Exklusives Konzert

Fantas in der Balver Höhle mit Schalk im Nacken

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Auf diese besondere Kulisse wollten die Fantas auch beim diesjährigen Auftritt für den Musiksender MTV nicht verzichten. In der Höhle lieferten sie eine grandiose Show ab.

BALVE ▪ „Mensch, die ganze Zeit sitzen bleiben“, stöhnte ein Fan nach der Generalprobe für das Konzert der Fantastischen Vier in der Balver Höhle, „das ist echt eine Qual.“ Doch fast hätten sie es alle geschafft. Nur bei einem Song hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen.

Von Michael Koll

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Das war beim Song „Troy“. Das englische Wort für Troja wird ausgesprochen wie das deutsche „treu“. Mit diesem Wortspiel haben die Fantas dieses Lied den Fans gewidmet – die ihnen eben treu sind. Nach der Hälfte des Stückes riss es die Zuschauer in der Balver Höhle also von den Sitzen – und sie sangen „troy, so treu“ auch noch Minuten nachdem die Musik aufgehört hatte zu spielen.

So endete ein denkwürdiger Abend, der zwei Stunden zuvor begonnen hatte. Die Fantastischen Vier sind die einzige Band, die der Bezahl-TV-Sender MTV jemals ein zweites Mal in seine Sendereihe „unplugged“ eingeladen hat. So kehrten die vier Rapper nach zwölf Jahren in die Höhle zurück – und das gleich zwei Mal: Am Dienstag zur Generalprobe und am Mittwoch zum eigentlichen Konzert.

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Die Fantastischen Vier unplugged in der Balver Höhle

Smudo kam zu einer kurzen Begrüßung auf die Bühne und äußerte einen kleinen Wunsch. Dem entsprachen die Sauerländer nur allzu gerne: Deshalb betrat das Quartett Augenblicke später die Bühne zum ersten Lied des Abends, während die Fans „Zugabe, Zugabe“ riefen. „Damit schließen wir nahtlos an das Konzert von vor zwölf Jahren an“, erklärte Smudo.

In der Tat: So umjubelt, wie sie seinerzeit von der Bühne gingen, so herzlich wurden sie dieses Mal auch wieder aufgenommen. Beim dritten Stück des Abends „Danke“ tobte die Höhle bereits. Nur ein Stück später wurde dann auch dem letzten Fan klar: „Die sind ja auch bloß Menschen.“ Michi Beck bekam begeisterte Pfiffe und tosenden Szenenapplaus, als ihm im dritten Anlauf endlich die erste Strophe von „Dann mach doch mal“ einfiel. Ausgerechnet die Zeile „Was machen solche Halbgötter eigentlich privat?“ bereitete ihm Schwierigkeiten. Nein, Rap-Halbgötter sind Michi und seine drei Freunde ganz und gar nicht.

Da hatten sie nach 20 Minuten die Herzen der Fans erobert. Der brillante Sound in der schwierigen Konzert-Umgebung, der jedes Wort der Texte verstehen ließ, half dabei ebenso wie das unbekümmerte Auftreten der Band. Selbst die Armee von 30 Musikern im Rücken der Fantas sorgte nicht für einen Klangbrei.

Da machten dann ein paar Hundert mehr auch nichts mehr aus. Die Fans waren per Aufdruck auf den Eintrittskarten und durch das Internet aufgerufen worden, komplett in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Beinahe alle waren dem gefolgt. So machte das Quartett sie kurzerhand zum „größten Gospelchor des Sauerlands“. Auf den Sitzen waren weiße Kragen ausgelegt, die die schwarz gewandeten Zuschauer in klerikale Sänger verwandelten. So huldigen sie ihrem „Reverend Smudo“. Thomas D staunte, rief dem Publikum zu: „Ihr seht Hammer aus.“

Die vier auf der Bühne wirkten, als würden sie ein Programm, welches sie seit Ewigkeiten routiniert abspielen, auf einer privaten Geburtstags-Garten-Party noch einmal zum Besten geben. Dabei war das hier eine Premiere, geprägt von Lampenfieber, wie die Fantas jedenfalls nicht aufhörten zu betonen.

Jedoch hing den Deutsch-Rappern nicht nur ein Schalk im Nacken an diesem Abend. Immer wieder scherzten sie, verstellten etwa die Stimmen, um Fans zu imitieren, die sich nach dem Auftritt darüber unterhalten, wie schlecht das Konzert doch gewesen sei. „Ja, so hört sich das an, in unseren Köpfen“, behauptete Thomas D. Solche Ausflüge in Albernheiten nahmen aber keine Überhand. Als D wieder einmal Unsinn erzählte, brachte ihn Smudo abrupt mit einem Schrei „Ruhe jetzt“ zum Schweigen.

Beim ersten Unplugged-Konzert vor zwölf Jahren hatten die Fantas mit einer Kettensäge als Instrument überrascht. Jetzt bauten sie eine Sitar ins Geschehen ein. ebenso wie ein ominöses Instrument names Therapietisch. Darauf spielte der ruhige And Ypsilon. Sein Solo – das Instrumental „Mission Ypsilon“ – brachte auch ihm den verdienten großen Augenblick.

Smudo kündigte an, dass das Album „Unplugged 2“ später auch auf Vinyl erscheinen wird. Deshalb musste mitten im Auftritt für die Analogaufnahme gewechselt werden. Der einzige des Vierers, der in diesem Moment auf der Bühne blieb, war Ypsilon. Er ließ sich einfach vor den Augen der Fans noch einmal im Gesicht pudern. Eine kleine Szene, die wie so viele andere während dieses Konzertes bewies, dass hier vier ganz normale Jungs auf der Bühne stehen. Die Fans wussten das zu schätzen und bejubeln so auch die Kosmetiker, die Ypsilon für die zweite Hälfte bereit machte.

Musikalisch überraschten die Fantas bei einigen Stücken. So kam nach der Pause ein Gitarrist in den Bühnenvordergrund. Er spielte ein Solo wie Paco de Lucia. Der spanische Groove wollte so gar nicht zum Rap passen. Und doch schälte sich aus diesen Klängen das Stück „Was wollen wir noch mehr“.

Ebenso erfrischend anders klang ganz zum Schluss auch der Hit dieses zweiten Balver Fanta-Auftritts: Ein Piano hämmerte im Latino-Pop-Rhythmus. Samba-Rasseln brachten die Karneval-in-Rio-Session zur Vollendung. Dann, unter dem Jubel der Fans, wurde daraus der Song „Populär“. Genau das sind die Fantas – zu Recht.

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