Die Welt der Oper in der Höhle

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Mit einem kraftvollen „O sole mio“ verabschiedeten sich die drei Spaßvögel Johannes Beck (links), Bryan Lopez Gonzalez und Barbara Felicitas Marín von ihrem Publikum.

Balve - Kein geringeres Thema als die Liebe in vielen verschiedenen Varianten bildete den roten Faden durch die Opernnacht in der Balver Höhle. Zu Gast war einmal mehr das Frankfurter Kammerorchester unter der Leitung von Markus Elsner, der drei hervorragende Sänger mitgebracht hatte: Zwei Männer und eine Frau standen bereit, um von der einsamen Arie über die Freundschaftsarie zweier Männer bis zum vergnügten Trio verschiedene Szenen aus der weiten Welt der Oper zu singen, und immer mehr auch ein bisschen miteinander zu spielen.

Mozart machte den Anfang: Nach der immer wieder gern gehörten Ouvertüre seiner „Zauberflöte“ schlüpfte Bariton Johannes Beck in die Rolle des Papageno. Der befand sich allerdings noch einige Akte vor der Erfüllung seiner Liebeswünsche und gab Einblicke in sein berufliches Dasein: „Der Vogelfänger bin ich ja.“ Tenor Bryan Lopez Gonzales hingegen hatte „sie“ wenigstens schon einmal gesehen: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“. Barbara Felicitas Marín vervollständigte den Zauberflöten-Reigen mit einem Kabinettstück sopranistischer Akrobatik: Ihre Koloraturen der berühmten Arie der Königin der Nacht „Der Hölle Rache“ perlten durch die vergleichsweise komfortable Höhle.

Einmal mehr begeisterte das Orchester unter der Leitung von Markus Elsner. Die Sommernacht der Oper vereinte Stücke aus der gesamten Geschichte der Oper in einer Aufführung.

Auf Mozarts doppeltes Happy End folgte Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ mit einem weiteren schmachtenden Mann: Graf Almaviva besang seine Rosina mit der Arie „Ecco ridente in cielo“. Eher etwas für Spezialisten war die Arie „Danza delle Ore“ aus der Oper „La Gioconda“ von Amilcare Ponchielli. Die Handlung ist so voll von maßlosem Begehren, Verrat und Erpressung, dass die „heitere“ Straßensängerin am Ende tatsächlich tot ist. Ein typischer Vertreter der Opern des 19. Jahrhunderts, die zumeist davon lebten, dass eine Frau sterben musste.

Erstmals zu dritt standen die Solisten für die Arie aus einem Frühwerk von Giacomo Puccini auf der Höhlenbühne: „Le Villi“. Markus Elsner führte in die Geschichte einer „gemeinen Hexenbande ein, die untreue Liebhaber zum Tanzen bringt – bis zum Tode“. Die fantastische Geschichte aus dem Reich verlassener, tödlich verblasster und entsprechend rachegesonnener Frauen verbreitete Schaudern.

Die Höhle bebte, das Publikum bekam nicht genug: Erst nach einem schier endlosen Applaus ließen sie die Akteure ziehen.

Georges Bizet setzte in seiner Oper „Carmen“ eine weitere Variante der Liebe in Szene: Sein überbordend viriler Stierkämpfer Escamillo besang die Freuden des Stierkampfes und machte sich wie immer ein bisschen lächerlich. Denn die bösen Verballhornungen konnte er nicht aus den Köpfen singen: „Auf in den Kampf…“ Ebenfalls Georges Bizet lieferte Johannes Beck und Bryan Lopez Gonzalez die Gelegenheit zu einem Duett unter Männern: „Die Perlenfischer“ bekräftigten ihre Absicht, auf die von beiden begehrte Frau zu verzichten. Ob das gut ging, wurde an diesem Abend nicht abschließend geklärt.

„Sie werden sich wundern, dass man in einer Sprache singen kann, die keine Vokale hat“, kündigte Markus Elsner schließlich Antonín Dvoráks Wassernixe „Rusalka“ an, deren „Lied an den Mond“ Barbara Felicitas Marín auf Tschechisch sang. Nach dem eher verdorbenen Früchtchen Norina aus Donizettis „Don Pascuale“, das eigentlich „nur spielen“ will, kehrte die Sopranistin als Puccinis „Madame Butterfly“ auf einen anständigen, aber gemeinerweise tödlichen Pfad zurück. Alle drei Sänger und das Orchester verabschiedeten sich schließlich mit einem kraftvollen „O sole mio“. Die Höhle bebte, und das Publikum ließ die Akteure erst nach einem gewaltigen Applaus ziehen.

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