1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

„Der Wald stirbt nicht“: Experte spricht über seine Maßnahmen gegen den Klimawandel

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Bernward Lösse steht zwischen dem Bäumen auf seinem Jungferngut in Garbeck. Hier wachsen mehr als 120 verschiedene Baumarten.
Bernward Lösse steht zwischen dem Bäumen auf seinem Jungferngut in Garbeck. Hier wachsen mehr als 120 verschiedene Baumarten. © Kolossa, Julius

„Unser Wald hat Chancen zu überleben – unsere Aufgabe ist es, diese Chancen zu nutzen!“ Bernward Lösse versuchte am Montag im Balver Pfarrheim im Rahmen des Kolpingforums seine Botschaft zu vermitteln: „Der Wald stirbt nicht.“

Dazu nahm er die rund 40 Zuhörer mit auf einen imaginären Spaziergang durch seinen Wald. 300 Hektar bewirtschaftet der studierte Diplom-Agraringenieur mit seiner Familie auf dem Jungferngut Garbeck. Um als Waldbauer auch zukünftig Erträge zu erzielen, setzt er auf Baumarten, die widerstandsfähiger gegen das Klima als die bisherigen Brotbäume Fichte und Buche sind. Jahrzehntelang haben diese beiden Baumarten die Familien im Sauerland versorgt, jetzt sei es an der Zeit, auf andere Arten zu setzen. „Denn auch die Buche stirbt uns weg“, will Lösse festgestellt haben, dass der Klimawandel auch diesem Baum die Lebensgrundlage Wasser entziehe.

Schon vor mehr als 30 Jahren habe er sich mit dem Anpflanzen anderer Baumarten in seinen Wäldern beschäftigt, um zu sehen, wie zum Beispiel die Große Küstentanne, Schwarzkiefer, die Japanische Sicheltanne, der Gebirgsmammutbaum oder auch der Küstenmammutbaum auf heimischem Boden angehen. „Sie machen sich“, zog er am Montagabend eine positive Bilanz, vergaß dabei allerdings nicht den wichtigen Faktor Zeit zu erwähnen. Denn Zeit sei es, die man einem Wald geben müsse, um sich zu entwickeln.

Ruhe und Beständigkeit als wichtige Faktoren

Mehr als 120 Baumarten wachsen auf dem Gelände des Jungferngutes in Garbeck, die auf verschiedene Weise zur Vielfalt beitragen. So mit dem Laub als Grundlage für einen ertragreichen Boden, oder aber als Nahrungsgrundlage für Bienen. Bei seinem „Waldspaziergang“ zeigte Lösse dem Publikum auf vielen Fotos, wie sich seine Waldlandschaft entwickelt. Ruhe und Beständigkeit brauche diese dafür, aber auch das Eingreifen des Menschen.

Man hätte, so Bernward Lösse, in den Wäldern viel eher auf den Borkenkäfer reagieren können und müssen. Totes Fichtenholz als Brutmaterial für den Käfer hätte bedeutend früher und schneller abtransportiert werden müssen. Zu viel Holz sei liegen geblieben seit Sturmtief Friederike im Jahr 2018. Bernward Lösse aber packt an. „Ich experimentiere gerne“, sagte er dazu, dass er seine Waldbestände mit verschiedenen Baumarten mischt und dabei auch freie Flächen zulässt. Denn: „Bäume brauchen Platz.“

Das Erscheinungsbild wird sich verändern

Dass der Wald stirbt, davon geht er nicht aus. Aber davon, dass sich das Erscheinungsbild des Waldes ändern wird. Lösse setzt darauf, dass Monokulturen wie reine Buchenflächen verschwinden werden und stattdessen ein Mischwald an selber Stelle entsteht.

Unter anderem darüber hat Lösse zusammen mit Andreas Kersting das Buch „Der Wald stirbt nicht“ geschrieben, das im Oktober vergangenen Jahres herauskam. Seitdem hat er immer wieder Forstbetriebsgemeinschaften bei sich in Garbeck zu Besuch, die auf seine Erfahrungen zurückgreifen wollen.

Auch interessant

Kommentare