1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

„Es war schon immer ein Traum“: Pfarrer Schulte blickt auf seine Zeit als Schützenkönig zurück

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Der Höhleneinzug: Pfarrer Andreas Schulte (Mitte) als frischgebackener Balver Schützenkönig am Festmontag 2019. Knapp drei Jahre später ist er noch immer im Amt.
Der Höhleneinzug: Pfarrer Andreas Schulte (Mitte) als frischgebackener Balver Schützenkönig am Festmontag 2019. Knapp drei Jahre später ist er noch immer im Amt. © Kolossa, Julius

Am 22. Juli 2019 schrieb Andreas Schulte Geschichte. Als Pfarrer krönte er sich zum Schützenkönig der Bruderschaft St. Sebastian und sorgte damit für Aufsehen weit über Balve hinaus. Coronabedingt dauert seine Amtszeit mittlerweile drei Jahre, am nächsten Montag endet sie dann.

Dechant Pfarrer Andreas Schulte ist seit 2019 der König der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft in Balve. Nachdem Corona 2020 und 2021 ein Festwochenende jeweils verhindert, kann er sich in diesem Jahr den Balvern nun vom 16. bis 18. Juli nochmals als Schützenkönig präsentieren, ehe seine Amtszeit endet. Zur Seite steht ihm dabei der „himmlische Hofstaat“, bestehend aus Mitgliedern des Netzwerksteams und des Kirchenvorstands der Gemeinde St. Blasius.

Nach seinem Ehrenschuss auf den Vogel am Montag, 18. Juli, endet die Königsherrschaft von Pfarrer Schulte, der damit Geschichte in Balve und weit über die Grenzen der Hönnestadt hinaus geschrieben hat. Ein Geistlicher als Schützenkönig, das gibt es nicht alle Tage. 2019 gratulierte auch das Erzbistum Paderborn. Julius Kolossa sprach mit Dechant Pfarrer Andreas Schulte über die drei Jahre als Schützenkönig.

Pfarrer Schulte, wie haben Sie sich ihre Regentschaft am Schützenfest-Montag des Jahres 2019 vorgestellt?

Damals konnte ich gar nicht groß nachdenken. Der Tag verlief wie im Film. In Erinnerung ist mir, dass es zahlreiche Gratulanten gab. Dankbar bin ich dafür, dass der „himmlische Hofstaat“ und der Vorstand der Schützenbruderschaft St. Sebastian Balve mir das Königsein ermöglicht haben. Es ist ja nicht alltäglich, dass der Pfarrer den Vogel abschießt. Aber ich meine, dass das geht. Denn ich bin in erster Linie als Mensch zu den Menschen gesandt.

Was haben Sie als Schützenkönig alles erlebt?

Ich denke gerne zurück an das Bundesschützenfest in Medebach. Es gab die eine oder andere Hofstaat-Fete. In den Jahren 2020 und 2021 wurde ein Alternativprogramm entwickelt, weil das gewohnte Schützenfest nicht durchgeführt werden konnte. Hier erinnere ich mich an die Ständchen am Seniorenhaus St. Johannes und die Benefizaktionen wie das Waffelbacken auf dem Drostenplatz. Die Messfeiern in der Höhle waren auch beeindruckend. Ebenfalls in guter Erinnerung ist mir geblieben, dass mich der Jägerverein Neheim zum ökumenischen Gottesdienst im Rahmen seines ausgefallenen Festes in die St.-Johannes-Kirche als Prediger eingeladen hatte. Dort hatte ich als gebürtiger Neheimer mal wieder ein „Heimspiel“.

Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Besonders gut gefallen hat mir der Zusammenhalt des Hofstaates. Es ist ja ungewöhnlich, dass man drei Jahre zusammenbleibt. Gut getan hat mir auch, dass die meisten mir die Königswürde gegönnt und sich mit mir gefreut haben.

Sie waren bereits vor 2019 als Schützenkönigsanwärter in Balve in Erscheinung getreten – wie sehr war es Ihnen ein Anliegen, den Vogel abzuschießen?

Wir haben in Neheim auf der Apothekerstraße gewohnt. Da wurden vor und hinter dem Haus zum Schützen- beziehungsweise Jägerfest Karussells aufgebaut. Die Festzüge gingen vor unserem Wohnzimmer vorbei. Das fand ich faszinierend. Auch gehörte der Gang zur Vogelstange dazu. Von daher war es schon immer ein Traum von mir, mal den letzten Rest des Vogels abzuschießen. Ich gebe zu, in den Jahren, wo es nicht funktioniert hat, war ich auch das ein oder andere Mal enttäuscht. Aber so ist es bei einem fairen Wettkampf nun einmal.

Der Jubel nach dem Königsschuss: Pfarrer Andreas Schulte ist seit dem 22. Juli Schützenkönig der Bruderschaft St. Sebastian Balve.
Der Jubel nach dem Königsschuss: Pfarrer Andreas Schulte ist seit dem 22. Juli Schützenkönig der Bruderschaft St. Sebastian Balve. © Kolossa, Julius

Sie waren und sind nicht nur Schützenkönig, sondern darüber hinaus immer noch Pfarrer, und seit dem vergangenen Jahr auch Dechant im Dekanat Märkisches Sauerland. Wie haben Sie diese verschiedenen Aufgaben bewältigen können?

Die Aufgaben sind ja nach und nach dazugekommen. Einige Termine, die ich als König hatte, hätte ich auch als Präses gehabt. Im Pastoralverbund steht mir in der Person von Markus Hablowetz ein Verwaltungsleiter zur Seite. Außerdem haben mich die Mitglieder des Hauptamtlichenteams unterstützt. Danke dafür. Durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie war ja auch das Gemeindeleben und die Arbeit auf Dekanatsebene nur sehr eingeschränkt möglich. Es gab zahlreiche Videokonferenzen.

Gab es auch Momente, in denen Sie es bereut haben, Schützenkönig geworden zu sein?

Ich habe es überhaupt nicht bereut. Traurig bin ich nur, dass einige, die mir gesagt haben, sie würden am Schützenfest-Sonntag nach Balve kommen und beim Umzug an der Straße stehen, inzwischen nicht mehr leben, weil seit dem Königsschuss nun coronabedingt drei Jahre vergangen sind.

Jetzt geben Sie bald die Königskette ab, bleiben aber im Club der Könige. Welche Motive haben Sie sich für ihren Königsorden ausgesucht?

Ich hatte die Königskette schon sehr früh fertig. Auf der Vorderseite ist das Balver Pfarrsiegel graviert und – am vergangenen Dienstag aktuell geändert – die Inschrift „König 2019-2022 Präses Andreas Schulte“. Auf der Rückseite steht mein Primiz-Spruch von der Priesterweihe: „Vertrau auf Gott, er wird dir helfen, hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen.“

Welche Ratschläge haben Sie für alle Anwärter, die am Montag auf den Vogel schießen?

Ich kann nur jeden Schützenbruder ermutigen, sich um die Königswürde zu bewerben. Es ist eine sehr schöne Erfahrung und einen König zu haben, davon lebt nun mal ein Schützenfest.

Musikalische Einstimmung fällt in diesem Jahr aus

Der traditionelle Schützenfeststart in Balve mit der „Musikalischen Einstimmung aufs Schützenfest“ am Freitagabend findet 2022 nicht statt. „Wegen der Neugestaltung der Außenanlage unseres Musikheims steht diese Fläche nicht zur Verfügung“, teilt Hannah Gödde, Pressesprecherin des Musikvereins Balve, auf Anfrage mit. „Wir sind dabei, unseren Outdoor-Aktionsraum anzubauen.“ Diese Baumaßnahme des Musikvereins an der St.-Johannes-Straße 1, die als Leader-Projekt gefördert wird, soll bis zum Herbst dauern. „Es ist schade, dass diese traditionelle Auftaktveranstaltung für unser Schützenfest nicht stattfinden kann, aber wir Musiker freuen uns darauf, ab Samstag mit den Balver Schützen, der Bevölkerung und ihren Gästen gemeinsam zu feiern.“ Höhepunkt sei neben dem Festzug am Sonntag der an allen drei Tagen stattfindende Höhleneinzug mit dem „Margarethenmarsch“, in Balve bekannt als „Höhleneinzugsmarsch“.

Auch interessant

Kommentare