Fische verenden

Flussbett in Teilen ausgetrocknet: „Die Zukunft der Hönne sieht nicht gut aus“

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Der Flusslauf der Hönne ist in Teilen, wie hier im Bereich der Höhle, bis auf kleine Bereiche komplett ausgetrocknet.

Balve – „Die Zukunft der Hönne sieht nicht gut aus“, blickt Wilfried Gerken im Gespräch mit der Redaktion sorgenvoll auf die nächsten (warmen) Jahre.

Denn bereits jetzt fallen ganze Flussabschnitte immer häufiger trocken, viele Fische verenden. 

Bis vor drei Jahren hatte er das Gewässer von Neuenrade bis zu den Uhufelsen gepachtet, um dort zu angeln. „Bis zu 40 Zentimeter lange Bachforellen und auch einige Regenbogenforellen habe ich gefischt“, erinnert sich Gerken. Dann aber verging ihm der Spaß nach dem großen Fischsterben im Sommer 2015. 

Vorwürfe gegen den Ruhrverband

Die Fischereigenossenschaft Balve, deren Mitglied Gerken seit 1980 ist, hat seitdem ein Feststellungsverfahren gegen den Ruhrverband als Betreiber der Kläranlage in Neuenrade laufen. „Von dort wird warmes und mit Schadstoffen konzentriertes Wasser in die Hönne gelassen“, ist der passionierte Angler überzeugt. Der Fischbestand in der Hönne gehe immer weiter zurück, sagt Gerken sorgenvoll. Aus seiner Erfahrung weiß er den Fluss als Lebensraum für viele Tiere zu schätzen, hat aber auch bemerkt: „Die Wassermenge geht seit zehn Jahren zurück.“ 

Die Hönne in Höhe Sanssouci.

Besonders ausgeprägt sei das trockene Flussbett im Bereich der Reckenhöhle bis zu den Sieben Jungfrauen. „Die Hönne verläuft hier unterirdisch in einer sogenannten Hönneschwinde.“ Dieses Phänomen trete allerdings nur in Trockenperioden zutage. Wilfried Gerken: „Die Hönneschwinde hat sich inzwischen von Februar bis in den November ausgeprägt.“ 

Noch gibt es einige Wasserlöcher

Noch gebe es Wasserlöcher als Rückhalt für die Fische, und zwar besonders große an den Stauwehren an der Gransauer Mühle und beim Bahnhof in Sanssouci. „Die anderen Zuflüsse sind aber leer“, berichtet Gerken, und zählt auf: „Es fließt kaum Wasser aus der Hönnequelle, der Garbach ist trocken, die Borke, aber auch der Frühlinghausener Bach und der Höveringhausener Bach.“ Nur das Klärwasser aus der Nachbarstadt sorgt für Wassernachschub, doch dessen Qualität stellt Gerken infrage. „Bleiben die Sommer zukünftig so trocken, geht der Fischbestand immer weiter zurück“, fürchtet der Angler. Durch die anhaltende Trockenperiode gibt es schon aktuell am Dorfpark und der Straße „Zur Insel“ in Volkringhausen, an der Reckenhöhle, in Bereichen von Sanssouci und an der Balver Höhle kaum noch Wasserstellen, in denen die Fische überleben können. 

Diese Problematik ist dem Märkischen Kreis als unterer Wasserbehörde bekannt, wie Pressesprecher Hendrik Klein auf Anfrage berichtet: „Sauerstoffverlust im Wasser bei trockenem Wetter und längere Trockenperioden sorgen für Fischsterben.“ Um die Natur nicht noch weiter zu schädigen, solle davon abgesehen werden, durch das ausgetrocknete Flussbett inmitten des Naturschutzgebiets zu laufen. „Wir hoffen und setzen dabei auf anständiges Verhalten im Sinne der Umwelt“, so Klein. 

Wasserpegel steigt bei Starkregen schnell an

Neben diesem sehr höflich formulierten Verbot, das mit einem Bußgeld in Höhe von 250 bis 50 000 Euro geahndet werden kann, steckt aber auch ein weiterer Appell: bei Starkregen steige der Wasserpegel in der Hönne sehr schnell an, kann zur Gefahr werden.

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