Freundschaft währt bereits über drei Generationen lang

Das Bild zeigt Frank Wassmuth mit seiner Frau Iris, Manuela und Olaf Pfennig sowie Hardy und Manuela Kutzscher während des Balver Schützenfestes. - Foto: Kolossa

BALVE - Freundschaft hält ein Leben lang – Frank Waßmuth weiß: „Sie geht auch auf die nächste Generation über.“ Der Balver hält mit seinen Brüdern Volker und Jürgen den Kontakt nach Dürrenhofen im Spreewald, denn die Einwohner haben 1945 seinem Vater Wolfgang das Leben gerettet.

Für diesen, Jahrgang 1923, war in Dürrenhofen der Krieg zu Ende. Als Infanterist war er seit Anfang an dabei, den 20. Juli 1944 erlebte er im Lazarett in Potsdam. Frank Waßmuth erzählt aus der Erinnerung von Gesprächen seines 2011 verstorbenen Vaters: „Alle Waffenfähigen bekamen den Befehl, gegen die SS zu marschieren. Unterwegs kam dann der Befehl zum Rückzug.“

Vor Frankfurt/Oder, im Kessel von Halbe, war für seinen Vater dann im April 1945 Kriegsende. „Eines morgens stellten er und seine Kameraden fest, dass sich alle Offiziere abgesetzt hatten.“ Also machten sich auch die niederen Dienstgrade auf, sich nach Westen durchzuschlagen.

Wolfgang Waßmuth ging mit vier anderen los, später waren es noch drei. Nachdem ein weiterer in die Hände der Russen fiel, kamen Waßmuth und sein Kamerad nach Dürrenhofen. Bürgermeister Willi Kutzscher steckte beide in Zivil, und setzte sie als Bürokräfte und Erntehelfer ein – immer auf der Hut war Wolfgang Waßmuth, wollte er doch nicht als Offiziersanwärter erkannt werden.

Anfang 1946 musste er plötzlich ganz schnell Abschied nehmen. „Jemand, mit dem er sich nicht gut verstand, hatte ihn bei den Russen als Agenten der USA gemeldet“, berichtete sein Sohn Frank.

Er konnte den Brief einsehen, in dem sein Vater 1947 dem Spreewalder Bürgermeister schrieb, der Name des Denunzianten sei ihm bekannt. Vor seiner Verhaftung fliehen konnte er nur, weil ihm nach einer Zugfahrt aus Berlin ein Mädchen auf dem Bahnhof riet, nicht auszusteigen, sondern sofort weiterzufahren: „Die Russen warten auf Dich“, solle dieses Mädchen gesagt haben.

Sein weiterer Weg führte ihn dann in seine Heimat Wickede, wo er fortan als gelernter Kaufmann arbeitete. Bei einem Bodensee-Besuch traf er Hannelore Zimmermann von der Druckerei Zimmermann und zog mit ihr 1948 nach Balve. Dort machten sich die Waßmuths einen Namen mit der Buch- und Kunsthandlung Zimmermann, die später und bis 2006 unter dem Namen Buchhandlung Waßmuth firmierte.

1972 war Wolfgang Waßmuth erstmals wieder in Dürrenhofen, nachdem er sich erkundigt hatte, dass seiner Einreise nichts mehr im Wege stand: „Ein Anwalt bestätigte ihm, dass sein Name nicht auf der Roten Liste stand.“ Er frischte seine Erinnerungen auch mit Heinz Kutzscher, dem Sohn des Bürgermeisters auf, der im selben Alter war wie er.

Inzwischen halten die Kinder in West und Ost selbst den Kontakt aufrecht – die Spreewalder besuchen unter anderem regelmäßig das Balver Schützenfest, die Balver den Spreewalder Karneval: „Drei Tage wird in Dürrenhofen gefeiert“, weiß Frank Waßmuth. „Schützenfest ist dort allerdings nicht bekannt.“ Das Dorf sei etwa so groß wie Mellen. Besuche und Gegenbesuche seien für die beide Seiten – inzwischen auch die Enkelgeneration – immer ein Erlebnis.

Von Julius Kolossa

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