Produktion steht noch Wochen still

Druckerei im MK überflutet: Rund fünf Millionen Euro Schaden

Maschinen und Einrichtung, die im Erdgeschoss des Firmengebäudes standen, sind zu einem Großteil nicht mehr zu gebrauchen und reif für den Sperrmüll.
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Maschinen und Einrichtung, die im Erdgeschoss des Firmengebäudes standen, sind zu einem Großteil nicht mehr zu gebrauchen und reif für den Sperrmüll.

Alles musste raus in der Druckerei Zimmermann nach dem Unwetter „Bernd“ in der vergangenen Woche, denn das Unternehmen am Widukindplatz war regelrecht abgesoffen.

„Sämtliche Paletten mit Rohmaterial, halb fertigen oder fertigen Druckerzeugnissen sind zerstört, auch unsere Offsett-Druckmaschinen also das Herzstück unserer Produktion, sind nur noch Schrott“, sagt Julian Zimmermann. Der Junior-Geschäftsführer des seit 1930 bestehenden Familienunternehmens, schätzt die entstandenen Schäden durch die Wassermassen auf rund fünf Millionen Euro. „Als die sonst etwa 150 Meter entfernte Hönne durch unseren Produktionsbereich rauschte, stand das Wasser hier 1,30 Meter hoch.“

Letztendlich ist Julian Zimmermann deshalb froh, dass es bei Sachschäden geblieben ist. Deshalb denkt er bereits über die Zukunft der Druckerei Zimmermann nach: „Wir müssen unseren jetzigen Standort am Widukindplatz 2 hinterfragen.“ Denn welche Maßnahmen in Absprache mit der Versicherung als Vorsorge gegen ein mögliches weiteres Hochwasser getroffen werden müssen, sei noch nicht abzusehen. Es kommt also einiges auf Julian Zimmermann, der das Unternehmen in der vierten Generation leitet, und die Mitarbeiter zu. Um zukünftig aber auf der sicheren Seite zu sein, werde ein neuer Firmenstandort gesucht: „Wir möchten gerne im Stadtgebiet von Balve bleiben.“ Dafür käme eine Bestandsimmobilie in Betracht. Neu gebaut werden soll nicht.

Auf die Versicherung ist Verlass

Fünf Millionen Euro Sachschaden – damit ist die Druckerei Zimmermann sicherlich einer der am schlimmsten von diesem Jahrhunderthochwasser betroffenen Betriebe im Stadtgebiet. Verlassen kann sich der Geschäftsführer auf seine Versicherung, die schnell Dienstleister mit dem Aufräumen vor Ort und auch dem Konservieren der Maschinen und der Gebäudesubstanz beauftragte. Sämtliche Arbeiten laufen auf Hochtouren. Auch Trocknungsgeräte wurden zur Verfügung gestellt.

Etwa 1,30 Meter hoch stand das Wasser im Erdgeschoss des Firmengebäudes, wie Julian Zimmermann zeigt.

Julian Zimmermann erinnerte sich an den Mittwoch der vergangenen Woche: „Wir hatten bei dem starken Regen die Kanäle besonders beobachtet, da es hier zuletzt 2014 durch einen Rückstau eine Überschwemmung gegeben hat.“ 40 Zentimeter hoch stand damals das Wasser im Gebäude. Die Belegschaft hatte deshalb dieses Mal rechtzeitig viele Spundwände als Schutz vor eindringendem Wasser vor dem Firmengebäude angebracht, Zimmermann und sein Team fühlten sich deshalb sicher. Doch die Menge an Wasser, die letztlich aus der Hönne Richtung Firmengelände floss, konnten auch die Spundwände nicht aufhalten.

Putzfrau musste von der Feuerwehr gerettet werden

„Unsere Leute flüchteten sich in die obere Etage – die Putzfrau musste von der Feuerwehr durch ein Fenster gerettet werden.“ Die Belegschaft konnte dann nur noch abwarten, denn die firmeneigenen Pumpen kamen nicht gegen das Wasser an. Erst nach acht Stunden begann der Hönnepegel allmählich wieder zu sinken und das Wasser zog sich langsam aus dem Gebäude zurück. Geblieben sind immense Schäden, die Produktion steht seitdem still. „Uns sind die Aufträge regelrecht weggeschwommen“, sagt Zimmermann zusammen. „Aber die Mitbewerber helfen uns, alles abzuarbeiten.“ Für diese Solidaritätswelle ist er dankbar.

Junior-Geschäftsführer Julian Zimmermann schaut, was vom Inventar noch genutzt werden kann.

Und selbst in dieser Katastrophe sieht Julian Zimmermann noch etwas Positives: „Es hätte uns noch bedeutend schlimmer treffen können. Das wird deutlich, wenn man nach Erftstadt oder Ahrweiler schaut, wo auch viele Menschen gestorben sind.“ Deshalb sieht er das Hochwasser-Ereignis nun als Chance für seine Druckerei: „Uns steht ein Neubeginn bevor.“ Es könne ein neues Lager- und Maschinenkonzept überlegt und in die Tat umgesetzt werden. Nicht gerüttelt werde am Personalbestand: die etwa 80-köpfige Belegschaft bleibe erhalten. „Das sind gute Leute“, weiß er. „Einige können sogar noch unsere Bleidruckmaschine bedienen.“ Voll funktionsfähig ist diese, die im Obergeschoss nach ihrer aktiven Zeit jetzt als Blickfang dient. „Aber mit Bleisatz wird heute nicht mehr gedruckt; heute wird auf das Offsett-Druckverfahren gesetzt.“

Mitte September soll wieder produziert werden

Jetzt gehe es darum, neue Maschinen zu bestellen, die gebe es auf dem Markt derzeit aber nur gebraucht. „Ich bin dennoch optimistisch, Mitte September wieder anfangen zu können“, so Zimmermann. Denn: „Corona hatten wir mit einem blauen Auge überstanden, jetzt wollten wir eigentlich Vollgas geben…“ Wieder aufgenommen werden soll die Arbeit zunächst am Widukindplatz. Nach einem möglichen neuen und vor Hochwasser geschützten Standort schaut sich Julian Zimmermann noch um.

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