Flatterband und Baustellenleuchten beim Jugendgottesdienst

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Die „Baustelle Kirche“ stand im Mittelpunkt des außergewöhnlichen Gottesdienstes.

Langenholthausen - Ist das die katholische Kirche von morgen? Kein Sitzplatz mehr frei, Jung und Alt vereint in einem Gotteshaus, Lieder zum Mitsingen aus der Sakropop-Abteilung und ganz viele junge Leute, die die Liturgie mitgestalten.

Christoph Hammer leitete die Jugendmesse in St. Johannes.

Dieses Bild bot sich in der sonnendurchfluteten Kirche St. Johannes in Langenholthausen während des Jugendgottesdienstes am Sonntag. Doch Beifall gab es am Ende auch von älteren Menschen, denen diese Form der Messe sichtlich gut gefallen hatte. Ein schönes Bild in einer Zeit, in der sich viele Kirchengemeinden Gedanken um ihre Zukunft machen und sich händeringend fragen, wie die jungen Leute in die Kirchen zu kriegen sind.

Ganz alltäglich war dieser Gottesdienst nicht: Zu Gast war Dekanatsjugendseelsorger Pater Christoph Hammer vom Jugendhof in Olpe, der die richtigen Worte fand und nebenbei die dazugehörige Liturgie einer katholischen Messe abarbeitete. Aber auch dabei muss es nicht immer streng zugehen: „Wir haben noch ein Kyrie – sehe ich gerade“, hielt er liturgisch Kurs. Seine Predigt nahm die eindrucksvollen Bilder von der Baustelle Kirche auf, die mit Flatterband, Absperrgittern und Baustellenleuchten rund um den Altar inszeniert wurde. Die Zeit des schlüsselfertigen Bauens sei vorbei, stellte er fest – geliefert werde ein Rohbau in Gestalt der heiligen Sakramente. Wie das fertige Haus dann letztlich aussehe, hänge von den Eigenleistungen eines jeden Einzelnen ab.

Jugendliche hatten ein kleines Anspiel vorbereitet, mit dem sie ihre Sicht auf den Renovierungsbedarf und die „Baustelle Kirche“ darlegten. Sie ließen einen Abrissunternehmer davon schwafeln, dass der Job, eine Kirche abzureißen, ein Job wie jeder andere sei. Ein Finanzprüfer gab den Sparkommissar: „Die Streichungen in der Kirche waren überfällig. Die Kirchen müssen endlich ökonomisch denken.“ Aber ist die Kirche wirklich so etwas wie eine Firma, die Konkurs anmelden muss, wenn die Nachfrage sinkt? Oder muss das Angebot überprüft und gegebenenfalls verändert werden? „Ich wünsche mir mehr zeitgemäße Offenheit“ war eine klare Ansage, und eine der Jugendlichen fragte nach: „Wie soll ich meinen Glauben leben, wenn es in meiner Kirche keinen Platz mehr dafür gibt?“

Es scheint, als biete die strukturelle Schwäche der katholischen Amtskirche immer mehr Möglichkeiten zur Mitwirkung und zur Schaffung einer Kirche der Gläubigen. „Was möchtest du mitnehmen in dein Glaubenshaus?“, fragte Pater Christoph Hammer und führte aus, worum es geht: Angebote prüfen, auswählen, mitgestalten. Das ist in einer Kirche, in der ohne die fleißigen ehrenamtlichen Frauen schon lange nichts mehr liefe, nichts Neues. Aber in Langenholthausen bringt die so schön inszenierte „Baustelle Kirche“ derzeit offenbar viele zusammen, denen es ein Anliegen ist, gemeinsam eine Zukunft mit Kirche und Religion zu gestalten.

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