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Felssicherungsarbeiten stoßen bei Naturschützern auf massive Kritik

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Von: Julius Kolossa

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Die Arbeiten im Gestein überdecken das gesamte Umfeld mit grauem Staub. Nach dem Verfüllen der Löcher mit Spritzbeton wird ein Fangzaun aufgebaut, der die Hönnetalbahn vor Steinschlag schützen soll.
Die Arbeiten im Gestein überdecken das gesamte Umfeld mit grauem Staub. Nach dem Verfüllen der Löcher mit Spritzbeton wird ein Fangzaun aufgebaut, der die Hönnetalbahn vor Steinschlag schützen soll. © Julius Kolossa

Felssicherungsarbeiten, die eine Zugstrecke im Märkischen Kreis vor Steinschlag schützen sollen, stoßen bei Naturschützern auf Kritik. Auch der Märkische Kreis hat sich eingeschaltet. Archäologen sehen dagegen keinen Anlass etwas zu bemängeln.

Balve ‒ Der Wald ist ein Abenteuerland für Kinder, die die Natur entdecken, und Lebensraum für all das, was dort lebt. Rund um die Feldhofhöhle ist seit vergangener Woche nichts davon zu spüren. Grauer Staub liegt auf den Wegen, den Pflanzen, Sträuchern und Bäumen, seitdem von einem Fachunternehmen ins Gestein gebohrt wird, um Fels- und Hangsicherungsarbeiten mit Spritzbeton und grob- und feinmaschigem Fangzaun vorzunehmen.

Deswegen fährt noch bis Freitag, 29. April, kein Zug zwischen Neuenrade und Menden – und deswegen ist Andreas Kolarik, Vorsitzender vom Naturhistorischen Verein Hönnetal, betroffen. Im Gespräch mit der Redaktion sagte er vor der Feldhofhöhle: „Ich bin entsetzt über dieses Ausmaß an Zerstörung im aus Naturschutzsicht empfindlichsten und schützenswertesten Bereich des Hönnetals.“

Immerhin sei ab April die Zeit, in der die Naturschutzmaßnahmen für Bodenbrüter und andere Tiere greifen würden. Kolarik: „Es darf keine Hecke mehr geschnitten werden – und hier wird massiv in die Natur eingegriffen.“ Er wies daraufhin, dass diese Maßnahmen vom Eisenbahnbundesamt in Berlin genehmigt seien. „Somit sind die lokalen und regionalen Behörden außen vor.“

Kolarik zu den damit einhergehenden Auswirkungen: „Bodenbrüter wird es in diesem Bereich nicht mehr geben, Schnecken und Lurche werden durch die Mengen an Bohrstaub aus Kalk ausgetrocknet. Die Höhlenbewohner wurden bei einer biologischen Bewertung vollkommen ignoriert, einzig Fledermäuse wurden einbezogen.“ Diese Sicherungsmaßnahmen würden über das erforderliche Maß hinaus gehen. „110 Jahre fährt die Hönnetalbahn, und bislang ist nichts passiert.“ Wieso auf diese Weise in den schützenswerten Bereich eingegriffen werden muss, ist ihm ein Rätsel. Denn bei den Bohrarbeiten entstehen viel Lärm und sehr viel Staub. Darüber hinaus, so Kolarik, würden die Höhlen beeinträchtigt. „Unter der Feldhofhöhle gibt es sehr viele Hohlräume, deren Dächer Kalkblöcke sind. Und in diese wird gebohrt, und auf diesen Kalkblöcken stehen die schweren Baumaschinen.“

Prof. Dr. Michael Baales von der LWL-Archäologie und Andreas Kolarik (rechts), Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins, sind nicht einer Meinung.
Prof. Dr. Michael Baales von der LWL-Archäologie und Andreas Kolarik (rechts), Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins, sind nicht einer Meinung. © Julius Kolossa

Diese Bedenken nimmt Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie zur Kenntnis. Er war über die Arbeiten an der Feldhofhöhle und damit eventuell einhergehende schwere Schäden informiert worden. Sein Eindruck: „Hier wird die seit fünf Jahren geplante Fläche im Rahmen dieser Planungen genau bearbeitet.“ Der LWL sei seit 2017 als Träger öffentlicher Belange über diese Sicherungsmaßnahmen informiert worden und habe sich auch beteiligt. „Wir haben dabei auf die in diesem Bereich vorhandenen Hohlräume und die großen Höhlen Friedrichshöhle, Feldhofhöhle und Tunnelhöhle hingewiesen, wenn die Sicherungsanker angebracht werden“, sah Prof. Baales keinen Grund, den bisherigen Verlauf der Arbeiten zu beanstanden. Die Arbeiten würden ordnungsgemäß ablaufen.

Mittlerweile hat sich auch der Märkische Kreis eingeschaltet. Dessen Pressesprecherin Ursula Erkens gab folgende Erklärung ab: „Die Baumaßnahmen in Balve im Bereich des Binoler Tunnels sind zum Schutz des Eisenbahnbetriebes vor Steinschlag erforderlich. Entlang eines 130 Meter langen Abschnitts der Bahnstrecke Menden-Neuenrade sind im Bereich des Hönnetals Fels- und Hangsicherungsarbeiten vorgesehen, die mit Plangenehmigungsbescheid vom 9. August 2021 durch das Eisenbahnbundesamt bewilligt worden sind.“

Weiter führte Erkens aus: „Seitens der Unteren Naturschutzbehörde als Beteiligte in dem Plangenehmigungsverfahren wurden Nebenbestimmungen zur Sicherung der Belange von Natur und Landschaft eingebracht. Aufgrund der Hinweise aus der Bevölkerung über die derzeit stattfindenden Bautätigkeiten wurde die Örtlichkeit durch Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde aufgesucht. Es wurde festgestellt, dass die Belange von Natur und Landschaft bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen nicht ausreichend berücksichtigt wurden.“

Die Untere Naturschutzbehörde habe das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde und Vertreter des Vorhabenträgers umgehend über die Abweichungen von den Bestimmungen der Zulassungsentscheidung informiert und die Behebung der Missstände durch die ökologische Baubegleitung veranlasst, teilte Erkens mit. „Es wird erwartet, dass eine über den genehmigten Eingriffsbereich hinausgehende Flächeninanspruchnahme im Sinne der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung berücksichtigt wird“, erklärte sie abschließend.

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