„Diese Arbeit endet nie“: Reimund Schulte und Ulrike Knips sichten im Stadtarchiv Tausende Akten

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Museumsleiterin Ulrike Knips steht vor einer der vielen Schrankwände im Stadtarchiv, in denen mehrere tausend Akten lagern.

Balve - 500 Regalmeter, die mehrere tausend Akten umfassen, haben nach ihrer mehr als 40-jährigen Zwischenlagerung im Keller und Dachgeschoss des Rathauses seit November 2013 ihren endgültigen Bestimmungsort im Stadtarchiv Balve gefunden. Reimund Schulte, Stadtarchivar, und Ulrike Knips, Museumsleiterin, nehmen sich gemeinsam der Aufgabe an, alle Unterlagen auf Archivwürdigkeit zu prüfen.

„Diese Arbeit endet nie“, sagt dazu Reimund Schulte, der nach seinem aktiven Dienst in einem Büro unter dem Dach des Rathauses im Ruhestand mit seinem Nebenjob im Keller der Realschule voll ausgelastet ist.

Mit Ulrike Knips steht ihm eine inzwischen gut eingearbeitete Fachfrau, die nach der Museumssaison die Archivarbeit mit übernimmt, zur Seite. „Man muss sich Zeit nehmen“, hat sie herausgefunden, dass die Sichtung der Ordner mit Rechnungen, Abrechnungen und auch Protokollen viel Aufwand beansprucht.

Bestand vor vier Jahren ergänzt

Der Bestand an Heimatgeschichte wurde vor vier Jahren ergänzt durch Unterlagen der Stadt Balve, die bis dahin der Märkische Kreis gelagert hatte: Etwa 500 Akten, die 40 Meter im Regal beanspruchen, warten ebenfalls darauf, erfasst zu werden.

Schulte und Knips müssen viel Papier in die Hand nehmen, bevor sie einen eigenen Vorgang dafür im Computerverzeichnis anlegen – vorausgesetzt, die Akten sind archivwürdig. Dies sei, so Schulte, der Fall, wenn sie einen bleibenden Wert für Wissenschaft und Forschung, historisch-politische Bildung, Gesetzgebung, Rechtsprechung, Institutionen oder Dritte haben. In jedem Fall sei dies zu prüfen. Unstrittig war dies bei den ältesten Exponaten, Protokolle aus dem 15. Jahrhundert sowie Karten ab 1665.

Stadtarchivar Reimund Schulte ist mit seiner Aufgabe im Keller der Realschule voll ausgelastet.

Hinzu kommen übrigens auch jetzt noch immer wieder neue Papierstapel, denn auch viele Privatleute und Vereine besuchen das Archiv, um dort Unterlagen aus ihrem Familienbesitz abzugeben. Erster Verein aus dem Stadtgebiet, der diesen Service nutzte, war 2014 der MGV Amicitia Garbeck. Inzwischen liegen auch vollständige Archive der St.-Sebastian-Schützen aus Balve, vom Förderkreis Friedhofskapelle Beckum und der Viehkasse Beckum vor. Weitere Anfragen auf Übernahme (Kolping Balve und CDU Balve) existieren.

Doktoranden und Ahnenforscher

Jeder Interessierte kann das Stadtarchiv übrigens für private Recherchetätigkeiten nutzen, was beispielsweise für die Erstellung von Doktorarbeiten immer wieder geschieht. Reimund Schulte hat beispielsweise einigen Doktoranden geholfen, über die Zeit des Dritten Reichs zu forschen. Dabei wurde einmal die Rolle der Polizei, ein anderes Mal die der Katholischen Kirche untersucht. Und sonst finden sich häufig Menschen ein, die Ahnenforschung betreiben. „Alles ist aber nur vor Ort einsehbar“, sagt Ulrike Knips. Dazu gehört auch der größte Schatz des Stadtarchivs, nämlich die 200 000 Negative aus dem Nachlass des Fotografen Gustav Engel. „Die sind aber noch nicht ausgewertet“, sieht Knips noch weiteres Potenzial, das es auszuschöpfen gelte.

Die Akten, die seit November 2013 im Komplex der Realschule gelagert werden, umfassen mittlerweile insgesamt rund 550 Regalmeter.

Alle bewahrenswerten Akten werden in die Archivbibliothek für die Ortsheimatgeschichte eingearbeitet, denn auch in 200 Jahren soll noch nachgewiesen werden, wie heute gelebt wird. Dafür finden die Archivare im Komplex der Realschule fast ideale Bedingungen vor. Lediglich ein Wunsch blieb bisher unerfüllt, wie Reimund Schulte gesteht: „Ich wünsche mir eine bessere Wegeführung. Weder am Eingang noch anderswo befindet sich ein Hinweis auf unseren Standort. Viele sind darauf angewiesen, in der Schule nachzufragen.“ Erst ein Türschild verrät dem Besucher, dass er richtig ist.

Das Stadtarchiv hat montags von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet sowie nach Abstimmung unter der Rufnummer 0 23 75 /9 37 28 38.

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