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Es wird kälter im Rathaus: So will die Stadt Balve Energie einsparen

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Von: Julius Kolossa

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Über Balkonkraftwerke, kleine Photovoltaikanlagen für den eigenen Garten, können Balver ihren Strom erzeugen und bei der Anschaffung von einer städtischen Förderung profitieren. Gisbert Sprenger senior (links) und junior aus Eisborn haben diese Möglichkeit gerne in Anspruch genommen.
Über Balkonkraftwerke, kleine Photovoltaikanlagen für den eigenen Garten, können Balver ihren Strom erzeugen und bei der Anschaffung von einer städtischen Förderung profitieren. Gisbert Sprenger senior (links) und junior aus Eisborn haben diese Möglichkeit gerne in Anspruch genommen. © Kolossa, Julius

Strom in Zeiten der explodierenden Energiepreise mit dem eigenen Balkonkraftwerk erzeugen und bei der Anschaffung noch von einer Förderung profitieren: Von dieser Möglichkeit machten bislang 32 Haushalte im Stadtgebiet Gebrauch.

Nach einem Ratsbeschluss vom Mai 2021, fördert die stadteigener Balver Vertriebsgesellschaft für Strom und Gas jährlich die Anschaffung von maximal 50 Balkonkraftwerken mit jeweils 100 Euro. Ausgeschöpft wurde der Fördertopf damit also bislang nicht. Hans-Jürgen Karthaus, Geschäftsführer der Balver Vertriebsgesellschaft, spricht trotzdem von „einer großen Nachfrage“. Denn mit den steigenden Energiepreisen wachse auch das Interesse an Informationen nach dieser Förderung praktisch stetig. War im Februar die Förderung an 19 Haushalte ausgezahlt, sind es nun immerhin schon 32.

„Wir bemühen uns um einen relativ unbürokratischen Ablauf“, so Karthaus. Bestätigen kann dies Gisbert Sprenger junior aus Eisborn. Vor einem Jahr entschied er sich für die Anschaffung eines Balkonkraftwerks als mittel- bis langfristige Geldanlage. „Bisher wurden etwa 550 Kilowattstunden an Strom produziert“, zieht er eine erste Bilanz. „Etwa 150 Euro an Stromkosten habe ich dadurch gespart.“ Die Menge an produziertem Strom reiche aus für den Hausgebrauch mit Fernseher, Kühlschrank oder Laptop.

Nachträgliche Förderung ist nicht möglich

Er informierte die Stadt Balve vorab darüber, dass die etwa 800 Euro teure Anlage mit einer Leistung von 330 Watt angeschafft werden soll. „Und dann kam der 100-Euro-Zuschuss.“ Dies ist der Ablauf, zu dem Karthaus erklärend hinzufügt: „Vor dem Kauf und der Installation muss diese Solaranlage bei der Stadt angezeigt werden – ansonsten ist keine Förderung mehr möglich.“

Also: Wer bereits eine solche Mini-Solaranlage angeschafft hat, der geht leer aus. Insgesamt 50 Balkon-Photovoltaikanlagen können jährlich gefördert werden. Ist diese Summe aufgebraucht, entscheidet der Rat der Stadt über eine mögliche Aufstockung.

Wassertemperatur im Hallenbad abgesenkt

Parallel laufen in der Verwaltung Überlegungen, wie und wo in städtischen Gebäuden möglichst viel an Energie eingespart werden kann. „Wir haben bereits die Temperatur für den Warmwasserbadetag donnerstags im Hallenbad auf 29 Grad gesenkt“, sagt Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. „Vorher lag die Wassertemperatur bei über 30 Grad. Und dafür musste unser Hallenbad bereits am Dienstag angeheizt werden.“ Was diese Maßnahme an Heizkosten einspart, kann Bathe bislang noch nicht konkret beziffern.

Der Allgemeine Vertreter des Bürgermeister verspricht aber: „Nach den Sommerferien werden wir in den Ausschüssen das Thema Energiekosteneinsparungen auf die Tagesordnung setzen.“ Bisher sei geplant, im Rathaus die Raumtemperatur zu senken. „Das Licht geht bereits mit Bewegungsmeldern an“, so Bathe. Außerdem sollen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der städtischen Gebäude installiert werden, wo dies möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, und die Installation von Windenergieanlagen soll mit der Ausweisung weiterer dafür vorgesehener Vorrangzonen Fahrt aufnehmen. Um welche Flächen es sich handelt, wollte Bathe auf Nachfrage allerdings noch nicht sagen. Bekannt ist bereits, dass Investor SL Naturenergie im westlichen Bereich des Balver Waldes bei Leveringhausen drei mehr als 200 Meter hohe Windräder errichten möchte. Auch über die teilweise nächtliche Abschaltung der Straßenbeleuchtung in einigen Stadtteilen solle laut Bathe diskutiert werden.

Gas-Preis: Neukunden müssen knapp 70 Prozent mehr zahlen

Die Strom- und Gaskunden der Balver Stadtwerke sind bislang noch nicht von Preiserhöhungen betroffen. Hans-Jürgen Karthaus erklärt: „Unseren Bestandskunden bieten wir eine Preisgarantie bis zum 31. Dezember 2022 an.“ Dann dürften aber auch für sie die Preise steigen. Neukunden allerdings müssen bereits tiefer in die Tasche greifen. „Ab dem 1. August kostet die Kilowattstunde Gas 21,75 Cent, für Strom sind je Kilowattstunde dann 58,25 Cent fällig“, beschreibt Karthaus die Preisentwicklung. „Zum Vergleich: bis dahin kostet Gas noch 12,95 Cent, Strom 41,95 Cent.“ Der Grundpreis von jeweils 14,90 Euro im Monat bleibe unverändert. Er weiß, dass die Preissteigerungen um 68 Prozent beim Gas und 38,8 Prozent beim Strom hoch sind und versucht die Preisexplosion zu erklären: „Wir müssen tagesaktuell kalkulieren – wenn allerdings an der Börse eine Entspannung der Energiepreise eintreten sollte, würden wir auch Einsparungen an unsere Kunden weitergeben.“

Wer ab August einen Vertrag bei den Balver Stadtwerken abschließt, der habe eine Preisgarantie bis zum 31. Dezember 2023. Aktuell sind um die 1000 Kunden registriert, die mit Gas und Strom beliefert werden. „Der Anteil an Stromkunden ist höher, weil wir nicht überall Gasleitungen, so in Mellen und in Eisborn, liegen haben.“ Hier werde noch mit Öl, Pellets und Biomasse geheizt.

Bundesnetzagentur verantwortlich

Karthaus kann nicht abschätzen, wie stark die Verbraucher in einem eventuell kalten Winter mit möglicherweise weiter steigenden Energiepreisen rechnen müssen. Hierfür sei die Bundesnetzagentur als für die Energieversorgung in Deutschland zuständige Behörde verantwortlich. Wie allerdings die dann gültige Rechtsverordnung aussehen wird, bleibe abzuwarten. „Unser Ziel ist es, weiterhin unsere Privatkunden zu versorgen, denn sie sind nach Rechtsverordnung sogenannte geschützte Kunden.“

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