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Ohne Auto auf dem Dorf: Interessant, aber kaum Ergebnisse

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Von: Julius Kolossa

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Auf dem Platz vor der Sokola.de konnte der „a-Bus“, das autonom und elektrisch fahrende „Büssken“ der MVG, ausprobiert werden.
Auf dem Platz vor der Sokola.de konnte der „a-Bus“, das autonom und elektrisch fahrende „Büssken“ der MVG, ausprobiert werden. © KOLOSSA

Die „Zukunftswerkstatt Mobilität“ endete dort, wo sie im Februar 2020 begonnen hatte: in der Sokola.de in Langenholthausen. Hier wurden die Ergebnisse vorgestellt, die in sechs so genannten „Mobilitätsinseln“ in Balve und den Ortsteilen gesammelt wurden. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, berichtete Alessa Näpel von den Mendener Stadtwerken, die als Ansprechpartnerin bei jeder Mobilitätsinsel vor Ort war.

Langenholthausen – „Etwa 60 Teilnehmer wurden an jedem Standort gezählt – eine zufriedenstellende Zahl.“ Und mit diesen Leuten kam man ins Gespräch, wie denn die Zukunft der Mobilität in der Region gestaltet werden könnte. Näpel: „Inzwischen hat sich aus Initiativen der Bevölkerung in Balve eine Mitfahrer-App, das Car-Sharing und in Mellen eine Mitfahrerbank entwickelt.“ Dies sei eine Basis, auf der sich aufbauen lasse, um nachhaltig mobil zu werden.

Denn noch sei das Auto zu 77 Prozent das Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen, während die Alternativen wenig attraktiv sind. Die Erreichbarkeit mit dem Öffentliche Personennahverkehr sei nicht immer gegeben, ausbaufähig seien die Radwege (Näpel: „Gewünscht werden noch bessere und sichere Radwege“). Interessant war, dass 44 Prozent durchaus Interesse an Car-Sharing finden würden, dieses Angebot allerdings „kein Ersatz für einen Zweitwagen“ sei.

Interesse wurde an autonomem Fahren im Auto oder mit dem Bus gezeigt. Es wurde der Staffelstab für die Zukunft der Mobilität an Bürgermeister Hubertus Mühling überreicht, verbunden mit Handlungsimpulsen, die nutzerzentriert entwickelt werden sollten. Und da sah das Stadtoberhaupt ein Problem: „Die Leute müssen aber auch aus ihrer Komfortzone kommen.“ Als Beispiele dafür führte er seinen Heimatort Volkringhausen an, in dem der Zug außer von Schülern nicht genutzt würde.

Ähnlich sieht es mit Mitfahrgelegenheiten aus. Seine Erfahrungen dazu stellte er so dar: „Jeder fährt für sich alleine im Auto.“ Der Bürgerbus hätte seine Linie durch Volkringhausen bereits vor etwa zwei Jahren eingestellt, weil hier keiner zugestiegen war. Die Mitfahrer-App der Stadt werde in den sechs Monaten ihres Bestehens von 1800 Leuten genutzt – ein Wert, der noch steigerungsfähig sei.

Mühling fasste zusammen: „Das Kernproblem ist das jeweilige Verhalten vor Ort, was nur durch die Schaffung eines Alternativangebots verändert werden kann.“ Daran gelte es zu arbeiten. In der Pflicht sehen sich dabei auch die Ortsvorsteher, die ebenso als Entscheidungsträger zu dieser Abschlussveranstaltung eingeladen waren. Dazu Pia Spiekermann aus Eisborn: „Wir sollten immer wieder auf diese Angebote aufmerksam machen.“ Auch sie sieht weiteren Handlungsbedarf, denn es gelte, den jeweiligen persönlichen Mehrwert des Nutzers noch deutlicher herauszustellen.

Wie weit dabei in den nächsten Jahren der „a-Bus“ – der autonom fahrende Shuttlebus der Märkischen Verkehrsgesellschaft – dazugehören wird, bleibt abzuwarten. Für die Teilnehmer war es eine neue Erfahrung, sich auf dem Schulhof der Sokola.de fahren zu lassen.

Bisher fährt das um die 500 000 Euro teure Gefährt mit Elektroantrieb mit maximal zwölf Fahrgästen (sechs Sitzplätze und sechs Stehplätze) auf einer vorgeschriebenen Strecke der MVG. „Die Technik für eine Serienfertigung ist noch nicht ausgereift – außerdem fehlen die Hersteller autonom fahrender Busse“, stellte Prof. Dr. Torsten Bertram, Lehrstuhl für Regelungssystemtechnik, TU Dortmund, fest.

Er wagte einen Blick in die Zukunft, wann all dies straßentauglich werden würde. „Diese Frage wird mir oft zugestellt, und ich sage dann immer: das dauert noch 15 Jahre.“

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