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„Es wird immer wärmer“: Waldbesitzer kämpfen mit vielen Problemen

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Von: Julius Kolossa

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Im Wald ist der Klimawandel längst angekommen. Aufgrund der Trockenheit und auch der Borkenkäferplage sterben immer mehr Bäume ab.
Im Wald ist der Klimawandel längst angekommen. Aufgrund der Trockenheit und auch der Borkenkäferplage sterben immer mehr Bäume ab. © Eberth, Carolin

Trockenheit, Stürme und Borkenkäferkalamität: Auch das vergangene Jahr hat die heimischen Waldbesitzer wieder viele Nerven und vor allem auch viel Geld gekostet.

Revierförster Richard Nikodem fasste während der Jahreshauptversammlung der Forstbezirksgemeinschaft (FBG) Balve am Dienstagabend im Haus Syré zusammen: „Es wird immer wärmer, und es fehlt der Niederschlag. Es gilt, dass wir uns auf den Klimawandel als Dauerphänomen einstellen.“

Damit habe man bereits seit dem vergangenen Jahr verstärkt begonnen. „Nachdem im Wald 2019 nur 2,97 Hektar und 2020 weitere 2,75 Hektar neue Baumarten auf den Brachflächen gesetzt wurden und uns in beiden Jahren die Käferholz-Ernte in Anspruch nahm, ging es im vergangenen Jahr endlich mit großen Schritten mit der Neuanpflanzung auf den Brachflächen voran. 16,95 Hektar wurden gesetzt.“ Der Nachholbedarf sei riesig. „In unserer FBG sind 430 Hektar an Borkenkäferbrachen auf 230 Einzelflächen verzeichnet. Diese gehören 74 von 133 Waldbesitzern“, so Nikodem weiter.

Wald zukunftssicher aufstellen

Die große Aufgabe sei es jetzt, diese Waldflächen zukunftssicher aufzustellen. „Zur Risikominimierung, dass nicht alle neu angepflanzten Baumarten eingehen, werden Mischbestände standortgerecht verteilt“, sagte dazu Samuel Schröder, Forstinspektoranwärter. „In NRW sind 23 Kombinationen aus vier Baumarten für die jeweiligen Standorte entwickelt worden.“ Gefördert werden diese Neuanpflanzungen, die bis zu 20 000 Euro je Hektar kosten können, vom Land mit 10 000 Euro je Hektar.

Forstinspektoranwärter Samuel Schröder (links) und Förster Richard Nikodem informierten die heimischen Waldbesitzer.
Forstinspektoranwärter Samuel Schröder (links) und Förster Richard Nikodem informierten die heimischen Waldbesitzer. © Kolossa, Julius

Eine weitere Herausforderung für die heimische Forstbetriebsgemeinschaft ist die Instandsetzung der Waldwege. Durch schwere Maschinen und Lastwagen, die das Borkenkäferholz aus dem Wald transportieren, sowie durch den Starkregen im vergangenen Jahr sind die Wege stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 1,4 Millionen Euro dürfte die Instandsetzung dieser Wege kosten, schätzt Förster Nikodem. Auch hierfür stellt das Land Fördergelder bereit, die über die Kommunen abgerufen werden können. Doch so lange will die FBG nicht warten. Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder am Dienstagabend deshalb den Antrag des Vorsitzenden Hubertus Priggel, jährlich bis zu 7000 Euro für die nötigsten Maßnahmen aus der eigenen Kasse zur Verfügung zu stellen.

Der Holzmarkt stabilisiert sich

Zufriedener dürfen die Waldbauern mit ihren Erträgen sein, denn die Holzpreise seien, so Nikodem, seit Herbst wieder auf Vor-Käfer-Niveau. Etwa 100 Euro gibt es jetzt für den Festmeter als Stammholz (vorher waren es teilweise nur 20 Euro), 40 bis 50 Euro je Festmeter für Holz, das als Industrie- und Brennholz genutzt wird. „Vorher lag der Preis unter zehn Euro.“ Der Holzmarkt habe sich wieder stabilisiert, außerdem spiele die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise eine Rolle. Die Brennholznachfrage sei stark gestiegen, ebenso der Preis für Pellets. Julia Bönning, stellvertretende Forstamtsleiterin vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland, sprach von einer Preissteigerung von mehr als 50 Prozent in einem Jahr.

Und auch das soll im Balver Wald demnächst ermöglicht werden: „Laut Koalitionsvertrag der NRW-Landesregierung soll die Windenergie im Wald mehr Fläche bekommen“, berichtete Richard Nikodem. Hier bleibe aber zunächst die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten. Aber der Förster war schon jetzt bemüht, das Vorhaben von der pragmatischen Seite zu sehen: „Neben Windenergieanlagen können weiterhin Bäume wachsen.“

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