte geben. Dann hat er zu seinem Freund gesagt, er soll eins ausfüllen. Dann sind wir zur Apotheke nach Menden gefahren. Ich wollte damit nichts zu tun haben und bin rausgegangen.”

Der 21-jährige Mitangeklagte bestätigte diese Aussage gestern nicht. „Ich war nicht in dem Raum im Krankenhaus. Das waren nur die beiden. Ich war so labil und leicht beeinflussbar. Die haben die Rezepte geklaut und ich habe aus Reflex welche genommen.” Der 13-Jährige habe das Papier von sich aus ausgefüllt. „Er hatte Lust und Laune und hat einfach etwas draufgeschrieben”, so der Balver. Besagter 13-Jähriger erklärte im Zeugenstand, dass er im Krankenhaus nur die Tür zur Praxis aufgehalten hatte und das Rezept nach Vorgabe des 21-Jährigen ausgefüllt habe. „Ich hatte Angst vor ihm. Er nahm Antidepressiva und war dadurch ganz komisch.”

Die Apothekerin erinnerte sich gestern, dass ihr das Rezept sofort seltsam vorkam: „Die Schrift, die Menge des Medikaments und, dass es von außerhalb kam.” Zudem hätten Angaben vom Arzt gefehlt. „Ich habe dann in der Praxis angerufen. Das hat eine ganze Weile gedauert”, so die Apothekerin. Schließlich sei durch den Anruf aber Licht ins Dunkel gekommen. Bei dem Medikament auf dem Rezept handelte es sich um ein Antidepressivum, dass schnell süchtig macht. Der 21-Jährige gab im Laufe der Verhandlung schließlich an, dass er seit etwa eineinhalb Jahren Antidepressiva einnehmen müsse.

Der 15-Jährige kassierte 70 Sozialstunden. Zudem muss der notorische Schwänzer nachweisen, dass er regelmäßig die Schule besucht. Als weitere Auflage muss er eine Drogenberatungsstelle aufsuchen und sich in vorgeschriebenen Abständen Drogentests unterziehen. Für den Kompagnon gab es 100 Sozialstunden und die gleiche Auflagen bezüglich der Drogenberatung und -tests. ▪ jape

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