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Deutschlands Antwort auf Hollywood: Peter Prange erzählt Geschichte der Ufa

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Von: Thomas Krumm

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Peter Prange stellte am Freitagabend in der Burg Holtzbrinck seinen Ufa-Roman vor: Der Traumpalast.
Peter Prange stellte am Freitagabend in der Burg Holtzbrinck seinen Ufa-Roman vor: Der Traumpalast. © Krumm, Thomas

Es sind immer wieder schöne Heimspiele, die der Schriftsteller Peter Prange in seiner Heimatstadt gibt. „Mir geht immer das Herz auf, wenn ich nach Altena komme.“

Altena – Vorab gab es auch bei seiner jüngsten Lesung am Freitag in der Burg Holtzbrinck Klärungsbedarf. „Erkennst du mich wieder?“, fragte eine Dame, die sich als ehemalige Nachbarin herausstellte. „Wir haben zusammen gespielt!“, wusste Peter Prange. Auch ein Geschichtslehrer wurde vorab begrüßt. Später gestand der Autor, warum er Schriftsteller geworden war: „Oppa hat ‘in Betten’ gemacht. In dem Moment habe ich beschlossen: Ich werde Dichter.“

Zu Beginn gab es noch kleinere Problemchen zu lösen: Das mit den Hustenbonbons gegen den etwas trockenen Hals war schnell vom Tisch. Etwas länger dauerte der Kampf mit einem überraschend kraftlosen Mikrofon. Die Frage „Hat jemand zufällig Viagra dabei?“ schloss eine ganze Reihe vergnüglicher Bemerkungen zu diesem symbolträchtigen Ereignis ab. Das war ein Einstieg nach Maß, der die Stimmung doch erheblich auflockerte. Und so konnte er auch wieder ernst werden und das Personal seines neuen Romans über die Ufa-Filmfabrik, die „deutsche Antwort auf Hollywood“, vorstellen. „Der Traumpalast“ lautet sein Titel.

Peter Prange wiederholte jene Frage, die ihn auch schon bei seinem Roman „Eine Familie in Deutschland“ beschäftigt hatte: „Wie kann eine solche Kulturnation wie Deutschland einem solchen Menschen wie Hitler anheim fallen?“ Mit der Geschichte der Ufa erzählt er nun die Geschichte der Weimarer Republik „vom kollektiven Freiheitsrausch“ nach der Revolution von 1918 bis zur „kollektiven Selbstentmündigung“ bei der Übergabe der Macht an Adolf Hitler 1933.

Signieren ist Ehrensache, wenn der „Junge von Betten Prange“ mal wieder in seine Heimatstadt kommt.
Signieren ist Ehrensache, wenn der „Junge von Betten Prange“ mal wieder in seine Heimatstadt kommt. © Krumm, Thomas

Auch für Peter Prange war es eine überraschende Erkenntnis, dass die Ufa 1917 nicht etwa von geschäftstüchtigen Unternehmern aus der Unterhaltungsbranche, sondern von der obersten Heeresleitung gegründet wurde. Das Ziel war „die moralische Mobilmachung mittels bewegter Bilder“, die noch einmal die anfängliche Kriegsbegeisterung vieler Deutscher wecken sollte. Mit dem verlorenen Krieg verlor die Ufa diesen Zweck, und nun kam der Bankier Emil Georg von Stauß ins Spiel. Zum Erfolg verhalf dem Unternehmen sein Produktionsdirektor Erich Pommer, der für viele bedeutende Filme der Ufa verantwortlich zeichnete.

Peter Prange zählte die stattliche Reihe auf: Dr. Caligari, Dr. Mabuse, Metropolis, Faust, Die Nibelungen, Die Buddenbrooks und Der blaue Engel. Dazu kamen Operettenfilme und erfolgreiche Späße wie „Die Drei von der Tankstelle“.

Peter Prange führte in die Geschichte der Weimarer Republik und ihrer Traumfabrik ein und stellte seine beiden wichtigsten Figuren vor: Das Herz von Konstantin von Reichenbach „war immer frei – auch wenn er gerade drei Freundinnen hatte“, schrieb Prange über seinen Lebemann. Mit solchen Exzessen ist Schluss, als „Tino“ Rahel Rosenberg trifft, die für die Vossische Zeitung arbeitet. Dieses Elternpaar des Bräutigams aus Peter Pranges frühem Roman „Das Bernsteinamulett“ gerät dank der Recherchen des Autors in viele historisch verbürgte Ereignisse der Weimarer Republik und ihrer Traumfabrik.

Bei der Ufa selbst ist „Der Traumpalast“ inzwischen auf großes Interesse gestoßen. Kein Geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünschte sich 2017 in einer Festrede anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Ufa einen Film über deren Geschichte. Sein Wunsch könnte nun Wirklichkeit werden. Peter Prange freute sich, „dass sich dann durch mich das Wort des Präsidenten erfüllt“.

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