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Der Widerstand wächst: Keine Trasse mehr für die A46?

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Von: Julius Kolossa

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Die Karte der Lückenschluss-Gegner der Initiative GigA zeigt die ablehnenden Beschlüsse gegen das Projekt 46sieben.
Die Karte der Lückenschluss-Gegner der Initiative GigA zeigt die ablehnenden Beschlüsse gegen das Projekt 46sieben. © GigA

Der Widerstand gegen das Projekt 46sieben (Lückenschluss der Autobahn 46 zwischen Hemer und Menden und Weiterbau der Bundesstraße 7 bis Neheim) wächst. Es gebe keinen Platz mehr für eine Autobahn-Trasse, heißt es jetzt.

Balve/Eisborn – Das meint die „Gruppeninitiative gegen den Bau der A 46 und für eine Region ohne Autobahn“ (GigA 46/B7), nachdem der Arnsberger Bürgermeister Ralf Paul Bittner jüngst eine Vorlage in den Stadtrat eingebracht hat, die den Bau der A46/B7n ablehnt.

„Die Verwaltung der Stadt Arnsberg schlägt dem Rat vor, den Bau der Autobahn komplett abzulehnen. Die Vorlage zeigt, warum die A46/B7 keine Lösung für die Region sein kann: Sie ist nicht vereinbar mit dem Klimaschutzgesetz, führt zu einem weiteren Anstieg des Autoverkehrs, vernichtet wertvolle Wald- und Umweltgebiete und bietet kaum wirtschaftliche Vorteile“, heißt es in der Mitteilung der Lückenschluss-Gegner.

Die Aussage aus Arnsberg reihe sich ein in die Beschlüsse anderer Städte im Untersuchungsraum der A46. „Im Ergebnis zeigt sich dabei, dass es kaum noch eine Möglichkeit für eine Autobahntrasse gibt“, meint GigA. Bis auf Hemer gebe es keine Kommune im Untersuchungsraum, die sich noch eindeutig für die Autobahn ausspricht.

„Die erfolglose Suche nach einer umweltverträglichen Trasse dauert inzwischen fast 50 Jahre“, fordern die GigA-Sprecher Stefan Neuhaus und Lothar Kemmerzell die Suche nach einer Trasse „endlich zu beenden“.

Region „momentan nicht gut aufgestellt“

Das Projekt 46sieben ist aus Sicht von Autobahn GmbH und Straßen.NRW wichtig, damit Pendler schneller an ihr Ziel gelangten, Unternehmen zügig beliefert würden und ihre Waren ohne Probleme zum Kunden bringen könnten. Die Mobilität von Menschen und Gütern nehme weiter zu. Die Region sei dafür momentan nicht gut aufgestellt.

„Die Anbindung an die großen Ballungszentren ist unzureichend, das bestehende Straßennetz nicht leistungsfähig genug“, erklärt Straßen.NRW auf der Homepage zum Projekt 46sieben. Die Bundes- und Landesstraßen führten mitten durch Städte und Ortschaften. „Außerorts gibt es auf den zweispurigen Straßen enge Kurvenradien und fehlende Überholmöglichkeiten“, so Straßen.NRW. Das Resultat sei ein stockender Verkehrsfluss, der die Menschen, die an den Straßen leben, belaste und die Geduld der Pendler auf die Probe stelle. Mit der neuen Trasse würden Siedlungsgebiete vom Durchgangsverkehr entlastet und eine bessere Anbindung an die Oberzentren und Metropolregionen geschaffen. „Die im Rahmen der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans durchgeführte Verkehrsuntersuchung zeigt, dass eine durchgängige A46/B7 das bestehende Straßennetz entlastet und Engpässe beseitigt“, so Straßen.NRW. Die neue Trasse ziehe viele Verkehre ab, die bisher durch die Ortschaften fahren. Dadurch verbessere sich die Situation für die Anwohner und die Menschen kämen schneller von A nach B.

In Balve könnte besonders Eisborn von einer Realisierung des Lückenschlusses betroffen sein, denn der Untersuchungsraum für die mögliche Trasse reicht unmittelbar bis an die Ortsgrenze heran. Stadt, Politik und viele Unternehmen in Balve standen dem Projekt 46sieben bislang positiv gegenüber.

„Der Weiterbau der Autobahn 46 täte uns gut“, sagte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) im vergangenen Jahr im Gespräch mit der Redaktion, dass er sich dadurch unter anderem eine Stärkung der heimischen Wirtschaft erhoffe.

Dem widersprechen die Projektgegner. Auch ohne die A46 sei in den vergangenen Jahrzehnten die Region wirtschaftlich nicht zusammengebrochen. „Im Gegenteil. Insbesondere vor Corona und den Auswirkungen des Ukraine-Krieges war die Situation vieler heimischer Unternehmen hervorragend. Gleichzeitig waren die Arbeitslosenzahlen auf einem historischen Tiefstand. Eine neue Autobahn wurde dafür nicht benötigt“, teilt GigA mit.

In Arnsberg habe die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen im Sommer festgehalten, dass der südliche Bereich des Untersuchungsraums rund um Holzen und die Oelinghauser Heide für die A46/B7b nicht zur Verfügung steht.

Die Vorlage der Verwaltung bekräftige dies nun und bezieht auch den nördlichen Arnsberger Bereich rund um Echthausen in die Ablehnung mit ein. Ähnliche Beschlüsse haben auch die politischen Gremien in Fröndenberg, Wickede (Ruhr) und Menden gefasst (siehe Karte).

Die Lückenschluss-Gegner erinnern zudem an die bislang letzte Sitzung des Dialogforums zur A46 von Autobahn GmbH und Straßen.NRW. Fast alle teilnehmenden Bürger hätten sich gegen die weiteren Autobahnplanungen ausgesprochen.

„Es stellt sich die Frage: Wenn fast alle Städte die Planungen ablehnen oder skeptisch sehen und es dadurch gar keinen Platz mehr für eine A46-Trasse gibt – warum wird dann überhaupt noch weiter geplant?“, fragen Neuhaus und Kemmerzell.

Aktuell werde der Bundesverkehrswegeplan überarbeitet. „Die Botschaft zur A46 an Land und Bund kann nur sein: In einem neuen Bundesverkehrswegeplan hat die A46/B7 nichts mehr zu suchen“, so Neuhaus und Kemmerzell abschließend.

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