Gähnende Leere im OP

Schwester Katharina und Schwester Marion räumen die Reste aus dem OP.

BALVE ▪ Patienten sitzen nicht mehr in der Empfangshalle des St. Marien-Hospitals – der letzte ist kurz nach 11 Uhr entlassen worden. Dennoch herrscht zum Beispiel in der Ambulanz geschäftiges Treiben: Schwestern und Pfleger räumen die Behandlungsräume aus; in einem der OPs herrscht bereits gähnende Leere. In wenigen Stunden schließt das St. Marien-Hospital endgültig seine Pforten.

Die Stimmung war am Dienstag gedrückt – auch bei den Mitarbeitern, die künftig in einem der anderen Häuser der Hospitalvereinigung arbeiten werden oder auf eigene Faust einen Job gefunden haben. Einige der 117 Beschäftigten haben noch keine Perspektive. „Wir hoffen, dass wir die Verhandlungen zum Sozialplan in dieser Woche zum Abschluss bringen können“, betont Mitarbeitervertreter Heinz Bertsch. Bertsch, seit 33 Jahren Pfleger im St. Marien-Hospital, wird sich ab Ende Mai in der urologischen Ambulanz des Marien-Hospitals Iserlohn um die Patienten kümmern. Seine Gefühle konnte der Balver an seinem letzten Arbeitstag in seiner Heimatstadt nicht in Worte fassen. Rückblickend sagt er: „Schon seit dem Beske-Gutachten, das 2001 veröffentlicht wurde, war das St. Marien-Hospital ja im Fokus. Der rasante Verlauf bis zur Schließung hat jetzt aber doch fast alle überrascht.“

Dennoch sieht der 54-Jährige die Schließung realistisch. „Es ist klar, dass kleine Häuser, die sich der Grund- und Regelversorgung widmen, auf Dauer nicht überleben können“, stellt er fest – und verweist unter anderem auf die Leistungen der Krankenkassen: „In NRW werden die niedrigsten Sätze Deutschlands für Krankenhausleistungen gezahlt.“ Das könne nicht folgenlos bleiben, meint Bertsch – und beobachtet besorgt die Entwicklung am Klinikum Lüdenscheid, dem zwei kleinere Häuser angeschlossen sind: „Wir hoffen, dass die Kollegen in Letmathe und Werdohl da schadlos rauskommen.“

Die Situation spitze sich immer mehr zu, befürchtet der Mitarbeitervertreter. Von dem Geld, dass man als ,normale’ Pflegekraft verdient, kann man keine Familie ernähren,“ stellt Bertsch fest und betont: „Wenn es nun auch noch immer weniger Ausbildungsmöglichkeiten gibt, werden sich die jungen Leute drei Mal überlegen, ob sie diesen Beruf erlernen werden.“ Schon jetzt seien Fachkräfte im Pflegebereich heiß begehrt – demnächst könnten folglich alle Pflegekräfte Mangelware werden. Diese Entwicklung sei dramatisch – nicht nur für die Bewohner der Städte, in denen Krankenhäuser geschlossen werde.

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