Achtes German Kultrock

Vielseitiges Programm der Tropfsteinhöhle in Balve

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Die Balver Höhle überzeugt jedes Jahr aufs Neue mit einer beeindruckenden Atmosphäre

Balve - Ein sehr gutes German-Kultrock-Festival erlebten die Zuschauer in der ausverkauften Balver Höhle am Samstag. Das Programm war außerordentlich vielseitig und reichte von Reggae-angehauchtem Pop über progressivem Rock bis hin zu Hardrock.

„Komm, lass uns mal rausgehen. Draußen regnet es wenigstens nicht“, sagte ein Zuschauer zu seinem Kumpel nach dem Auftritt von Ohrenfeindt. Europas größte Kulturhöhe präsentierte sich am Wochenende nämlich als Tropfsteinhöhle, während es unter freiem Himmel nach zweieinhalb Tagen Dauerregen endlich wieder trocken war.

Das Festival hatte Stunden vorher mit Teelex begonnen. Die Wuppertaler – von Haus aus eine Cover-Band – boten mit Jörg Tausch und Daniel Krämer zwei gleichwertig-gute Sänger und rissen mit ihren eigenen Songs das Publikum sofort mit: ein hervorragender Auftakt, der Lust auf mehr machte.

Es folgten mit Crystal Breed alte Bekannte des German-Kultrock-Festivals. Die Hannoveraner spielten mit dem Song „Memories“ sogar eine Weltpremiere. Das Stück hatten die Progressive-Rock-Virtuosen noch nie vor Publikum aufgeführt.

Mit ausladend langen Instrumentalpassagen und immer wieder Tempi- sowie Stimmungswechseln in ihren Liedern begeisterten sie die Fans im Felsendom – zu Recht. Besonders beeindruckend war der 20-Minuten-Song „The Castle“, den Gitarrist Niklas Turmann als „Rock-Drama in fünf Akten“ ankündigte.

Die Alben von AC/DC hatten die Musiker von Ohrenfeindt offensichtlich sehr genau angehört. Mit ihrem kompromisslosen, lauten Hardrock überzeugte das Trio aus St. Pauli die Fans. Zwar kamen die Hau-Drauf-Stücke auf Dauer etwas holzschnittartig daher, die drei auf der Bühne wurden dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – frenetisch gefeiert. Die Texte mit Zeilen wie „Ich heul’ den Mond an für Dich“ und „Auf die Fresse gibt’s umsonst – den Rest musst Du bezahlen“ sangen die Zuschauer begeistert mit.

Balve erlebt vielseitiges Festival

Die Stammgäste des German Kultrock – Peter Pankas Jane – boten erneut eine überzeugende Leistung. Gitarrist und Festival-Mitorganisator Klaus Walz beruhigte die Zuschauer: Dem an Leukämie erkrankten Bassisten Charly Maucher gehe es langsam wieder besser. An diesem Abend wurde er mehr als würdig vertreten von Bernie Kolbe, der sonst bei Epitaph in die vier Saiten greift.

Zwei Crystal-Breed-Mitglieder – Niklas Turmann an den sechs Saiten und Corvin Bahn an den schwarzen und weißen Tasten – komplettieren das Line Up von Peter Pankas Jane nun schon seit einigen Jahren. Keyboarder Bahn durfte den Fans sogar einen eigenen Song präsentieren und wurde dafür von den Zuschauern in der Höhle auch gefeiert.

In den Konzertpausen spielten Aphodyl im hinteren Höhlenarm. Diese Neuheit vom Vorjahres-Festival – vor gut zwölf Monaten spielten dort übrigens ebenfalls die Berliner – kam wieder sehr gut an. Der anspruchsvolle progressive Metal der Drei-Mann-eine-Frau-Band, die sich nach einer Heilpflanze benannt hat, erhielt reichlich Applaus.

Zum Schluss des Festivals spielten John Watts und Fischer Z. Die 1977 gegründete Kult-Combo aus Großbritannien bot zunächst neuere Stücke – teils vom neuen Album „Building Bridges“ – und damit Reggae-infizierte Popmusik.

Die New-Wave-Hits der Truppe, die aus den 80er-Jahren stammen, brachten die Fans bei den Zugaben zum Tanzen, Klatschen und Mitsingen. Klassiker wie „Marliese“, „Room Service“, „The Worker“ und vor allem das reduziert dargebotene und somit eine düster-bedrückende Stimmung verströmende „Berlin“ rissen die Zuschauer mit.

Im kommenden Jahr findet das German-Kultrock-Festival ungewohnt spät statt: Erst am Samstag, 8. September, werden – neben Peter Pankas Jane – folgende Bands in der Höhle auftreten: Electric Swan, Guru Guru, Long Distance Calling und als Top-Act Pain of Salvation.

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