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Erfolgreiche Grabungssaison: Experten können rund 150 Funde zuordnen

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Von: Julius Kolossa

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Die Grabungssaison im Steinbruch bei Beckum läuft noch bis Ende September.
Die Grabungssaison im Steinbruch bei Beckum läuft noch bis Ende September. © Kolossa, Julius

Im Steinbruch kann man was erleben – die 22 Kinder der 4. Klasse der Beckumer Grundschule kamen am Mittwoch voll und ganz auf ihre Kosten.

Dr. Achim Schwermann, Grabungsleiter dieser Ausgrabungsstätte für urzeitliche Fossilienfunde, zeigte den Grundschülern, was im Steinbruch bei Beckum passiert.

„Hier ist ein Dino drin?“, wurde Dr. Schwermann ungläubig gefragt, als ihm Steinhälften von den Mädchen und Jungen, die sich selbst an die Arbeit machen und Steine zerbröseln durften, entgegen gehalten wurden. Das musste der Experte zwar verneinen, dafür konnte er den neuesten Fund vorstellen, den das Helferteam erst an diesem Tag gemacht hatte: ein Stück von einem Schwanzwirbel.

Schwanzwirbel von Iguanodon entdeckt

„Vermutlich von einem Iguanodon“, vermutete Dr. Schwermann. Diese bis zehn Meter langen Pflanzenfresser lebten vor etwa 130 Millionen Jahren. Immer wieder kommen bei den alljährlichen Ausgrabungen einige Fundstücke dieser längst ausgestorbenen Tierart zutage. „Ein Stück von einem Oberarmknochen und der Hüfte haben wir gefunden“, zeigte Schwermann die Stücke. „Und einen winzig kleinen Zahn sowie ein Zehenglied.“

Seit 2002 wird im Steinbruch des Unternehmens Lhoist gegraben und geforscht. Höhepunkt war 2020 die Entdeckung einer weltweit neuen Nagetierart, die zu Ehren Balves als Fundort mit „Cheruscodon balvensis“ benannt wurde.

Überreste verstorbener Tiere abgelagert

Endgültig aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen die Grundschüler, als ihnen Dr. Schwermann noch erklärte, dass dort, wo sie heute stehen, vor mehr als 130 Millionen Jahre eine Höhle gewesen sei. Hier hätten sich die Überreste der verstorbenen Tiere abgelagert, während die Höhle im Laufe der Jahre immer mehr einer offenen Landschaft wich. Diese wird mittlerweile als Steinbruch genutzt, was sich mit Blick auf die Funde als Glücksfall erwiesen hat.

Was genau dort passiert, erklärte Grabungsleiter Dr. Achim Schwermann den Viertklässlern der Beckumer Grundschule, die am Mittwoch vorbeischauten.
Was genau im Steinbruch passiert, erklärte Grabungsleiter Dr. Achim Schwermann den Viertklässlern der Beckumer Grundschule, die am Mittwoch vorbeischauten. © Kolossa, Julius

„Unsere Grabungssaison läuft noch bis in den September. Wie auch in den vergangenen Jahren, haben wir wieder etwa 150 Funde zuordnen können. Besonderheiten in den weiteren hunderten von Kleinstfunden tauchen erst im Labor bei den weiteren Forschungen unter Mikroskopen auf“, sagte der Grabungsleiter. Denn das Grabungsteam hat es sich zum Ziel gesetzt, alles zu finden, „was größer als einen halben Millimeter ist“.

Funde werden getrocknet und mehrfach gewaschen

Deshalb werden die Gesteinsfunde getrocknet und danach mehrmals gewaschen, um auch die kleinsten Fossilien-Teilchen zu finden. „Das sind Raritäten.“ Spannend war es für die Grundschüler, Dr. Schwermann zuzuhören, als er über die Funde sprach und sie einordnen sollten, welche Tiere einst in dieser Region lebten. Gefunden wurden Teile von Fleischfressern, Flugsauriern, Schildkröten („ein Fachmann aus der Schweiz hat vier neue Arten entdeckt“), Krokodile („von einem halben Meter bis zu vier Meter lang“), aber auch Backenzähne von Säugetieren sowie Reste von Fischen, Haien, Salamandern und Fröschen.

Die Kinder durften auch selbst aktiv werden und Steine von einem Haufen aneinanderschlagen, um zu sehen, ob in diesen etwas verborgen ist. „Auf diese Weise und durch diese Führung zeigen wir, wie und was wir suchen“, erläuterte Dr. Schwermann zufrieden. Schließlich durften sich die Mädchen und Jungen jeder noch einen Stein aussuchen, den sie zu Hause genauer unter die Lupe nehmen wollten.

Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer

Für den Grabungsleiter und seine neun Mitarbeiter aber ging die Arbeit nach dem Abschied der Grundschüler weiter. Unterstützung erhält Schwermann im zweiten Jahr von ehrenamtlichen Helfern aus der Region. „Es ist dieses Mal nur eine Handvoll Frauen und Männer – aber diese Zahl ist okay. Denn es kommt auf die Eigenmotivation an – und die ist bei den Teilnehmern sehr hoch.“

Nach Absprache sind die Helfer vor Ort, um beim Wässern zu helfen. Hierbei werden die Stein- oder Erdstücke, mit Wasser gesäubert und durch immer feinmaschiger werdende Siebe geleitet. Was am Ende herauskommt, das nehmen die Fachleute dann genau in den Blick.

Im Juni 2023 geht es weiter

In wenigen Wochen ist die Grabungssaison 2022 im Steinbruch beendet. Weiter geht es dann im nächsten Jahr ab Ende Juni für rund drei Monate.

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