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Echte „Wundertüte“: Andreas Kolarik erkundet neuentdeckte Höhle

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Von: Julius Kolossa

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Daumen hoch und damit alles bereit für den Abstieg: Andreas Kolarik im Einstiegsloch zur im Dezember entdeckten Höhle „Grabenponor“ in Hemer-Brockhausen.
Daumen hoch und damit alles bereit für den Abstieg: Andreas Kolarik im Einstiegsloch zur im Dezember entdeckten Höhle „Grabenponor“ in Hemer-Brockhausen. © Kolossa, Julius

Auch rund neun Monate nach der Entdeckung der Höhle „Grabenponor“ im Hönnetal in Hemer-Brockhausen ist Andreas Kolarik, Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins Hönnetal, noch immer begeistert von dem Fund.

Kolarik bezeichnet die rund 25 Meter lange und acht Meter tiefe Höhle als echte „Wundertüte“.

Erstmals schon 2019 hatte Andreas Kolarik, der bereits rund 20 Höhlen mitentdeckt und -erforscht hat, die Vermutung geäußert, dass sich dort eine Höhle befinden könnte. Denn er erkennt mittlerweile die Auffälligkeiten im Boden, die auf eine Höhlenformation hinweisen: „Ich wurde in diesem Fall auf einen Stein aus Grauwacke in einem Loch in einem Graben aufmerksam, der dort nicht hingehörte – hier in der Region ist Kalkstein.“

Einstieg ist hergerichtet

Aber erst als im Dezember nach einem Starkregen der Stein absackte, konnte dieser auch geborgen werden. Dafür gewann Andreas Kolarik die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Sauerland Hemer sowie die Höhlenforscher des Arbeitskreises Kluterthöhle aus Ennpetal. Ein Lkw-Kran zog den keilförmigen Stein aus dem Graben und gab den Weg frei in die Höhle. Die Stadt Hemer unterstützt die Erforschung der Höhle und hat dafür den Einstieg in die „Grabenponor“ mittlerweile entsprechend baulich herrichten lassen.

Erst am Sonntag waren Andreas und sein Vater Thomas Kolarik wieder vor Ort, um weitere Vermessungsarbeiten vorzunehmen. „Nachdem wir im April die Höhle erstmals vermessen haben, sind wir nun wieder hier, um weitere Arbeiten vorzunehmen. Denn diese Höhle ist eine aktive Höhle, in die Wasser eindringt und auch wieder austritt. Dabei wird immer wieder Lehm wegschwemmt, was neue Höhlenbereiche sichtbar macht“, erläutert Andreas Kolarik.

Einen „deutlichen Luftzug wahrgenommen“

So stießen die Kolariks am Wochenende auf eine bislang noch unbekannte, jetzt aber freiliegende Spalte und auch einen zusätzlichen kleinen Raum. Andreas Kolarik: „Darüber hinaus haben wir einen deutlichen Luftzug wahrgenommen, so dass wir annehmen, dass die Höhle über den Bereich hinausgeht, den wir bislang kennen. Allerdings müssen wir auf den nächsten Starkregen warten, der uns dann hoffentlich den Weg dahin freispült.“ Denn das ist das Besondere an der Höhle „Grabenponor“. „Ponor ist der Fachbegriff für eine aktive Bachschwinde, also eine Art Schluckloch, in das immer wieder Wasser eindringt“, sagt Kolarik.

Extrem eng ist es in der Höhle, die Andreas Kolarik zusammen mit seinem Vater Thomas Kolarik Stück für Stück erkundet.
Extrem eng ist es in der Höhle, die Andreas Kolarik zusammen mit seinem Vater Thomas Kolarik Stück für Stück erkundet. © Kolossa, Julius

Nun geht es ans Auswerten der Messergebnisse. „Diese Höhle bleibt weiterhin ein attraktives Forschungsobjekt, sagt Kolarik, der hofft, beim nächsten Versuch dem weiteren Verlauf auf die Spur zu kommen. „Jetzt ist es viel zu eng, da passt kein Mensch durch.“

Langjährige Forschertätigkeit

Andreas Kolarik hat im Laufe seiner langjährigen Forschertätigkeit („Ich war schon im Kinderwagen in einer Höhle“) für sich festgestellt, dass der Mensch selbst eine Höhle erkunden müsse: „Sonden für den ersten Einblick geben keinen Größenvergleich, so dass man mit den Abmessungen daneben liegt. Ebenso sieht es beim Einsatz von Endoskopen aus, mit denen man um Ecken blicken kann. Diese Technik liefert insgesamt nicht die Qualität an Ergebnissen, die wir gerne hätten.

Die Sicherheit hat bei seinen Höhlentouren trotz aller Neugier aber immer höchste Priorität. Deshalb seien Höhlenforscher immer auch mindestens zu zweit und mit Schutzkleidung unterwegs. Zur Ausrüstung gehören beispielsweise Helm, Lampe und Stemmeisen. Denn lockere Steine oder loses Geröll könnten ansonsten plötzlich abrutschen und den Weg zurück nach draußen versperren. In der „Grabenponor“ jedenfalls gab es gleich zwei jeweils bis zu fünf Kilogramm schwere Steine, die nach Angaben von Andreas Kolarik erst mit dem Eisen gesichert werden mussten.

Hönnetal: Noch weitere Geheimnisse?

Für ihn steht fest, dass unter der Oberfläche des Hönnetals noch weitere Geheimnisse verborgen sind. „Ich vermute aufgrund der Formation der Bodenoberfläche noch weitere Höhlen. Nur deren Eingänge muss man finden.

Die jüngst entdeckte Höhle in Hemer-Brockhausen aus der Kreidezeit sei etwa 150 Millionen Jahre alt. „Spuren von menschlichem Leben haben wir nicht gefunden“, sagt Kolarik. Besonders macht die „Grabenponor“ aber ein Kalkrelief, in das das Wasser über viele Jahrtausende einen Profilgang gegraben hat. „Absolut ungewöhnlich für eine Bachschwinde“, freute der Experte bereits nach der ersten Besichtigung der Höhle. Durch das Wasser seien in der Höhle auch zahlreiche Fossilien freigelegt worden. Davon zeugten die Überreste von Korallen, Muscheln, Turmschnecken und Stromatoporen (eine Gruppe ausgestorbener Meerestiere).

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