Dehoga-Vertreter sieht schwarz

Ein Drittel der Gastronomie-Betriebe in Schwierigkeiten

Heinz Friedriszik,
 stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes, vor dem Lockdown in seinem Wirtshaus Syré in Garbeck. Mittlerweile ist er nicht mehr so optimistisch.
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Heinz Friedriszik, stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes, vor dem Lockdown in seinem Wirtshaus Syré in Garbeck. Mittlerweile ist er nicht mehr so optimistisch.

Vor allem der zweite Lockdown setzt der Gastronomie schwer zu. Ein heimischer Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sieht schwarz für einige Betriebe der Branche.

Balve/Neuenrade ‒ Heinz Friedriszik ist froh, wenn 2020 in wenigen Stunden Geschichte ist. „Ich freue mich, wenn bald Jahresende ist, denn unsere Branche gehörte sicher nicht zu den Gewinnern dieser Corona-Krise“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Deutschen Hotels- und Gaststätteverbandes (Dehoga).

Friedriszik bekam die Corona-Auswirkungen auch selbst deutlich zu spüren. Dem erfahrenen Gastronomen gehören der Gasthof Im Kohl in Neuenrade, das Wirtshaus Syré in Garbeck und in Balve das Ballova und das Haus Drei Könige.

Kritik am zweiten Lockdown

Zwei Mal mussten alle gastronomischen Betriebe während der Corona-Pandemie schließen. Zudem deutet derzeit viel darauf hin, dass der momentan bis 10. Januar geltende zweite Lockdown verlängert wird. Heinz Friedriszik sieht besonders diesen zweiten Lockdown als gravierend an: „Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr haben Restaurants und Gaststätten sehr viel in Hygienemaßnahmen investiert. Dann folgte aber sehr bald die nächste Schließung. Die Menschen ließen sich das Feiern jedoch nicht nehmen, machten das dann privat.“ Vielleicht hätte die Gastronomie mit ihren Hygienekonzepten dazu beitragen können, dass die Infektionszahlen nicht so stark angestiegen wären, gibt er kritisch zu bedenken.

Heinz Friedriszik hatte sehr viel freie Zeit vor Weihnachten, als er seine Betriebe im Dezember in Balve und Neuenrade erneut schließen musste. Auf die Möglichkeit eines Außer-Haus-Verkaufes verzichtet er komplett: „Weihnachtsessen zum Mitnehmen wäre für uns keine Option gewesen, denn das bedeutet nicht dieselbe Qualität wie bei den üblichen Tischbestellungen.“

Warten auf Hilfszahlungen

Jetzt gelte es abzuwarten bis wieder geöffnet werden darf – aber auch auf die Auszahlung der in Aussicht gestellten Hilfsgelder. „Viele warten auf Kurzarbeitergeld, das nur verzögert oder in Abschlägen ausgezahlt wird – unsere Betriebe sind nicht die einzigen im Kreisverband, die zum Ausgleichen der Liquiditätsengpässe aus privaten Mitteln vorfinanzieren müssen.“ Noch werde auf Kurzarbeitergeld für den November gewartet: „Vielleicht liegt die Auszahlung an der langen Bearbeitungszeit?“ Dass privat zwischenfinanziert werden muss, beträfe die gesamte Branche: „Die gesamte Situation ist sehr deprimierend.“

Trübe Aussichten für die Branche

Für das erste Halbjahr 2021 sieht Friedriszik keine großartige Besserung der Gesamtsituation, erst danach könne die Impfkampagne ihre positive Wirkung zeigen. Aber: „Wir von der Dehoga gehen davon aus, dass ein Drittel der Betriebe wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen wird.“

Wer im Restaurantbereich genügend Kapitalreserven habe, bleibe dabei und könne sich von der Krise erholen: „Die Leute kommen wieder, wenn sie sich sicher fühlen.“ Anders sei es in der Hotelbranche, wo auch dauerhaft Tagungsgäste wegen der in der Corona-Zeit immer weiter perfektionierten Möglichkeiten der Videokonferenz die Tagungsgäste fehlen könnten. „Hier könnte es einen Einbruch von 30 Prozent geben.“

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