Der Erntehelfer von Bernd Prumbaum hat 350 PS

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Vom Führerhaus des Mähdreschers aus genießt Landwirt Bernd Prumbaum einen prächtigen Ausblick. Allerdings verbringt er hier zum Teil auch ganze Nächte. ▪

BALVE ▪ Kein gutes Jahr für die heimischen Getreidebauern: Sie sind vom Wetter arg gebeutelt. Das Frühjahr war heiß und trocken und der damals vermisste Regen prasselte jetzt fast unaufhörlich vom Himmel. Ernteeinbußen sind vorprogrammiert und wenn sich jetzt die Sonne nicht langfristig zeigt, stellt sich auch noch ein Qualitätsverlust ein, denn das Getreide muss dringend abgemäht und gedroschen werden. Von Ulrich Töpel

Drei Wochen sei man in Rückstand, so der Mellener Landwirt Bernd Prumbaum. Die Wintergerste stehe bereits überreif auf den Feldern und sei fast „abgesoffen“. Er rechnet mit einer Ertragseinbuße von 15 bis 20 Prozent.

Mit den ersten Sonnenstrahlen am Montag ging es dann mit Volldampf raus an die Arbeit. Da Prumbaum über einen 350 PS starken Mähdrescher verfügt, den 200 000 Euro teuren, hochmodernen „Erntehelfer“ selbst aber nur wenige Tage braucht, verrichtet er Lohnarbeiten für heimische Landwirte. Sein erster Einsatz führte den Mellener am Montagmorgen in die Felder zwischen Küntrop und Höveringhausen. Ein Gerstenfeld wurde „flach gelegt“.

Mit einer Schnittbreite von 6,70 Metern rollt das Ungetüm über das parallel zur Bundesstraße gelegene Feld, verfolgt und abgelichtet von interessierten Zeitgenossen, die spontan ihren fahrbaren Untersatz am Fahrbahnrand parken, um sich das Schauspiel anzusehen.

Das Schneidewerk trennt tausende von Halmen rund zehn Zentimeter über der Erdkruste vom Boden. Halm mit Ähre wandern dann über die Dreschtrommel durch den Strohschüttler hin zu einem System von drei Sieben, wo das reife Korn von der Spreu getrennt wird, die zurück auf den Acker befördert wird. Das saubere Korn wird in den Korntank geblasen, der auf Prumbaums Hightech-Mähdrescher immerhin neun Kubikmeter fasst. Am Ende des Feldes wartet bereits Auftraggeber Norbert Stork mit Trecker und Riesenhänger auf die Ernte. Das überschüssige Stroh wirft der Mähdrescher in Schwaden hinunter aufs Feld zum Trocknen, um später von der Presse zu Strohballen verarbeitet zu werden. 40 Liter Diesel schluckt der grüne Kraftprotz in der Stunde, 800 Liter fasst der Tank. Macht rund 1000 Euro für eine Tankfüllung.

„Bis Mitternacht wird heute gemäht“, sagt Bernd Prumbaum. Da er erst nachdem sich der Tau aufgelöst hatte mit der Arbeit beginnen konnte, hat er in Küntrop bis zum frühen Nachmittag zu tun. Danach geht es ins Beckumer Feld – Raps mähen und dreschen. Und da für das Wochenende Regen angesagt ist, werden die Folge tage wohl ähnlich verlaufen. „Es gab auch schon Tage, da wurde durchgemäht bis in den Morgen“, erzählt der Landwirt. Auf Wintergerste und Raps folgen Weizen, Triticale, Roggen und Hafer, wobei letzterer nur noch selten auf heimischen Feldern zu finden sei. Und da der August wettertechnisch nicht besonders rosig eingeschätzt wird, könnte die Getreideernte noch zu einer üblen Hängepartie ausufern.

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