1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

Flüchtlingssituation in Balve: „Wir schaffen das!“

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Über die aktuelle Flüchtlingssituation in Balve informierte Bürgermeister Hubertus Mühling am Mittwochabend den Stadtrat.
Über die aktuelle Flüchtlingssituation in Balve informierte Bürgermeister Hubertus Mühling am Mittwochabend den Stadtrat. © Kolossa, Julius

„Wir schaffen das!“ Den wohl berühmtesten Satz aus der Kanzlerschaft von Angela Merkel benutzte am Mittwochabend auch Bürgermeister Hubertus Mühling.

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Worte im August 2015 in der Hoch-Zeit der Flüchtlingskrise benutzt. Und auch bei Bürgermeister Mühling ging es um das Thema Flüchtlinge.

Das Stadtoberhaupt informierte die Ratsmitglieder in der Garbecker Schützenhalle über die aktuelle Lage in der Hönnestadt rund um die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. „Bisher stehen uns noch genügend private Unterkünfte zur Verfügung, sodass wir noch nicht die städtischen Liegenschaften nutzen müssen“, sagte Mühling. Die Welle der Hilfsbereitschaft sei groß. Mühling mahnte aber zugleich: „Es sollten aber nur Ferienwohnungen oder sonstige geschlossene Wohneinheiten zur Verfügung gestellt werden – nimmt man fremde Menschen innerhalb seiner eigenen Familie auf, kann es sehr schnell sehr eng werden. Jede Familie braucht einen eigenen Rückzugsort.“ Es sollte, so Mühling, genügend Platz für die Flüchtlinge vor Ort sein.

Stadt arbeitet an einem „digitalen Marktplatz“

Darüber hinaus arbeite die Stadt daran, einen „digitalen Marktplatz“ mit Angeboten für Paten, Alltagshelfer, Handwerker, aber auch Sachspenden demnächst anbieten zu können. „Deutschkurse werden vom Bündnis für Flüchtlinge und der Volkshochschule durchgeführt.“ All dies werde abgestimmt bei Treffen des Runden Tischs, an dem Verwaltung, Kirchen und Hilfsdienste, aber auch die Schützenbruderschaft über das weitere Vorgehen beraten.

Aktuell leben 51 ukrainische Flüchtlinge in Balve, darunter 27 Kinder. 20 Mädchen und Jungen gehen in die Schule: 13 in die Realschule, sieben in die Garbecker Grundschule. Vier Kinder besuchen einen Kindergarten, drei sind jünger als drei Jahre. Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, ergänzte: „Bis Mitte nächster Woche kommen mindestens noch 13 weitere Menschen aus der Ukraine zu uns, sodass dann insgesamt 64 in Balve leben. Mit weiteren Zuweisungen rechnen wir – wann und wie viele Menschen kommen, steht zurzeit aber noch nicht fest.“

Auch deutsche Ortskraft aus Afghanistan untergebracht

Neben den Ukraine-Flüchtlingen wurde in dieser Woche eine Familie aus Afghanistan in Balve untergebracht. Als sogenannte Ortskraft für die Deutschen war der Vater in seiner Heimat vor der Herrschaft der Taliban tätig. Jetzt lebt seine Familie, darunter sechs Kinder, in Balve. Mühling: „Aktuell leben in unseren Flüchtlingsunterkünften im Langeloh und in der Helle 45 Menschen aus Syrien und Afghanistan.“ In diesen Unterkünften sei noch genügend Kapazitäten zur Verfügung. „Im März 2016, während der Flüchtlingswelle aus Syrien, haben wir in Balve insgesamt 283 Flüchtlinge untergebracht. Das war bisher unsere Hochphase.“

Diese Menschen kamen temporär auch in der Murmke-Turnhalle unter. „Das war nach dem Krieg in Jugoslawien im Jahr 1996 das zweite Mal, dass diese Turnhalle mit Flüchtlingen belegt wurde. Ja, die Halle wäre auch jetzt schnell beziehbar, sollte aber die letzte Option sein“, so Mühling. Zuvor würde der Sonderklassentrakt der ab Ende Juni leer stehenden Hauptschule genutzt. Hier müssten allerdings noch brandschutztechnische und baurechtliche Dinge geregelt werden, sodass noch etwa drei Monate bis zu einem möglichen Bezug vergehen könnten.

Pickhammer soll weiter für Quarantäne-Fälle genutzt werden

Die Stadt hat darüber hinaus weitere Liegenschaften, die genutzt werden können, sobald alle Privatwohnungen belegt sind. Michael Bathe wies auf die Wohnung unter der Bücherei am Sankt-Johannes-Platz hin, die leer stehe, nachdem der Festspielverein seinen Requisiten- und Kostümfundus von dort ins Vereinsheim Gransauer Mühle verlagert hat. Bathe nannte zudem die Alte Schule in Volkringhausen und den Kindergarten in Eisborn. „Die Unterkunft am Pickhammer soll weiterhin für Quarantäne-Fälle genutzt werden“, so Bathe.

Weitere Optionen seien bereits jetzt angebotene Pensionen und Hotels, die ebenfalls genutzt werden sollen. Die Stadt bereite sich auf die weiteren Zuweisungen vor. Parallel soll versucht werden, die Kriegsflüchtlinge möglichst schnell in Balve zu integrieren. So über einen informellen Treffpunkt, der noch einzurichten sei, aber auch über das Osterferienprogramm des Jugendzentrums mit Geocaching und Stadtrallye. Finanziell unterstützt wird Balve dabei vom Land, das pro registriertem Flüchtling 875 Euro monatlich zahle. Die Förderung von Investitionen für die Unterbringung stehe aber noch nicht fest, so der Bürgermeister.

Kontakt: Balver, die Hilfsangebote bei der Stadt angeben wollen, können sich melden per E-Mail an buergermeldungen@balve.de.

Auch interessant

Kommentare