Betriebsgemeinschaft alarmiert Ministerin Heinen-Esser

Forstwirten fehlt halbe Million Euro Förderung

Hubert Priggel von der Forstbetriebsgemeinschaft arbeitet mit einem Erdbohrer an der Aufforstung. Den Balver Mitgliedern der Betriebsgemeinschaft fehlt eine halbe Million Euro zugesagter Fördermittel, die wohl nie mehr ankommen werden.
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Hubert Priggel von der Forstbetriebsgemeinschaft arbeitet mit einem Erdbohrer an der Aufforstung. Den Balver Mitgliedern der Betriebsgemeinschaft fehlt eine halbe Million Euro zugesagter Fördermittel, die wohl nie mehr ankommen werden.

„Wir wären mit den letzten Fäll- und Aufräumarbeiten des Käferholzes in unseren Wäldern im Januar fertig geworden – doch weil uns als Forstbetriebsgemeinschaft dafür zugesagte Fördergelder vom Land NRW in Höhe von 500 000 Euro noch nicht bewilligt und daher auch nicht ausgezahlt wurden, mussten wir sämtliche Arbeiten in der vergangenen Woche einstellen“, findet der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Balve, Hubert Priggel, im Gespräch mit unserer Zeitung deutliche Worte.

Balve - „40 000 Festmeter Holz sind schon gefallen, 8000 Festmeter an Holz stehen noch. Damit nicht genug, denn es brechen uns mit dem Ende der Arbeiten jetzt auch die Logistikketten mit Harvesterfahrern und vor allem China als Hauptabnehmer des Käferholzes weg.“

Um sich Gehör an höherer Stelle zu verschaffen, hat Hubert Priggel für die FBG jetzt einen Brief an die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser, geschrieben. Darin wird betont, dass Balve im Hauptschadensgebiet der Borkenkäferkalamität liegt. Besonders betroffen sei diese Region, weil sie bereits bei Kyrill mehr als die Hälfte des Waldes verloren habe.

„Die zeitnahe Ernte und Abfuhr des befallenen Holzes ist die einzige Chance, vielleicht noch einige Bestände zu retten. Daher hatten wir uns bei Einrichtung der Extremwetter-Förderungsrichtlinie sehr gefreut, dass der vorzeitige Maßnahmenbeginn unbürokratisch auf das Urteil der Forstbeamten vor Ort delegiert wurde“, stellt Hubert Priggel in dem Brief fest. Im weiteren Verlauf geht er darauf ein, dass am 10. Juli von der FGB Balve ein Sammel-Förderantrag über 735 400 Euro nach der Extremwetterrichtlinie des Landes NRW beim Regionalforstamt in Lüdenscheid eingereicht wurde. „Leider konnte dieser bis heute weder in Gänze, noch in Teilbeträgen bewilligt werden, da dem Regionalforstamt Märkisches Sauerland nur rund 5,9 Millionen Euro zugewiesen wurden, obwohl bereits im September für mindestens drei Millionen Euro weitere Förderanträge vorlagen. Dies hatte das Forstamt auch frühzeitig berichtet. Das Defizit in den Mitteln zur Extremwetterrichtlinie liegt heute bei weit über 2 Millionen Euro im Forstamtsbereich.“

Hubert Priggel mit seinen Enkelkindern Finn und Mats steht vor sogenanntem Käferholz. Im Hintergrund eine kahl geschlagene Fläche.

Die aktuelle Situation stelle sich so dar, dass die beim Landesbetrieb zuständige Geschäftsstelle Forst am 24. November die Forstämter angewiesen habe, keine weiteren Förderanträge mehr zu bewilligen. Auch die Bewilligung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns werde untersagt, ebenso seien Anträge auf Verlängerung des Bewilligungszeitraumes ins nächste Jahr abzulehnen. Nicht abgerufene Fördermittel verfallen. Begründet würde all dies mit fehlenden Finanzmitteln.

Hubert Priggel: „Das hat zur Folge, dass für den bis heute nicht bewilligten Förderantrag der FBG Balve eine Fördersumme von fast 500 000 Euro aufgelaufen ist, die nicht bewilligt und auch nicht ausgezahlt werden kann.“

Für die Mitglieder zeichne sich eine Katastrophe ab, denn sie vertrauten auf die Fördermittel und hätten mehrere zehntausend Euro für die Lohnkosten vorgestreckt. Daraus folgte: „Um nicht noch tiefer in diese Förderfalle hineinzutappen, mussten wir sämtliche Aufarbeitungsarbeiten sofort einstellen. Unternehmer aus dem ganzen Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland stehen von heute auf morgen ohne Arbeit da und reisen ab, obwohl eigentlich noch genügend Arbeit für sie da ist.“

Arbeiter reisen ab, weil die Forstwirte nicht mehr zahlen können

In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Belastungen gemeistert worden, denn nach Kyrill wurden mehr als 750 Hektar Wald wieder aufgeforstet und gepflegt. Die Umstellung der Holzvermarktung auf eine private Vermarktungsgesellschaft und die Einführung der direkten Förderung der Betreuung hätten die Finanzen weiter strapaziert. „Die Holzaufarbeitung ist in vielen Beständen nicht kostendeckend. Von den anstehenden Kosten für die Wiederaufforstung und Pflege ganz zu schweigen. Auf unsere FBG kommen Instandsetzungskosten für zerfahrene Waldwege zu, die unsere finanziellen Möglichkeiten bei weitem sprengen. Die Einführung der direkten Förderung verursacht weitere Kosten für eine professionalisierte Geschäftsführung. Das ist aus den derzeitigen Holzpreisen nicht zu finanzieren.“

In der Kasse bleibe für die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft nicht mehr viel übrig, erzählte Hubert Priggel unserer Zeitung. Vier bis sechs Euro werden je Festmeter ausgezahlt – und das aber auch nur für gutes Holz. „Und es muss wieder aufgeforstet werden“, blickte er nach vorne. Diese Arbeiten aber würden wieder ins Geld gehen: „Die Neuanpflanzung eines Hektars kostet um die 5000 Euro.“

Sein Appell an Ministerin Heinen-Esser: „Viele Waldbesitzer wenden sich zunehmend von ihren Wäldern ab und wollen und können den so dringend erforderlichen Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern nicht finanzieren.“

Seine Bitte geht dahin, die bisher getroffenen Entscheidungen zu überprüfen und die Fördermittel entweder kurzfristig noch bereitzustellen oder doch zumindest eine Übertragung der Ansprüche ins Jahr 2021 zu ermöglichen

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