Gesteinsablagerungen stammen von Tieren und Pflanzen / Auch Bernstein gefunden

Funde im Steinbruch sind 125 Millionen Jahre alt

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Dr. Peter Lanser (rechts) untersucht mit Hilfe des Studenten Tobias Püttmann den mehrere Kilogramm schweren Gesteinsbrocken, den sie gerade zuvor erst aus dem Steinbruch gestemmt haben.

BECKUM - Einen mehrere Kilogramm schweren Teil brechen Stefanie Kunz und Tobias Püttmann aus der Felswand des Steinbruchs heraus. „Das ist ein Stück von einem Knochenpanzer einer Schildkröte“, vermutet Dr. Peter Lanser auf den ersten Blick.

Von Julius Kolossa

Der Wissenschaftler vom Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster hält das dreieckige Stückchen hoch: „Es ist etwa 125 Millionen Jahre alt.“

Dass dieses ans Tageslicht befördert und damit der Forschung zugänglich gemacht werden kann, ist einem Fund im Jahr 2000 zu verdanken. „Hier vor uns liegt Massenkalk mit tonigen Sanden aus der Unterkreide“, stellt Lanser sein Betätigungsfeld in der paläontologischen Denkmalpflege vor.

Seit 2002 ist der Landschaftsverband am Steinbruch tätig; regelmäßig sind dort Studenten mit ihren Dozenten anzutreffen. Geduld ist dabei gefragt – manchmal dauert es, bis eindeutig zu identifizierende Knochenstücke zu finden sind.

„Das hier ist ein Teil eines unteren Gelenks eines Oberarmknochens“, hält Lanser das besagte Fundstück hoch. Es ist nur wenige Millimeter lang. „Eventuell stammt dieses Teilchen von einer Schildkröte“, will er sich noch nicht festlegen. Genaue Erkenntnisse erfährt er bei weiteren Auswertungen mit dem Mikroskop.

Seitdem im Jahr 2002 der Landschaftsverband das weitläufige Gelände mit Genehmigung von Eigentümer Rheinkalk erschließen darf, sind tausende Teile von Urzeitbewohnern gewonnen worden. „Skelette gibt es hier nicht“, betont der Experte. „Im Laufe der Millionen Jahre ist die Landoberfläche mehrere 100 Meter nach und nach abgetragen worden. Die Körper der Bewohner sind dabei verwest; doch was erhalten geblieben ist in diesem tonhaltigen Sandboden, sind Knochen und Zähne.“

Zugeordnet wurden diese bisher Fischen, Haien, Reptilien (Schildkröten und Krokodile), Flugsauriern, eidechsenartigen Tieren, pflanzen- und fleischfressenden Dinosauriern, „aber auch Reste von Säugetieren“. Teile dieser vor etwa 30 Millionen Jahren ausgestorbenen Exemplare zu finden, sei extrem selten. Nachgewiesen wurden in diesem Steinbruch die Vorläufer der heute bekannten Beuteltiere, aber auch der ersten Vorfahren des Menschen.

„Diese Fundstelle hier ist weltweit einzigartig“, weiß der Fachmann. Nachgewiesen wurden auch drei verschiedene Typen von Blütenpflanzen – etwa 125 Millionen Jahre alt. Möglich macht es der Massenkalk, der die Reste konserviert. Das Auffinden ist allerdings mühsam, wie sich zeigt.

„Wasser ist dabei unser bester Mitarbeiter“, könnte sich Lanser auch durchaus mit Regenwetter zufrieden geben, während diesmal Sonnencreme und Hut unerlässlich sind. „Wir lassen die festen Sandstücke einweichen, denn sonst ist nichts lösbar.“ Der Wissenschaftler erläutert weiter: „Beim anschließenden Zerbröseln werden dann Knochen und Steine sichtbar.“

Im Labor finden in Folge weitere Untersuchungen statt; dabei ist auch schon Bernstein gefunden worden. Alle Funde werden präpariert, um für die Nachwelt erhalten zu werden. Für Stefanie Kunz, Studentin im vierten Semester Ur- und Frühgeschichte an der Uni Münster, Sabrina Schwarz und Tobias Püttmann (beide achtes Semester Geowissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum) sowie Lanser könnte der Steinbruch ein ewiges Betätigungsfeld werden, doch ist ihre Zeit dort begrenzt.

Lanser erklärt, warum: „Wir führen hier Rettungsgrabungen durch, denn in ungefähr 20 Jahren findet hier wieder der Berg-Abbau statt.“

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