Eine Journalistin geht ihren Weg: Solveig Flörke

Die Balverin nahm an der Moderation des Länderspiels Deutschland gegen Brasilien teil.

BALVE ▪ Die Journalistin Solveig Flörke ist in Balve aufgewachsen, lebt und arbeitet aber nun in Rio de Janeiro. Markus Jentzsch sprach mit der 28-Jährigen über ihren Fernsehauftritt beim Fußballspiel Brasilien gegen Deutschland, über ihren Werdegang und Zukunftspläne.

Frau Flörke, Sie haben nach Ihrem Studium an der Universität Passau ein Volontariat bei der Passauer Neuen Presse absolviert. Wie ging es dann weiter und was hat sie nach Brasilien geführt?

Flörke: Eigentlich wollte ich während der Semesterferien Anfang 2008 nur einen Sprachkurs in Rio de Janeiro machen. Es ergab sich aber, dass ich auch meine Diplomarbeit dort schreiben konnte, wodurch ich länger blieb. Ich hätte Deutschland wohl kaum verlassen, aber als mein Studium beendet war, war die Wirtschaftskrise in Deutschland gerade in vollem Gange und mir wurden nach einer Ausbildung und einem abgeschlossenen Studium hauptsächlich Praktika angeboten. In Deutschland hat sich das ja seit einigen Jahren ganz inflationär entwickelt. Mich hat es sehr geärgert, so dass ich mehr oder weniger aus Trotz nach Rio zurückgegangen bin. Ich hatte ja auch nichts zu verlieren, ob in Deutschland oder woanders, in jedem Fall wäre es auf eine Selbstständigkeit hinausgelaufen und zu dem Zeitpunkt erschienen mir die Chancen in Brasilien besser.

Sie haben für einen TV-Sender über das Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien berichtet. Wie kam es dazu?

Flörke: Die Sendung nennt sich Redacao und wird von montags bis freitags live im Sender Sportv ausgestrahlt. Dieser Sender gehört zum größten brasilianischen Medienkonzern, Globo. Sportv ist vergleichbar mit seinerzeit dem DSF. In die Sendung werden jeweils zwei Gäste eingeladen, meist aus dem Medienbereich, auch Spieler oder andere Athleten werden vom Moderator in der 90-minütigen Sendezeit interviewt. Der einfache Grund, warum ich eingeladen wurde, war das Länderspiel zwischen Deutschland und Brasilien und es war wohl mehr ein Zufall, denn man hat mich bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen Ende Juli hier in Rio de Janeiro angesprochen, nachdem ich Oliver Bierhoff interviewt hatte – so wie weitere 500 andere Journalisten. Wenn Sie so wollen, vielleicht ein Missverständnis, dass man dachte, ich sei eine große Fußballexpertin. Darauf habe ich nach der Anfrage auch deutlich hingewiesen, ebenso auf meinen Akzent beim Sprechen. Aber das schien keinen zu stören.

Für welches Team hat ihr Balver Herz geschlagen?

Flörke: Hier kann ich ja ganz offen sprechen: natürlich für das deutsche! In Brasilien würde ich auf die Frage wohl diplomatischer antworten. Es ist tatsächlich so, dass ich mich in beiden Fällen gefreut hätte, auch für Brasilien, weil ich beide Länder mag, aber dass ich Patriotin bin, kann ich nicht verleugnen.

Fußballberichterstattung scheint mit Blick auf ihre Referenzliste etwas Neues zu sein. Wir kam die Zusammenarbeit mit Sporttv zustande?

Flörke: Das ist nicht ganz richtig, beziehungsweise trügt der Schein meiner Referenzliste wohl. Ich arbeite schon deshalb viel zu Fußball- und Sportthemen, weil Brasilien in den nächsten Jahren in Bezug auf Sport einfach sehr im Fokus des öffentlichen Interesses steht, besonders Rio. 2014 die Fußballweltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele. Es stimmt schon, ich berichte über alle möglichen Themen, aber Sport bildet einen großen Teil. Zum Beispiel habe ich für die FAZ über die Surferin Maya Gabeira berichtet, für die Berliner Morgenpost über Marcelinho, für die Welt am Sonntag über Fußball in Afghanistan, für ZDF heute.de über Frauenfußball in Brasilien und für 11freunde über ein WM-Maskottchen.

War es etwas Besonderes für Sie?

Flörke: Sie meinen den Auftritt im brasilianischen Fernsehen? Ja, es war insofern besonders, weil es so ein langes und relativ auf uns zwei geladenen Gäste fixiertes Interview war. Es war insgesamt mein dritter Auftritt im brasilianischen TV, aber sicherlich die größte Herausforderung, weil es auf portugiesisch war und ich als Frau auch inhaltlich zum Thema Fußball keinen Fehler machen wollte. Da ist man ja doch schneller blamiert als man den Satz zu Ende gesagt hat.

Sie haben schon in Chile, Bolivien, Peru, Neuseeland und den USA gelebt. Haben Sie dort auch als Journalistin gearbeitet?

Flörke: Nein, dort waren es ganz andere Tätigkeiten, in Chile habe ich ein Auslandssemester an der Universität absolviert, in Bolivien habe ich einen Freiwilligendienst in einem Kinderheim gemacht, in Peru in einem Büro für Tourismusmarketing gearbeitet, in Neuseeland als Pferdepflegerin für Kost und Logis und in den USA war ich als Schülerin zum Austausch.

Wie unterscheidet sich ihre Arbeit in den Ländern?

Flörke: Ich kann es wie gesagt nur für Brasilien sagen. Hier ist der Journalismus wesentlich emotionaler als in Deutschland. Vor allem bei den Nachrichten fällt mir das auf. Die Tagesschau oder das heute-journal sind viel sachlicher, beschäftigen sich ganz strukturiert vor allem mit politischen und wirtschaftlichen Themen aus Deutschland und der Welt. In Brasilien wird in den Nachrichten auch gerne mal die Geburt von Zwillingen auf einem Bahnsteig gezeigt oder Paprikastauden, deren Früchte die Form eines männlichen Geschlechtsteils haben – das ist kein Witz!

Wo war Leben und Arbeit am schönsten?

Flörke: Egal wo ich war, ich habe bisher jedes mal festgestellt, dass ich es persönlich in Deutschland am schönsten finde. Meine Arbeit, so wie ich sie jetzt mache, wäre in Deutschland allerdings nicht möglich gewesen. Daher bin ich schon dem Land und den Menschen in Brasilien sehr dankbar für diese tollen und spannenden Erfahrungen der letzten Jahre.

Wird Brasilien ihre letzte Station bleiben? Wie sehen ihre Ziele aus?

Flörke: Ziele? Einmal Schützenkönigin in Balve!

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz. Journalismus ist für mich...

Flörke: ...ein ganz schön hartes Brot, das aber trotzdem gut schmeckt.

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