Ju 88 stürzt in Eisborner Wald ab

Heimatforscher untersucht Flugzeugabsturz

Dr. Rudolf Tillmann zeigt die Absturzstelle des Nachtjägers im Eisborner Wald.
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Dr. Rudolf Tillmann zeigt die Absturzstelle des Nachtjägers im Eisborner Wald.

Eisborn – Es war der 11. November 1944: Die deutsche Luftwaffe versuchte im Zweiten Weltkrieg die Hoesch-Werke gegen einen Fliegerangriff zu verteidigen. Dabei gab es massive Verluste. Eine von britischen Bombern getroffene Maschine stürzte in einem Wald bei Eisborn ab.

Die Besatzung verlor bei der darauffolgenden Explosion der Munition und des Treibstoffs ihr Leben. Beerdigt wurden die Männer auf dem Friedhof in Eisborn: ihre drei Grabsteine sind stumme Zeugnisse davon. Damit wollte sich Heimatforscher Dr. Rudolf Tillmann jedoch nicht abfinden. „Ich will diese Drei aus ihrer Anonymität herausholen“, erzählte er im Gespräch mit der Redaktion.

Die abgestürzte Maschine, eine Ju 88, gehörte zum in Varel (Ostfriesland) stationierten Nachtjägergeschwader 3, das an diesem 11. November im Einsatz gegen einen britischen Bomberverband eingesetzt wurde – in jener Nacht wurden die Hoesch-Werke in Dortmund angegriffen. 228 Flugzeuge (209 Lancaster-Bomber und 19 Mosquitoes-Jäger) warfen 1127 Tonnen an Bomben ab. Der Angriff dauerte von 18.26 bis 19.18 Uhr.

Nachtjäger mit Junkers Ju 88

Dagegen setzte die deutsche Luftwaffe ihre Nachtjäger mit Junkers Ju 88-Flugzeugen ein. Feldwebel Kurt Boldt (23) steuerte als Pilot die Ju 88 im Luftkampf über Dortmund, die wenig später in Eisborn abstürzen sollte. Mit ihm an Bord waren der Bordfunker Reinhold Brachmann (20/Obergefreiter), und der Bordmechaniker Robert Härtl (28/Unteroffizier). Nachdem die Maschine von britischen Bombern getroffen worden war, versuchte Pilot Boldt noch notzulanden, das Flugzeug stürzte jedoch vorher im Eisborner Wald ab.

Dr. Rudolf Tillmann hat sich intensiv mit diesem Ereignis befasst. Er forschte nach beim Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, dem Sterberegister in Eisborn und in Militärarchiven in Großbritannien und Deutschland. „Nach einem Jahr habe ich schon einige Informationen zusammengetragen“, sagte er bei einem Ortstermin an der damaligen Absturzstelle.

Dabei berichtete er über den Einsatz an jenem 11. November 1944, aber auch darüber, dass dies der fünfte von acht Großangriffen auf Dortmund mit seinen Industrie-, Energie- und Verkehrsschwerpunkten war: „Tagsüber griffen die Amerikaner, nachts die Briten, Kanadier, Australier und Neuseeländer an.“

Während dabei die Abschüsse des Feindes (insgesamt 139) in den Fokus der deutschen Kriegspropaganda gerückt wurden, ging man mit den eigenen Verlusten bedeutend zurückhaltender um: ein solcher Verlust passte nicht ins Bild der Berichterstattung, denn er musste zwar für die Akten registriert, durfte aber sonst nicht publiziert werden. Dafür hatte Dr. Rudolf Tillmann aber zwei Fotos für sein im Jahr 2013 herausgegebenes Buch „Eisborn/Asbeck – Eine Chronik in Bildern“ erhalten können. Auf Seite 126 hat er diese veröffentlicht, dazu einige seinerzeit bekannte Angaben geschrieben.

„Dieses Ereignis hat mich immer fasziniert“, erzählte er. In seinem Wohnort Mettmann kam er in den vergangenen Jahren mit dortigen Heimatforschern ins Gespräch, darunter solchen, die Abstürze von Flugzeugen im Zweiten Weltkrieg auswerteten. Bei seinen Besuchern in seiner Heimat auf dem Hof Tillmann in der Grübeck nahm sich Dr. Tillmann vor einem Jahr dieses Themas wieder an. „Ich bin auf die Suche gegangen – und ich bin auch fündig geworden.“

So weiß er, dass die Ju 88 in einem Buchenwald abstürzte. Nach der Bergung des Wracks und der Besatzung wurden dort Fichten gepflanzt. Demnächst soll dort ein zertifizierter Sondengänger auf die Suche nach Fundstücken gehen. Dr. Rudolf Tillmann hat dies ermöglicht: „Ich bleibe weiter an diesem Thema dran“, versprach er.

Kontakt: Wer weitere Informationen zu diesem oder anderen Ereignissen der damaligen Zeit hat, kann über die Internetseite www.rudolf-tillmann.de Kontakt mit dem Heimatforscher aufnehmen.

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