Ehrenamtliche bringen Freude ins Seniorenheim

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Die 82-jährige Irmgard Geschwind ist drei Mal wöchentlich im Altenheim und bastelt mit den Bewohnern. ▪

BALVE ▪ Wie arm wäre unsere Welt ohne die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die sich in ihrer Freizeit durch große und kleine Taten für andere einsetzen und die häufig still im Verborgenen arbeiten? Ohne die Ehrenamtler wäre es auch im St. Johannes-Altenpflegeheim für die Bewohner manches Mal weniger lebendig.

Die große Vielzahl von Angeboten ist nur durch ehrenamtliches Engagement möglich. Neben heimischen Vereinen und Gruppen, die regelmäßig für Unterhaltung sorgen, sind es gerade die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer, die mehrmals wöchentlich Abwechslung in den Tagesablauf der Bewohner bringen und die schon zum festen Bestandteil im Alltag geworden sind.

Zeit für Zuwendung und Nähe

Ein Gespräch, ein gemeinsames Spiel oder einfach nur ein freundlicher Händedruck – Zuwendung, Nähe und Zeit sollen nicht zu kurz kommen. Darum kümmern sich beispielsweise die Damen vom Caritas-Besuchsdienst. Eine von ihnen ist Hedwig Niebecker, die auch bei Gottesdiensten aushilft. Oder Maria Herdes, die seit 1995 Bewohner besucht und die sich zusätzlich seit zwei Jahren regelmäßig die Zeit nimmt, einigen Senioren, darunter ihre Schwägerin, das Mittagessen zu reichen. Barbara Brücker ist ebenfalls eine ehrenamtliche Helferin der ersten Stunde. Schon seit 15 Jahren besucht sie Bewohner zweimal in der Woche. Sie hilft beim Gottesdienst und Musizieren. „Einem blinden Mann helfe ich auch beim Rätsel lösen“, berichtet sie. Ihr Mann Günter ist seit zwölf Jahren häufiger Gast im St. Johannes-Altenpflegeheim. Er begeistert mit Musik und gemeinsamem Gesang, genauso wie Albin Köck mit seiner Orgelmusik. Heinrich Springer, der bekannte Balver Leierkastenmann, bringt ebenfalls immer wieder flotte Töne in die Einrichtung. Und auch Lothar Schuhenn ist musikalisch aktiv – er sorgt bei den Quartalsgeburtstagsfeiern für die passende Musik.

Agnes Cordes hat in den letzten zwölf Jahren mehr als 70 Serviettentaschen für Bewohner bestickt. ▪

Eher im Verborgenen arbeitet dagegen Agnes Cordes. Seit vielen Jahren bestickt sie Serviettentäschchen mit persönlichen Namen und einem Bild. Diese bekommen jene, die nach ihrem Einzug erstmals ihren Geburtstag im Altenpflegeheim feiern. „Ich habe in etwa zwölf Jahren mehr als 70 Taschen bestickt. Die Frauen bekommen sie in rosa, die Männer in blau“, erzählt die rüstige Seniorin, die darüber fein säuberlich Buch führt. Etwa vier bis fünf Stunden benötigt sie für das Besticken einer Serviettentasche. Agnes Cordes ist zudem die Ideengeberin für das Waffelbackangebot gewesen, das sie vor vielen Jahren einführte. Heute backen Agatha Bathe und Elisabeth Krekeler alle zwei Wochen mehr als 100 Waffeln.

Alle drei Wochen wird gekegelt

Außerdem helfen die Damen ebenso wie Eckehard Lange vom Bewohnerbeirat beim Kegeln. Die große Kegelbahn wird etwa alle drei Wochen im Foyer der Einrichtung aufgebaut. Dann können sich die Männer und Frauen sportlich vergnügen. Unter anderen helfen beim Auf- und Abbau und bei der Kegelbetreuung die „Sauerland-Fahrer“. Das sind Herbert Löchel, Alfons Schraven, Friedhelm König, Peter Hein und Herbert Köster, die die die Bewohner von Mai bis Oktober montags abwechslend zu „Fahrten ins Blaue“ einladen. „Wir fahren rund 50 bis 60 Kilometer und nehmen die Ausflugswünsche der Teilnehmer unbedingt an“, erklärt Friedhelm König. „Das macht immer viel Spaß.“ Seit sieben Jahren begleitet Theresia Weißmüller als Betreuerin die Fahrten. „Als ich in Rente ging, wollte ich gerne noch etwas Sinnvolles tun“, sagte sie zu ihren Beweggründen. Ehrenamtlich tätig ist sie im St. Johannes-Altenpflegeheim jedoch bereits seit insgesamt 15 Jahren.

Für löcherfreie Wäsche und Socken sorgt die 77-jährige Anne Fabry. Mehrere Stunden in der Woche sitzt sie mit Nadel und Faden zuhause und stopft und näht Knöpfe an. „Früher habe ich beruflich hier in der Wäscherei gearbeitet. Dazu zählte auch das Stopfen“, berichtet sie. Das habe sie schließlich als Rentnerin beibehalten. Doch auch durch den Besuchsdienst ist sie ihrer damaligen Arbeitsstelle treu geblieben.

Die Auswahl macht's

Jeden Dienstag sorgt Helga Heinze von der Evangelischen Kirchengemeinde mit ihren Besuchen für Kurzweil. Dann nimmt sie sich Zeit für Gespräche oder kleine Spaziergänge mit den Bewohnern.

Wer gerne bastelt, der ist in der Bastelgruppe von Irmgard Geschwind genau richtig. Die 82-jährige gelernte Fotografin leitet die Gruppe, die sich freitags trifft, um schöne Dekorationsartikel zu basteln. In der Weihnachtszeit standen beispielsweise gefaltete Papierengel auf dem Programm. Und für jede Jahreszeit hat Irmgard Geschwind bereits wieder weitere Bastelideen.

So wie diese ehrenamtlichen Helfer, die Freude und Abwechslung in das Leben vieler Senioren im St. Johannes-Altenpflegeheim bringen, gibt es noch zahlreiche weitere Menschen, die sich zwar nicht regelmäßig, aber doch häufig einbringen.

Einmal im Jahr danken Heimleiter Franz-Josef Rademacher und die Leiterin des sozialen Dienstes, Gabi Gemke, im Namen der Mitarbeiter den regelmäßigen Ehrenamtlern mit einem Kaffeetrinken in der Adventszeit.

Leider habe das neue Pflegesystem Unruhe in Altenheime gebracht. Die Mitarbeiter würden für Dokumantationen viel Zeit benötigen, klagt Franz-Josef Rademacher. Dies sei Zeit, die für Zuwendung fehle. „Umso wichtiger ist es, dass Menschen ehrenamtlich versuchen, das gute Niveau aufrecht zu erhalten“, sagt er. Dies gelinge im St. Johannes-Altenpflegeheim. Menschenwürde, ein gutes Niveau und eine 100-prozentige Auslastung seien gegeben. Darum gelte sein Dank den freiwilligen Helfern und Unterstützern. „Es macht nicht die Vielzahl der Angebote, sondern die Auswahl, die geboten wird“, sagte er. Vor allen aber lobte er die Beständigkeit, die für die Bewohner sehr wichtig sei. Das Helfen macht jedoch nicht nur denjenigen glücklich, dem geholfen wird. Auch derjenige, der hilft, verspürt ein warmes Gefühl ums Herz, wenn er sieht, wie sein Engagement einen anderen glücklich macht. ▪ uba

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