Zwei Generationen erzählen

Der Wandel in der Landwirtschaft: „Ohne Dreisatz geht nichts“

Auch auf dem Trecker ist ihr Arbeitsplatz: Lena Kordes (20) lässt sich auf dem Hof Schmoll in Höveringhausen zur Landwirtin ausbilden.
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Auch auf dem Trecker ist ihr Arbeitsplatz: Lena Kordes (20) lässt sich auf dem Hof Schmoll in Höveringhausen zur Landwirtin ausbilden.

„Landwirtin ist ein vielseitiger Beruf“, sagt Lena Kordes. Die 20-Jährige muss es wissen. Denn sie ist in ihrem dritten und letzten Lehrjahr auf dem Hof Schmoll in Höveringhausen – und fühlt sich rundum wohl.

Kordes lebt mit ihrer Familie auf Burg Klusenstein und hatte dort zunächst Gefallen an der Landwirtschaft als Hobby gefunden. Nach dem Abitur am Placida-Viel-Berufskolleg in Menden entschied sie sich dann für die Ausbildung zur Landwirtin. Ihr Ausbilder ist Guido Schmoll (47). 1993 hat Schmoll nach dreijähriger Ausbildung auf dem familieneigenen Hof, aber auch auf dem Hof Wellie in Fröndenberg dann 1995 und 1996 noch zwei weitere Jahre an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Meschede weiter gelernt. Seitdem ist Schmoll staatlich geprüfter Landwirt und darf auch ausbilden.

Lena Kordes hat im ersten Lehrjahr alles lernen müssen – von der Nutzung der Maschinen bis hin zum Füttern und Melken. Und so war es einst auch bei Guido Schmoll: „Auch bei uns war die Ausbildung universell, interessant und arbeitsreich.“ Zu seiner Lehrzeit sei die Arbeit aber körperlich noch deutlich härter gewesen. „Wir mussten damals 50 Kilogramm schwere Kartoffelsäcke tragen, heute wiegen die nur noch 25 Kilogramm“, nennt er ein Beispiel. Auch Maschinen erleichterten vielfach das Arbeiten.

Ausbilder und Auszubildende: Guido Schmoll und Lena Kordes.

Früher noch ohne Klimaanlage und Servolenkung

Aber Lena Kordes packt überall mit an, wo es erforderlich ist. Das macht ihr Spaß: „Es ist hier so familiär und vielseitig.“ Sie hat mit Tieren ebenso zu tun wie mit Ackerbau und Grünlandpflege. Und sie fährt auch Trecker. „Wir hatten damals keine Klimaanlage“, erinnert sich Schmoll. „Und auch keine Servolenkung.“ All dies gehöre inzwischen längst zur Serienausstattung. Es sei leichter geworden im Laufe der Jahre: Früher wurde beispielsweise von Hand gefüttert, heute erfolgt die Zuteilung je nach Tier automatisch.

Hof Schmoll: Seit 1897 in Familienbesitz

Der Hof in Höveringhausen ist seit 1897 im Besitz der Familie Schmoll. Zunächst wurden Kühe, Schweine und Rinder gehalten, 1913 wurden eine Scheune und ein Schweinestall angebaut. Guido Schmoll, der den Familienbetrieb in der vierten Generation mit seiner Frau Silvia und den Söhnen Antonius, Lasse und Lennart führt, entschloss sich 2002, auf Schweinezucht zu verzichten. Seitdem hat er sich auf Rinderhaltung mit 165 Tieren (davon 70 Milchkühe) und Kartoffel-Vermarktung spezialisiert. Bewirtschaftet werden insgesamt 85 Hektar Acker- und Grünflächen. 27 Hektar gehören den Schmolls in Höveringhausen, 58 Hektar haben sie in Garbeck und Höveringhausen gepachtet. Seit 2000 gibt es einen Hofladen, in dem die hofeigenen Produkte, darunter die Kartoffelsorten Bamberger Hörnchen, Belaner, Goldmarie, Wega, Solarer, Anuschka, Annabell und Blaue Anneliese, angeboten werden. Kartoffeln werden mit eigenen Maschinen eingesät und geerntet. Für die Bearbeitung der Äcker und Grünflächen werden Lohnunternehmen angefordert.

„Wir müssen dafür sehr viel mehr dokumentieren“, erzählt Lena Kordes aus ihrem Arbeitsalltag. „Man sitzt sehr viel im Büro und fasst am PC die Arbeit auf dem Feld und am Tier zusammen.“ Guido Schmoll ergänzt: „Das war während meiner Ausbildung bedeutend weniger.“ Er sei mehr auf dem Feld und im Stall gewesen. Und unter den 15 Azubis seines Jahrgangs habe es nur einen weiblichen gegeben. „Alle kamen vom eigenen Hof, um sich zum Landwirt ausbilden zu lassen, um dann den Hof weiterzuführen.“

Fünf Frauen unter 24 Auszubildenden

„Wir sind fünf Frauen unter insgesamt 24 Auszubildenden. Und von denen kommt keiner aus einer Landwirte-Familie“, erzählt Kordes von ihrem Jahrgang. Vielmehr sei es die berufliche Perspektive, die den Job als Landwirt attraktiv mache. An Arbeit werde es nicht fehlen, davon ist Guido Schmoll überzeugt: „Die Höfe suchen Angestellte.“

Seine Auszubildende beendet am 31. Juli 2022 ihre Lehre, wobei sie noch viel über Düngen, Füttern und Aussaat zu lernen hat. „Ohne Dreisatz geht nichts“, betont sie, wie wichtig Mathematik ist. Nach der Lehre möchte die 20-Jährige die Fachhochschule in Soest besuchen und dort Agrarwirtschaft studieren.

Der jüngste Sohn möchte übernehmen

Um die langfristige Nachfolge auf seinem Hof muss sich Schmoll dennoch keine Sorgen machen. „Ich will Bauer werden“, sagt sein fünfjähriger Sohn Antonius, der in diesem Jahr in die Grundschule kommt. Sein Vater hat nichts dagegen, will er ihm doch alle Freiheiten lassen, die ihm auch sein Vater gelassen habe. Dabei scheinen die Berufe der älteren Söhne auch schon vorgezeichnet: der Älteste will Anwalt, der Mittlere Reiter werden.

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