Riesiges Interesse an der Sekundarschule Balve

BALVE ▪ Mehr als 200 der angeschriebenen 360 Eltern, die eines oder mehrere Kinder in den Klasse 2 bis 4 haben, nahmen am Dienstag an der Infoveranstaltung über die Sekundarschule Balve als neue Schulform teil. Für einen Teilnehmer war es eine „Beerdigungsfeier für Haupt- und Realschule“.

Diese Aussage machte Lorenz Schnadt, der als Vorsitzender des Schulausschusses seinerzeit für die Sekundarschule als Zukunft der Schullandschaft in Balve entschieden hatte. Er stellte fest, dass 75 Anmeldungen ausreichen, um die zwei bisherigen Schulen aufzulösen. Applaus gab es für Bürgermeister Hubertus Mühling als Moderator des Abends, der forderte, nicht die Politik, sondern die Eltern zu Wort kommen zu lassen, Applaus gab es aber auch für Lorenz Schnadt.

Michael Bathe von der Stadt Balve stellte mittels Zahlen dar, warum Real- und Hauptschule in Balve auf Dauer keine Zukunft haben können: Entschieden in den vergangenen drei Jahren 43 Prozent der Eltern, ihr Kind auf der Realschule und 23 Prozent auf der Hauptschule weiter lernen zu lassen (30 Prozent entschieden sich für auswärtige Schulformen), sah dies 2012 wie folgt aus: 42 Prozent wurden auf der Realschule, 18 Prozent auf der Hauptschule angemeldet. Bathe: „Die errechnete Zahl der Grundschüler fällt von 600 im Jahr 2007 auf 400 im Jahr 2017.“

Bathe und sein Stellvertreter Andrè Flöper erläuterten das Konzept, das gemeinsamen Unterricht bis Klasse 6 vorsieht. Danach bietet sich die „Grundebene“ mit dem Hauptschulabschluss Klasse 9/10 oder die „Erweiterungsebene“, Fachoberschulreife mit oder ohne Qualifikationsvermerk an. Weiter steht der Übergang in die Sekundarstufe II oder eine Ausbildung an. Dafür sind Kooperationen mit dem Walram- und dem Heilig-Geist-Gymnasium aus Menden, dem Städtischen Gymnasium Sundern und dem Hönne-Berufskolleg möglich. Auch deren Vertreter nutzten am Dienstag die Möglichkeit, ihre Schulformen vorzustellen. Dabei wiesen sie jeweils auf die positiven Erfahrungen hin, die sie mit Balver Schülern gemacht hatten.

Geboten werden soll ein Unterricht, der Grund- und Erweiterungsebene übergreift, ab Klasse 6 die Wahl zwischen sechs Neigungsdifferenzierungen lässt, den Austausch von Lehrern und die Fortsetzung des in der Grundschule vorgenommenen gemeinsamen Lernens ermöglicht. Neigungsdifferenzierungen sollen unter anderem in Französisch, Informationstechnik und Sozialwissenschaften geschaffen werden. „Dabei ist der Wechsel zwischen Grund- und Erweiterungsebene bis Klasse 8 möglich“, so Bathe.

Die Sekundarschule in kooperativer Form sei ab dem Schuljahr 2013/2014 von der Schulaufsicht genehmigt worden, stellte Bürgermeister Mühling dar. Sollten die 75 Anmeldungen nicht erreicht werden, so die drängendsten Fragen, liefen als Alternative die Haupt- und die Realschule weiter wie bisher. „Wie lange aber die Einzügigkeit der Hauptschule noch von der Schulaufsicht geduldet wird, hängt von deren Ermessen ab“, konnte Mühling keine Garantie für dieses Fortbestehen geben.

Die Stadt sei nicht zur Vorhaltung einer oder beider Schulformen verpflichtet, so der Bürgermeister: „Die Bezirksregierung entscheidet darüber.“ Von Balve würden aber beide Schulen gute Noten bekommen – nur müsse auf den demographischen Wandel reagiert werden.

Deshalb sollen 360 Eltern durch Ausfüllen eines Fragebogens, der von der Stadt ab der nächsten Woche versandt wird, die weitere Richtung vorgeben. Die Antworten werden bis Anfang der Herbstferien erwartet, „dann findet die Auswertung statt, und am 14. November entscheidet der Rat darüber“, teilte Mühling das weitere Vorgehen mit.

Das tatsächliche Anmeldeverfahren würde wieder im Frühjahr stattfinden. „Wir haben die historisch einmalige Chance, mit 75 Schülern und einem Planungshorizont von fünf Jahren für das Schuljahr 2013/2014 eine Kooperative Sekundarschule Balve einzurichten“, so Mühling. Übergangsweise würden dann drei Schulformen nebeneinander laufen. „Die Zahl 75 steht – es ist knapp.“ ▪ Julius Kolossa

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